Yearly Archives: 2019

Presseschau zur Parlamentswahl in Polen

Am 13. Oktober finden in Polen die Wahlen zum Sejm (Parlament) statt. Wir dokumentieren hier übersetzte Artikel aus Polnischen Medien dieser Tage, die wir dem Pressespiegel von Mitte 21 – Verein zur Förderung der Völkerverständigung und der Demokratie e.V., übernehmen.
Bei Interesse an diesem regelmäßigen Newsletter wenden Sie sich bitte an kontakt@mitte21.org

Wyborcza.pl, das Online-Portal der Gazeta Wyborcza, schreibt:
Polen als Beute einer Partei

Noch nie hat sich eine Regierungspartei seit dem Fall des Kommunismus so bedeutende Bereiche des Staatswesens gefügig gemacht.

Die vier Jahre der Herrschaft der PiS sind eine Zeit des unglaublichen Ausbruchs von Skandalen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Dritten Republik Polen wird ein hoher Staatsbeamter, der Leiter der polnischen Finanzaufsichtsbehörde, der Korruption verdächtigt. Der Premierminister will eine seltsame Transaktion, Immobilien zu einem extrem günstigen Preis zu kaufen, nicht erklären. Dem Präsidenten der Regierungspartei wird vorgeworfen, 50 000 PLN von einem österreichischen Geschäftsmann erpresst zu haben für einen Priester, ohne dessen Zustimmung in Warschau nicht mit dem Bau eines Wolkenkratzers begonnen werden konnte. Aus staatlichen Mitteln und aus einer von staatlichen Unternehmen finanzierten Stiftung fließen Millionen von Geldern für mit der Regierungspartei verbundene Personen. Eine von Zbigniew Ziobro geförderte Gruppe von Richtern befasst sich unter Verwendung vertraulicher Informationen mit der Verbreitung von Hass im Internet. Der Finanzminister und der spätere Leiter des Obersten Rechnungshofs vermietet in Krakau Mietshäuser für die Bedürfnisse eines Stundenhotels. Der Skandal um das Breslauer Rote Kreuz, an dem lokale PiS-Politiker beteiligt sind, wird unter den Teppich gekehrt.

Heute sind alle Geheimdienste Mariusz Kamiński unterstellt, einem engen Mitarbeiter von Jarosław Kaczyński. Die Staatsanwälte werden von Ziobro streng kontrolliert, und das TVPiS wird persönlich von Jacek Kurski gesteuert. Durch dieses geschlossene System fühlen sich Aktivisten der Regierungspartei immer straffreier.

Milliarden in den Händen der Partei

Vor dem Jahr 2015 hatten die regierungsbildenden Parteien sowie ihre Kommunalpolitiker Einfluss auf die Besetzung staatlicher Unternehmen. Die Säuberungen waren jedoch noch nie so gründlich wie unter der PiS. Bei Ernennungen von Vorstandsvorsitzenden wurden Sachkompetenzen noch nie so missachtet.

Mehrere PiS-Politiker schlossen sich den Vorständen an. Wojciech Jasiński, Abgeordneter für mehrere Amtszeiten, wurde Leiter von Orlen. Ein weiterer Abgeordneter Andrzej Jaworski wurde Mitglied der Geschäftsleitung der PZU, dann PKO BP und schließlich der Nationalen Zuckergesellschaft. Małgorzata Sadurska ist aus der Kanzelei von Präsident Duda in den Vorstand der PZU gewechselt. Der Abgeordnete Maks Kraczkowski wurde Vizepräsident der größten polnischen Bank PKO BP. Es war sein erster Job außerhalb der Politik.

In den meisten staatlichen Unternehmen wechseln die CEOs durchschnittlich einmal im Jahr, was auf Kriege zwischen lokalen PiS-Politikern und auf die Rivalität zwischen Premierminister Morawiecki und Ziobro zurückzuführen ist. Zu Leiter großer Unternehmen werden Menschen, die unter Marktbedingungen höchstens von der Position eines kleinen Abteilungsleiters träumen könnten. Ein Beispiel ist der derzeitige Präsident von PKN Orlen Daniel Obajtek, ehemaliger Gemeindevorsteher von Pcim, der vor nur fünf Jahren sein Studium im Bereich Umweltschutz an der Privaten Hochschule für Umweltschutz in Radom abgeschlossen hat.

