Monthly Archives: Mai 2016

Erfolgsbilanz nach 25 Jahren: Deutsch-Polnischem Jugendwerk geht die Arbeit nicht aus

Diese Zahlen sprechen für sich: 2,7 Millionen Jugendliche aus Deutschland und Polen haben sich durch die Arbeit des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) in den vergangenen 25 Jahren kennengelernt. Das sind mehr als 70.000 Jugendbegegnungen, die das Jugendwerk seit seiner Gründung 1991 unterstützt hat. Doch hinter diesen Zahlen stecken ganz persönliche Begegnungen, Erlebnisse, die die Jugendlichen beider Länder miteinander teilen und Freundschaften, die über die Jahre gewachsen sind.
2016 wieder Warteliste
Die vorhandenen Mittel in Höhe von rund 9,2 Mio. Euro reichen schon seit Jahren nicht aus, um alle beantragten Projekte ausreichend zu fördern. So wird auch 2016 wieder ein Jahr werden, in dem das Jugendwerk eine Warteliste für Projektanträge einrichten muss. Jährlich fördert das DPJW rund 3000 deutsch-polnische Projekte – vom klassischen Schulaustausch, über Treffen von Sportvereinen und Pfadfindergruppen bishin zu gemeinsamen Chor- oder Orchesterprojekten. „Im Jubiläumsjahr wollen wir zeigen, was Jugendliche gemeinsam bewegen können“, sagt DPJW-Geschäftsführer Stephan Erb. Rund 80 Projekte machen mit bei der DPJW-Kampagne „#2gether4more“ und planen während ihres Austausches eine gemeinnützige Aktion, die sie vor Ort umsetzen. Das kann eine Art Tanz-Flashmob sein oder eine Aufräumaktion auf einem Sportplatz. Was sie genau auf die Beine stellen, lässt sich im Internet unter http://2gether4more.dpjw.org/ anschauen.
Wichtiger Pfeiler der Nachbarschaft
Für das Land Brandenburg ist nach Worten von Staatssekretär Thomas Kralinski, Beauftragter für Internationale Beziehungen, der Jugendaustausch ein wichtiger Pfeiler zum Ausbau der Beziehungen mit Polen. In keinem anderen Bundesland würden mehr deutsch-polnische Jugendbegegnungen beim DPJW beantragt. „Das Jugendwerk ist deshalb für Brandenburg eine Schlüsselinstitution und aus den deutsch-polnischen Beziehungen nicht mehr wegzudenken. Wenn es das Jugendwerk nicht gäbe, müsste man es heute erfinden: Denn es gibt keinen Automatismus für immer bessere und engere Beziehungen. Vielmehr muss sich jede Generation erneut füreinander interessieren und sich begegnen, um gemeinsam Verantwortung für ihre Zukunft zu übernehmen. Das DPJW fördert hier die passenden Formate. Zumindest für die deutsche Seite kann man sagen: Unsere Jugendlichen lernen Polen als modernes und interessantes Land kennen. Dabei wird manches noch existierendes Vorurteil durch eigene Anschauung widerlegt.“ In diesem Zusammenhang nannte Kralinski auch die trilateralen Projekte des Jugendwerkes mit der Ukraine.
Jugend als Maßstab
Für Bildungs- und Jugendminister Günter Baaske ist das DPJW ein „Grundelement zur langfristigen – und damit auch generationenübergreifenden – freundschaftlichen Verbindung von Brandenburg mit Polen“. Dabei würden die benachbarten Wojewodschaften naturgemäß eine besondere Rolle spielen.“ Baaske: „Durch aktuelle Verstimmungen, wie die unterschiedlichen Positionen in Flüchtlingsfragen, lassen wir uns von diesem Weg nicht abbringen. Wir brauchen einander – und das sollte unsere Wegschnur sein. Die Jugend ist dafür der Maßstab.“
Die zahlreichen Schüler- und Jugendbegegnungen sind für Baaske ein wichtiges Instrument, zum gegenseitigen Kennenlernen der jungen Generation beider Länder. Das DPJW unterstützt die Begegnungen mit Reisekosten- und Programmkostenzuschüssen, wofür sich Baaske ausdrücklich beim DPJW-Geschäftsführer Stephan Erb bedankt. Die Verbindung zwischen Jugendlichen beider Länder stärkt auch der seit 2011 bestehende Deutsch-Polnische Tag. Dabei werden Schulen animiert und unterstützt, Projekte mit Bezug zum Nachbarland zu starten.
Brandenburg fördert Fahrten zu Gedenkorten
In diesem Jahr unterstützt das Bildungsministerium mit 100.000 Euro Schulfahrten in Verbindung mit dem Besuch von Gedenkorten in Polen. Bisher haben sich dafür rund 600 Schülerinnen und Schüler von 13 Schulen angemeldet. Hauptziel als Gedenkort ist das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.
Die Verbindung zwischen den Ländern kann aber auch die Beschäftigung von Lehrkräften aus Polen an Brandenburger Schulen stärken. Baaske: „Die derzeit etwa 50 Lehrkräfte aus Polen vermitteln den Kindern und Jugendlichen täglich nicht nur Wissen in vielen Fächern, sondern auch Kultur von unserem direkten Nachbarn. Dieser direkte Kontakt lässt Grenzen auch im Herz und Kopf verschwinden.“ Zugleich lernen fast 2.500 Schülerinnen und Schüler Polnisch an Brandenburger Schulen.
Am Anfang war Exotik
Ging es in den Anfangsjahren nach der DPJW-Gründung noch um ein vorsichtiges Entdecken bis dahin weitgehend unbekannter Welten, ist der deutsch-polnische Jugendaustausch nach 25 Jahren für Tausende von Vereinen, Kulturgruppen und Schulen zum festen Bestandteil im jährlichen Veranstaltungs- und Projektekalender geworden. Wenn sich heute die Jugendlichen treffen, beschäftigen sie sich zunehmend mit Themen, die sie direkt betreffen – wie Fragen der Berufsorientierung oder der nachhaltigen Entwicklung. Das Jugendwerk unterstützt diese Entwicklung gezielt, indem es regelmäßig neue Themenschwerpunkte auslobt und praxisnahe Fortbildungen und Publikationen für Organisatoren anbietet.
Neue Akzente in der Arbeit
In der Arbeit des Jugendwerks haben sich die Akzente in den vergangenen Jahren verschoben. „Wir wollen verstärkt Jugendliche für deutsch-polnischen Austausch gewinnen, die bisher unterrepräsentiert waren“, betont Geschäftsführer Stephan Erb. Mit Themen wie Berufsorientierung, einem Straßenfußball-Turnier zur EM oder einem Modellprojekt zur Kooperation von Bildungsstätten und Förderschulen sind schon erfolgreiche Anfänge gemacht. Rund 6 Prozent der geförderten jährlichen Austauschprojekte sind aus dem Bereich berufliche Bildung.
Zusammenarbeit mit Osteuropa
Dass Europa nicht an der Ostgrenze der EU endet, bestimmte schon seit vielen Jahren die Arbeit des DPJW. Angesichts der Ukraine-Krise hat die Unterstützung für trilaterale deutsch-polnisch-ukrainische Projekte seit 2014 noch einmal an Bedeutung zugenommen. Projekte mit der Ukraine zählen zu den Spitzenreitern unter den Drittlandprojekten, die das DPJW fördert. Rund 100 deutsch-polnisch-ukrainische Jugendbegegnungen wurden 2015 gefördert. Mit Hilfe von Fördermitteln des Auswärtigen Amtes für Projekte mit Ländern der sogenannten „Östlichen Partnerschaft“ kann das Jugendwerk 2016 erneut deutsch-polnisch-ukrainische Begegnungen auch in der Ukraine unterstützen.