Unter guten wirtschaftlichen Bedingungen und mit einer monopolistischen Position erzielen staatliche Unternehmen Gewinne, obwohl ihr Börsenwert und die gezahlten Dividenden sinken. Kaczyński ist das egal. Diese Unternehmen haben – wie alles, was PiS unterstellt ist – die unmittelbaren Interessen der Partei zu verfolgen. Die von der Regierung kontrollierten Unternehmen haben sich der polnischen Nationalstiftung angeschlossen, die Millionensummen für die PiS-Propaganda zur Verfügung stellt und es den befreundeten Personen ermöglicht, Geld zu verdienen.

Weil die PiS, einschließlich Ministerpräsident Morawiecki, die Wirtschaftspolitik als manuelle Kontrolle staatseigener Unternehmen verstehen und als Ausgeben der öffentlichen Gelder für die von Politikern festgelegten Ziele. Eine schlechte Managementqualität führt dazu, dass diese Ziele nicht erreicht werden. Ein Beispiel ist der ungeschickte Versuch, die staatseigene Schiffbauindustrie wiederherzustellen, die, abgesehen von der Ausgabe vieler Millionen öffentlicher Gelder, keine Wirkung hatte.

PiS will mehr

Kaczyńskis Partei kündigt in einem kürzlich veröffentlichten Programm an, dass sie sich damit nicht zufriedenstellt. Sie will, „die Position der Woiwoden verbessern“, das heißt, die Kompetenzen der lokalen Verwaltungen einschränken. Bereits in dieser Amtszeit wurden sie schrittweise an den Rand gedrängt. Das verabschiedete Gesetz über Rechnungskammern gab der Regierungsverwaltung ein Instrument, um die Kommunalverwaltungen vollständig außer Gefecht zu setzen. Es wurde von Präsident Duda mit einem Veto belegt, aber wenn die PiS die Wahl gewinnt, wird die Regierung mit Sicherheit zu dieser Angelegenheit zurückkehren.

Das PiS-Programm kündigt die Kontrolle des journalistischen Milieus und der Künstler durch Gesetze an, in denen festgelegt wird, wer Journalist und Künstler sein kann und wer nicht. Politiker von der PiS übernehmen, wenn sie solche Möglichkeiten haben, die Kontrolle über kulturelle Institutionen, entlassen unabhängige Theaterregisseure und besetzen sie mit viel weniger bekannten Künstlern, die jedoch die „Parteilinie“ umsetzen.

Das Geld aus den Kassen des Kulturministeriums geht an selten verkaufte rechte Zeitschriften, Subventionen für kulturell wichtigere Zeitschriften mit langjähriger Tradition werden zurückgezogen. Die vom Minister subventionierten Museen sind mit gehorsamen Vollstreckern besetzt.

Trotz allem verteidigt die Kultur ihre Unabhängigkeit, wie die Künstler auf dem polnischen Filmfestival in Gdynia kürzlich unter Beweis stellten. Es ist davon auszugehen, dass bei einem Wahlsieg der PiS das nächste Festival unter dem Diktat der politischen Kommissare stattfindet.

Die Privatunternehmer werden bereits durch Kontrollen und zunehmend restriktive Vorschriften gebremst, sie können der Partei vollständig untergeordnet werden, wenn das Gesetz über die Haftung von Kollektivunternehmen in Kraft tritt. Das Projekt wurde vom Justizministerium vorbereitet. Ihm zufolge wird der Staatsanwalt in der Lage sein, vorbeugende Maßnahmen gegen das Unternehmen (z. B. ein Verbot der Durchführung bestimmter Aktivitäten) anzuwenden, wenn er feststellt, dass es eine Straftat begangen hat. Der Vorstand kann Berufung einlegen, aber bevor ein faires Urteil gefällt wird, wird das Unternehmen zahlungsunfähig.

PiS entschied vor der Wahl nicht, dieses Gesetz anzunehmen, vielleicht aus Angst, die Stimmen der Unternehmer zu verlieren. Das Projekt wurde jedoch nicht vom Parlament zurückgezogen.

Wir haben Macht und wir werden sie nutzen

Ludwik Dorn, der jahrelang mit Kaczyński zusammengearbeitet hatte, bemerkte auf Gazeta.pl, dass der Abbau der Gewaltenteilung durch PiS und die Übernahme der Kontrolle über andere Gebiete keinen Sinn haben, sondern nur das Ergebnis des „inneren Imperativs eines Protozoons ist – fortbewegen, wachsen, alles beseitigen, was das Fortbewegen erschwert“. Also wollen Kaczyński und seine Partei die allergrößte Macht haben, aber sie haben beabsichtigen nicht oder sind nicht in der Lage sie zu nutzen, um sich dauerhaft den Staat zu unterwerfen und ein autoritäres System zu schaffen, in dem die Opposition nie die Chance haben wird, Wahlen zu gewinnen.

Dies ist eine optimistische, aber riskante These. Dass es immer noch keine Zensur gibt, keine Massenverhaftungen von Oppositionspolitikern und keine Bestrafung von Personen, welche die Regierungspartei kritisieren, ist darauf zurückzuführen, dass die PiS trotz ihrer Bemühungen die Medien und Gerichte sich nicht vollständig gefügig gemacht hat.

Wenn diese beiden Inseln der Unabhängigkeit versenkt werden, wird die PiS die autoritäre Macht haben und es erübrigt sich zu raten, wofür sie sie verwenden wird.

Den Originalbeitrag in polnischer Sprache lesen Sie unter: http://wyborcza.pl/7,166575,25233422,polska-lupem-partii.html#S.DT-K.C-B.2-L.1.duzy


Das Online-Portal crowdmedia.pl schreibt:

Die Kirche teilt den Gläubigen ausdrücklich mit, wen sie wählen
sollen. Das zeigt den völligen Moralverfal