Wrocław schafft neuen Rekord

Wrocław, Europas Kulturhauptstadt, hat am 1. Mai einen Eigenen Rekord gebrochen.

Beim Weltrekord-Versuch auf dem Rynek in Wrocław.

Beim Weltrekord-Versuch auf dem Rynek in Wrocław.

Seit 2003 versucht man in der Stadt in Erinnerung an Jimi Hendrix möglichst viele Gitarristen zusammen zu bringen, die gemeinsam den berühmten Song „Hey Joe“ spielen. Damals startete man mit 588 Teilnehmern. Im nächsten Jahr waren es bereits 916, 2008 erreichte man 1951 Teilnehmer. Ein großer Sprung dann 2009, wo sich 6346 Spieler am Rynek versammelten. Eine weitere Steigerung 2012 mit 7273 Spielern. Jetzt, im Jahr der Kulturhauptstadt gelang es, 7345 Gitarrenspieler, von jungen Mädchen bis zu Rock-Opas zum gemeinsamen spielen auf den Marktplatz von Wrocław zu versammeln. Ein neuer Eintrag ins Guinness-Buch der Weltrekorde ist fällig.

Warten auf den großen Moment.

Warten auf den großen Moment.

Letzte Probe, an der Mauer der Elisabethkirche neben dem Marktplatz.

Letzte Probe, an der Mauer der Elisabethkirche neben dem Marktplatz.