Die Trennung von Kirche und Staat war eine große zivilisatorische Errungenschaft in Europa, welche die Jahrhunderte der Nutzung der Religion als Instrument der Politik und des Kampfes um Einfluss und nicht als ein System der moralischen Prinzipien und Überzeugungen beendete. Die Trennung beider Sphären ermöglichte es religiösen Institutionen, Menschen nicht wegen ihrer Ansichten aus ihren Reihen auszuschließen, und verringerte auch das Risiko politischer Korruption, wenn eine Institution, die Millionen von Wählern besser als selbst die größten Medien des Landes erreicht, ihre Kommunikationskanäle einfach für das gegenwärtige Interesse der Würdenträger nutzen konnte. In Polen hinkt jedoch die Trennung von Kirche und Staat hinterher. In letzter Zeit äußern sich Geistliche kühn zu politischen Fragen und werden häufig zu den zentralen Figuren des Streits um die Parlamentswahlen in Polen. Heute erreichen wir den Punkt, an dem die Kirche die Regierungspartei bei den Wahlen ausdrücklich unterstützt.
Beispiele der Pfarreien, die eher Werbetafeln von PiS-Politikern als Tempeln ähneln, sind zu Hunderten zu finden (die letzten aus Częstochowa, Białystok und Rzeszów), aber hier konnte der Bischof immer behaupten, es seien verlorene Schafe, einzelne Priester, die eigenhändig die PiS unterstützten. Diese Ausreden gelten nicht mehr, weil der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz den Gläubigen jetzt selbst mitteilte, für wen sie stimmen sollten. Erzbischof Stanisław Gądecki gab eine spezielle Wahlerklärung heraus, in der wir nachlesen können, was einen „guten Kandidaten“ auszeichnet. Diese Beschreibung scheint jedoch eine Kopie der Rede von Jarosław Kaczyński zu sein, mit dem Unterschied, dass die regierende Partei nicht namentlich erwähnt wird, sondern zum suggestiven Objekt des gesamten Textes geworden ist.
Der Geistliche wies darauf hin, dass alle Katholiken, unabhängig von ihren Ansichten, bestimmte Verantwortlichkeiten haben:
„Gleichzeitig ist mir bewusst, dass es – was die Ordnung der weltlichen Angelegenheiten betrifft – auch legitime Meinungsverschiedenheiten zwischen Katholiken geben kann. Pluralismus kann jedoch nicht moralischen Relativismus bedeuten, (…) ethische Grundprinzipien (…) können nicht Gegenstand von Verhandlungen sein.“
Das Problem entsteht jedoch, wenn ein Würdenträger diese Grundwerte definiert. Die stimmen in der Tat mit der aufdringlichen Tagesbotschaft der Guten Wende in den letzten Monaten überein. Wir haben hier also eine Hysterie bezüglich der Sexualerziehung in Schulen, bezüglich der Akzeptanz für ein offenes Leben der LGBT-Personen in der Gesellschaft oder bezüglich des Problems der Abtreibung.
„Katholiken sollten Programme unterstützen, die das Recht auf Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod verteidigen, eine rechtliche Definition der Ehe als dauerhafte Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau garantieren, die Familienpolitik fördern, die Fruchtbarkeit fördern und das Recht der Eltern gewährleisten, ihre eigenen Kinder im Einklang mit dem Glauben und den moralischen Überzeugungen zu erziehen.“
Deshalb haben wir es mit diesen Themen für Katholiken zu tun: eine „Mann-Frau-Normalfamilie“ geprägt von Nationalisten und der PiS, deutliche Worte des Vorsitzenden „Finger weg von unseren Kindern“, LGBT-freie Zonen und Gewalt in Bialystok. Wir haben die Sexualisierung von Kindern, ein Thema, das von der PiS kreiert wurde, obwohl die Regierung das Bildungssystem kontrolliert und für den Kernlehrplan des Schulunterrichts verantwortlich ist. Ohne Kontrolle über das Bildungsministerium kann also niemand etwas dagegen tun, und wenn man sich die Opposition anschaut, will es auch niemand. In der Zwischenzeit gab es in der polnischen Schule viele Jahre lang Sexualkundeunterricht, obwohl er unbeholfen durchgeführt wurde. Wir haben es mit der Agitation einer Partei zu tun, zumal diese Art von Unterricht entgegen den politischen Unterstellungen des Erzbischofs freiwillig ist und die Eltern beschließen, ob das Kind daran teilnimmt. Und dann gibt es da noch 500+. Schließlich hat niemand eine Familienpolitik wie die PiS. Bei Letzterem ist die Andeutung klar, aber wenn man sich an die Fakten hält, muss man feststellen, dass die PiS-Vorgänger den Kindern Steuervorteile gewährten und im Fall der Nachkommenschaft nicht die Zentralregierung das meiste tut, sondern die Kommunen, die die Kindergarteninfrastruktur entwickeln. Wenn man sich an die Tatsachen hält, hat die Aussage des Geistlichen keinen Sinn, da es keine Kandidaten gibt, welche die Familie nicht unterstützen. Eine solche Manipulation des Erzbischofs Gądecki ist Teil des PiS-Wahlkampfs. Für Zweifler, die das Obige für eine „totale“ Hysterie halten könnten, bringe ich ein weiteres Fragment der Aussage, das die Linken und indirekt die Bürgerkoalitionen mit Argumenten direkt vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen TVP trifft: „Daher können Katholiken keine Programme unterstützen, welche die Abtreibung fördern, welche versuchen, die Institution der Ehe neu zu definieren, die Rechte der Eltern im Bereich der Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder einschränken und die Demoralisierung von Kindern und Jugendlichen fördern. Sie können sich nicht für einen Kandidaten entscheiden, der Ansichten zum Ausdruck bringt, die aus politischer und moralischer Sicht riskant sind.“
Leider gibt es im Text von Stanisław Gądecki keinen Platz für die interne Entscheidung der einzelnen Gläubigen. Hier gibt es keinen Platz für die im menschlichen Leben typischen Grautöne. Stattdessen wird den Gläubigen eine klare Trennung zwischen „gut“ und „böse“ geboten, denen die politischen Lager im Land den Gläubigen eindeutig zugeordnet sind. Damit ist die katholische Kirche in Polen zu einer freien Plattform für den Wahlkampf für die PiS geworden. Das ist äußerst verwerflich, denn es ist klar, dass Geistliche es vorziehen, ihre Interessen zu verfolgen, anstatt die Gläubigen zu retten. Genau wie die Kaufleute, die Jesus im Evangelium aus dem Tempel verjagen musste.

Den Originalbeitrag finden Sie unter: hhttps://mitte21.us13.list-manage.com/track/click?u=e238cbe3a2da7c4d6b4ea5005&id=1ab45edcce&e=047e92881ettps://crowdmedia.pl/przewodniczacy-episkopatu-mowi-wiernym-na-kogo-glosowac-sojusz-kosciola-z-pis-osiaga-stan-patologii/?fbclid=IwAR1wbZ9_HyPcjSo5ZlJ8xYOs-D_ZDJAZr1XuYuir1j0Q-1vairczJGj6rEk

Posener Oper gastiert mit Halka in Berlin

Festveranstaltung zum Moniuszko-Jahr in der Philharmonie

Moniuszko, der am 5. Mai 1819 geboren wurde und in Berlin Musikwissenschaften studierte, gilt als einer der bedeutendsten polnischen Komponisten. Seine Oper „Halka“ in vier Akten wurde erstmals 1858 in der Warschauer Nationaloper aufgeführt und der Erfolg war so überwältigend, dass Moniuszko kurz darauf zum Chefdirigenten des Hauses ernannt wurde. Es folgten Aufführungen in mehreren anderen europäischen Städten. „Halka“ gilt als polnische Nationaloper, gleichbedeutend mit Adam Mickiewiczs Roman „Pan Tadeusz“. Sie wurde unter anderem zur Wiedereröffnung des Opernhauses in Wrocław (Breslau) kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gespielt.

Sänger Tomasz Konieczny (l.) und Dirigent Gabriel Chmura (r.) mit den Posener Philharmonikern. Foto: B. Barczyk

Es ist die tragische Geschichte eines armen Bauernmädchens und ihrer unglücklichen Liebe zu einem reichen Edelmann, der sie zuerst verführt und dann doch die Tochter des Schlossbesitzers heiraten will. In der Zeit, in der Polen von der politischen Landkarte Europas verschwunden war, schuf Stanisław Moniuszko mit „Halka“ eine Oper, in der sich das Schicksal der geschundenen Nation widerspiegelt. Sie wird im Jahr des 200. Geburtstags von Moniuszko nicht nur auf mehreren Bühnen in Polen gespielt, sondern ist am 1. Oktober 2019 auch in der Berliner Philharmonie zu erleben.

Das polnische Parlament hat 2019 zum Moniuszko-Jahr erklärt und so finden zum 200. Geburtstag des Komponisten im ganzen Land Aufführungen seiner Werke und andere Veranstaltungen statt. Aber auch in zahlreichen anderen Städten wie Madrid oder Rom erinnerte man an den bedeutenden Komponisten. Am 1. Oktober 2019 gastiert das Ensemble des Opernhauses von Poznań (Posen) mit einer konzertanten Aufführung von „Halka“ in der Berliner Philharmonie. Die mehr als 100 Jahre alte Posener Oper gehört zu den größten und bedeutendsten Opernbühnen des Nachbarlandes. Ihr künstlerischer Leiter, Gabriel Chmura, war bereits Gastdirigent bei den Berliner Philharmonikern. In der Rolle des reichen Edelmannes Janusz ist der international bekannte Bassbariton Tomasz Konieczny zu erleben, der in diesem Jahr auf der Bühne der New Yorker Metropolitan Opera debütierte.

Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Tickets für 16 bzw. 26 Euro sind online unter www.eventim.de buchbar. Mehr zum Moniuszko-Jahr unter www.moniuszko200.pl

Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

Zum 75. Jahrestag der Ermordung von etwa 4.300 Sinti und Roma am 2. August 1944 spricht mit Jesse L. Jackson Sr. erstmals ein Vertreter der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung beim Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma. Zu diesem historischen Anlass werden er und Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, im Rahmen der Gedenkfeier ab 11 Uhr (Einlass 10 Uhr) einen gemeinsamen Appell unterzeichnen. Sie rufen damit weltweit zu solidarischem Eintreten gegen jede Form von Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus auf und appellieren im Bewusstsein der Geschichte an die Verantwortung eines jeden Einzelnen für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Der Appell richtet sich ausdrücklich auch an die internationale Staatengemeinschaft, Minderheitenrechte anzuerkennen und umzusetzen. 