Kulturzug ist gestartet

Kulturzug Berlin-Wrocław

Kulturzug Berlin-Wrocław

Berlin und Wrocław, das frühere Breslau, haben viel gemeinsame Geschichte. Schließlich waren es beides Preußische Städte. Doch mit der gemeinsamen Gegenwart ist es durchaus schwierig. Noch immer ist die nur 300 km entfernte polnische Stadt in Berlin kaum im Bewusstsein. Kein Wunder, dass auch die Verkehrsverbindungen immer schlechter wurden. Am 13. Dezember 2013 fuhr der vorerst letzte durchgehende Zug zwischen beiden Städten. Doch jetzt am 30. April 2016 wurde im kleinen Rahmen und für begrenzte Zeit wieder eine Bahnverbindung aufgenommen: Der „Kulturzug“. Anlaß dafür ist die Tatsache, dass Wrocław 2016 Europas Kulturhauptstadt ist. Zu diesem Anlass wurde ein am Wochenende verkehrender Sonderzug eingerichtet. Um die aufgrund der noch immer nicht vollständig restaurierten Strecke doch lange Fahrzeit von viereinhalb Stunden so angenehm wir möglich zu machen, wird schon im Zug einiges geboten.

Sprachkurs im Zug

Sprachkurs im Zug

Zu allererst kann man im Zug ohne Mühe einen kleinen Sprachkurs mitmachen. An den Wänden sind nämlich Zettel mit Sprachbeispielen angebracht. Dann kommt eine rollende Bibliothek durch den Zug wo man sich kostenlos Literatur über Wrocław für die Fahrtdauer ausleihen kann. In Kürze sollen auch die „Breslau-Krimis“ erhältlich sein. Aber auch ein kleines Kulturprogramm ist vorgesehen. Beim Start gab es beispielsweise literarische Kostproben über den Zuglautsprecher. Auf jeden Fall sollen immer Musikergruppen unterwegs zusteigen und eine Station lang die Fahrgäste unterhalten. Geplant sind auch Lesungen und Gespräche mit verschiedenen Autoren.

Natürlich ist auch die gastronomische Versorgung gewährleistet: Ein Trolley mit heißen und kalten Getränken, Snaks und Süsigkeiten zu günstigen Preisen ist im polnischen Teil der Strecke im Zug.

Der Kulturzug ist ein Projekt, das gemeinsam von der Stiftung ZukunftBerlin, der Kulturprojekte-Berlin GmbH, dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, der DB-Regio Nordost und der polnischen Koleje Dolnośląskie (Niederschlesische Eisenbahn) realisiert wurde.

Das Nationale Musikforum wurde im September 2015 eröffnet.

Das Nationale Musikforum wurde im September 2015 eröffnet.

In der Kulturhauptstadt wartet dann ein interessantes Kulturprogramm auf die Besucher der Stadt. An einigen Wochenende gibt es große Festivals. Zum Start des Kulturzuges konnte man in Wrocław ein Jazz und Gitarrenfestival besuchen.

Jazz-Festival am 30.4.2016 in der Jahrhunderthalle.

Jazz-Festival am 30.4.2016 in der Jahrhunderthalle.

TIPPS und HINWEISE:

Die Züge fahren jeweils Samstag und Sonntag um 8.31h ab Bahnhof Lichtenberg (Zustieg 8.36 am neuen Regionalbahnsteig in Ostkreuz möglich). Der Zug erreicht Wrocław um 13.05h. Die Rückfahrt ist am Samstag um 19.21h (Ankunft Lichtenberg 23.54), Sonntag bereits um 16.29h (Ankunft 21.33). Es ist auch möglich Samstag hin und Sonntags zurück zu fahren. Die Sonderfahrkarten zum Preis von 19 Euro je Strecke (Hin- und Rückfahrt 38 Euro) sind an den Verkaufsstellen sowie den DB-Automaten erhältlich. Die Tickets werden in Wrocław auch in Bussen und Straßenbahnen als Tageskarte anerkannt.

Das aktuelle Veranstaltungsprogramm in Wrocław ist online hier abrufbar. (auch auf Deutsch).

Die Berliner „Kulturprojekte Berlin GmbH“ hat zum Kulturhauptstadtjahr 2016 Wrocław gemeinsam   mit dem be.bra Verlag das Buch „Berlin und Breslau. Eine Beziehungsgeschichte“ veröffentlicht. Das Buch möchte beide Städte einander näher bringen. Herausgegeben von einem deutsch-polnischen Tandem, Mateusz Hartwich und Uwe Rada, beschreiben mehr als 20 deutsche und polnische Autorinnen und Autoren die verflochtene Geschichte beider Städte, ihre Gemeinsamkeiten, Konflikte und Utopien. Das Ergebnis ist die doppelte Stadtgeschichte einer grenzüberschreitenden Region mitten in Europa.
Ab Mai ist die Verlagsausgabe im deutschen Buchhandel zum Preis von 16 Euro erhältlich. Eine deutsch-polnische Sonderausgabe wird in Kürze im Online-Shop der Kulturhauptstadt Wroclaw 2016 unter www.wroclaw2016.pl erhältlich sein.

 

Eine ausführliche Berichterstattung zur Kulturhauptstadt finden Sie in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift „POLEN und wir“.  In der Januar-Ausgabe 2016 haben wir bereits ein Interview mit dem Stadtpräsidenten von Wrocław veröffentlicht.

Das alte Rathaus

Das alte Rathaus