Der Bürgerrechtler Jesse L. Jackson Sr. spricht beim Europäischen Holocaust-Gedenktag für die Sinti und Roma am 2. August in Auschwitz-Birkenau. © Jesse Jackson

Im Vorfeld sagte Jesse L. Jackson Sr.:

„Die menschliche Seele wurde gemacht, um zu erschaudern und verletzt zu werden. Wir wurden gemacht, um aufzuschreien. Durch den Holocaust an den Sinti und Roma haben wir in das Angesicht des Bösen geblickt. Die Macht und der Schmerz dieser unmoralischen und unmenschlichen Tat müssen sich in der ewigen Auferstehung der Hoffnung ihren Weg bahnen. Der Kampf um die Seele der Menschheit darf nicht aufgegeben werden. Die Tränen werden niemals trocknen, aber wir müssen die Hoffnung immer am Leben erhalten. Genauso wie wir uns an die Bürgerrechte in den USA erinnern und für sie kämpfen, genauso liegt uns auch der Kampf für die Würde und Gerechtigkeit für die Sinti und Roma am Herzen.“ 

(„The human soul is made to be shuddered and to be hurt. We’re made to cry out. We’ve seen the face of evil through the genocide against the Sinti and Roma people. The power and pain of this immoral and inhumane act must give way to an eternal resurrection of hope. The battle for the soul of humanity must not be surrendered. The tears will never stop flowing but we must always Keep Hope Alive. Just as we remember and fight for civil rights in the USA, so too we will keep the fight for dignity and justice of the Sinti and Roma people close to our hearts.“)

Romani Rose betonte, dass der Holocaust eine Verantwortung für alle Menschen bedeute:

„Es ist das Vermächtnis aller Opfer des Holocaust, aller von den Nazis ermordeten Menschen, das wir in uns tragen müssen. Dieses Vermächtnis müssen wir an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Dieses Vermächtnis fordert von uns, dass wir Verantwortung übernehmen für Demokratie und Rechtsstaat, für Menschenrechte und Menschenwürde. Heute und in der Zukunft.“

Jedes Jahr erinnern der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und der Polnische Roma-Verband in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus. Bei der Gedenkveranstaltung sind die Regierungen Polens, Deutschlands und anderer Staaten, wie auch die internationalen Organisationen hochrangig vertreten. Für die Überlebenden des Holocaust sprechen die Auschwitz-Überlebenden Else Baker, Éva Fahidi-Pusztai und Nadir Dedic. Es werden bis zu 1.500 Gäste aus ganz Europa zu der Gedenkveranstaltung erwartet.

Vor 75 Jahren: Warschauer Aufstand

Ausstellung in der Berliner Topographie des Terrors

Die vom Museum des Warschauer Aufstands kuratierte und 1914 auf Initiative der Botschaft der Republik Polen in Berlin gezeigte Ausstellung war die erste Präsentation des Warschauer Aufstands diesen Maßstabs in Deutschland.
Seit dem 26. Juli 2019 bis zum 13. Oktober wird nun im Ausstellungsgraben der Topographie des Terrors in Berlin noch einmal die Dokumentation zum Warschauer Aufstand 1944 gezeigt, die bereits 2014 zum 70. Jahrestag des Aufstands dort zu sehen war. Die aktuelle Präsentation steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Republik Polen, Andrzej Duda, und von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Bei der Präsentation vor fünf Jahren gab es Zustimmung, aber auch kritische Gedanken zu der Ausstellung. Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals unter anderen: Bundespräsident Joachim Gauck ist gekommen und der polnische Präsident Bronisław Komorowski. Er ist ein Verwandter von Tadeusz „Bór“ Komorowski, der 1944 den verzweifelten Aufstadt Warschaus gegen die deutschen Besatzer anführte. Begleitet werden die beiden von einer Schar älterer Damen mit Armbinden und Männern mit Orden am Revers. Es sind Veteranen der polnischen Untergrundarmee, sie wollen dabei sein an diesem Tag, an dem eine Tragödie an den Ort zurückkehrt, an dem sie vor 70 Jahren ersonnen wurde.
„Es war dies eine der blutigsten Schlachten in der Geschichte Polens und einer der heroischsten Aufstände“, sagt der polnische Präsident zur Eröffnung der Ausstellung, und da ist es das erste Mal, dieses sonderbare Wort: „heroisch.“ Es wird den Besuchern öfters begegnen.
Was Heldenmut war und was eher ein Selbstmordkommando, wird hier aber gar nicht thematisiert. Die Ausstellung, die vom Museum des Warschauer Aufstands in Polen konzipiert ist, einem Haus mit durchaus nationaler Ausrichtung, will dem internationalen Publikum eine Geschichte erzählen, die für Polen identitätsstiftend ist, auch den Mythos der polnischen Heldennation nährt, in Deutschland aber vielen nur vage bekannt ist.

Warschau nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes. Das Hochhaus, auf dem die Fahne des Widerstands wehte, wird gesprengt.

Der Warschauer Aufstand von 1944, darauf wies auch der Artikel in der Süddeutschen Zeitung hin, wird in Deutschland oft mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 verwechselt. Und wieviele Menschenleben diese Revolte kostete, wurde selten in den Schulen vermittelt.
Rund 150.000 Zivilisten und 18.000 Soldaten kamen ums Leben. Der Hass der deutschen Wehrmacht war grenzenlos. „Warschau soll dem Erdboden gleichgemacht werden“, befahl Heinrich Himmler und so geschah es. 80 Prozent der Häuser wurden zerstört, auch Kirchen und Archive, Kulturgut jeglicher Art.
Die Ausstellung musste hier präsentiert werden, im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors – dem ehemaligen Sitz der Zentralen von Geheimer Staatspolizei, SS und Reichssicherheitshauptamt Die Befehle zur Vergeltung an den Polen kamen ganz wesentlich aus den Terrorzentralen von Himmlers SS und Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße, (der heutigen Niederkirchnerstraße, wo sich das Gebäude der Stiftung Topographie des Terrors befindet.

Polnische Feuersteinminen sind Weltkulturerbe

Seit 5000 Jahren Bergbau in Krzemionki in der Heiligkreuz-Region

Der Jubel war groß in der polnischen Woiwodschaft Świętokrzyskie (Heiligkreuz). Das Welterbe-Komitee der UNESCO hat auf seiner jüngsten Sitzung in Baku die mehr als 5.000 Jahre alte Bergbaulandschaft von Krzemionki zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Es ist die 16. Welterbe-Stätte im Nachbarland Polen und die erste in der Heiligkreuz-Region. Die Anlage gilt als ältestes und größtes Feuersteinbergwerk Europas. Im Museum von Krzemionki hofft man nun auf steigende Besucherzahlen.

Schon vor mehr als 5.000 Jahren entstanden im Heiligkreuzgebirge die ersten Feuerstein-Bergwerke. Von etwa 3400 bis 1600 v. Chr. wurden bei Krzemionki mehr als 4.000 Schächte in die Erde getrieben. Sie reichten bis zu neun Meter in die Tiefe. Durch kaum mehr als einen Meter hohe Stollen fraßen sich die damaligen Bewohner immer tiefer in das Innere des Berges. Tonnen von Abraum mussten sie bewegen, um an die dünnen Schichten von Feuerstein zwischen dem Kalk zu gelangen. Kniend oder liegend wurde der Stein mit einfachen Werkzeugen herausgelöst. Feuerstein war das Gold der Jungsteinzeit, unverzichtbar zum Feuermachen, aber auch zum Bau von Waffen und Werkzeugen. Um daran zu gelangen, mussten die Bewohner nicht nur ungeheure körperliche, sondern auch geistige Anstrengungen vollbringen. Denn der Transport des Abraums oder die Belüftung der Schächte erforderte ausgeklügelte technische Systeme. Feuerstein aus Krzemionki war ein Exportschlager, der selbst mehr als 600 Kilometer von den Minen entfernt verwendet wurde.

Der polnische Geologe Jan Samsonowicz hatte die ersten prähistorischen Feuersteinminen im Jahr 1922 entdeckt. Bald darauf wurden sie zum Denkmal erklärt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das große Gelände systematisch erforscht und gesichert, später dann für Besucher geöffnet. Seit 2004 gibt es dort eine mehr als 500 Meter lange Trasse durch den Untergrund, die Besuchern einen Eindruck von den Arbeiten unter Tage vermittelt. In den niedrigen Gängen sieht man, wie Zeitgenossen von Familie Feuerstein im düsteren Licht nach dem magischen grau-blauen Stein graben. Über der Erde wurde ein Schachteingang nachgebaut und es werden Beispiele für Waffen und Werkzeuge aus Feuerstein ausgestellt. Die gesamte touristische Route führt über eine Strecke von 1.500 Metern und umfasst auch eine nachgebaute neolithische Siedlung mit strohgedeckten Hütten, die von einem Graben und Palisadenzaun umgeben ist. Auf dem Gelände des Dorfes finden auch archäologische Workshops statt.

Feuersteinmine in Krzemionki. Foto: P. Peczalski

Jährlich besuchen derzeit etwas 40.000 Menschen das archäologische Museum und Reservat Krzemionki, das heute zum Regionalmuseum im nahen Ostrowiec Świętokrzyski gehört. Durch die Ernennung zum UNESCO-Welterbe hofft man auf deutlich steigende Besucherzahlen in den kommenden Jahren. Gäste können in der Region auch weitere kultur- und industriegeschichtlich bedeutende Anlagen besichtigen. So wurde im kleinen Ort Nowa Słupia schon vor 2000 Jahren Eisenerz in einfachen Lehmöfen geschmolzen. Diese Tradition lebt wieder auf beim jährlichen Fest „Dymarki Świętokrzyskie“, dessen nächste Ausgabe am 17. und 18. August 2019 geplant ist. Sehenswert ist auch der erste mit Koks befeuerte Hochofen Polens in Starachowice, der heute Kernstück eines Museums für Natur und Technik ist. Noch weiter in die Erdgeschichte zurück geht es in Bałtów, wo man Fußabdrücke von Dinosauriern fand. Dort zieht heute ein Jurassic-Park als großes Freizeit- und Informationszentrum zahlreiche Besucher an.

Informationen über das Museum und Reservat in Krzemionki unter www.krzemionki.pl Das Reservat liegt etwa 70 Kilometer östlich der Woiwodschaftsstadt Kielce. Mehr zur Heiligkreuz-Region unter www.swietokrzyskie.travel
Allgemeine Informationen über das Reiseland Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel



Mode und Politik

Małgorzata Bela nach ihrem Interview bei der „Unlock Style by ZEITmagazin“-Konferenz in Berlin. Foto: Karl Forster

Für volles Haus sorgte bei einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Fashion-Week 2019 in Berlin der Auftritt des polnischen Models Małgorzata Bela. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Unlock Style by ZEITmagazin“ berichtete die Krakauerin im Gespräch mit Christoph Amend, Chefredakteur des ZEITmagazin über ihre Zeit als Model und heutige Gründungsredakteurin des polnischen VOGUE-Magazins. Von einer polnischen Modelagentur wurde sie damals überzeugt nach New York zu gehen, um dort als Model zu arbeiten. Mit nur 300 Dollar in der Tasche kam sie in den USA an und fand sich in einer sehr einfachen Model-WG wieder. Doch sie war schnell erfolgreich, arbeitete mit den bekanntesten Fotografen. Viermal erschien sie als Titelbild der italienischen Ausgabe von Vogue. Die junge polnische Filmregisseurin Małgorzata Szumowska engagierte das erfolgreiche Model für ihren Film Ono (dt. Titel: Leben in mir), der auf der Berlinale 2005 in der Sektion Panorama gezeigt wurde. Von dieser Arbeit beflügelt, begann sie in New York am Actors Studio Schauspielunterricht zu nehmen und erhielt in der italienischen Filmproduktion „Karol – Ein Mann, der Papst“ wurde eine Hauptrolle.

Vor drei Jahren nun startete sie als Gründungs-Chefredakteurin der polnischen Ausgabe des seit 1892 existierenden Modemagazins Vogue. Im Frühjahr 2018 erschien dann die erste Ausgabe, mitten in einer Zeit, in der in Polen die Frauen zum „schwarzen Protest“ gegen die Verschärfung der Abtreibungs-Gesetzgebung in Polen auf die Straße gingen. In dem Interview bei der Fashion-Week in Berlin berichtete Bela, dass sie ein Magazin macht, das sich nicht nur als Mode- sondern als Frauenzeitschrift versteht. Deshalb wollte man an dem aktuellen politischen Thema nicht vorbeigehen.

Kurzerhand entschied sie, dass das erste Titelblatt sich auch diesem Thema widmen werde. Gemeinsam mit dem aus Rzeszów stammenden Topmodel Anna Rubik posierte sie ganz in Schwarz vor dem Warschauer Kulturpalast.

Musik des Ostseeraums

Grenzüberschreitendes Musikfestival Uznam/Usedom

Drei Wochen lang, von September bis Oktober, präsentiert das Usedomer Musikfestival die Stars und Schätze der Musik des Ostseeraums. An den besonderen Konzertorten der Insel Usedom lässt das Usedomer Musikfestival so die unvergleichliche Atmosphäre einer weltoffenen, den Staaten des Ostseeraums zugewandten Zwei-Länder-Insel erlebbar werden. Zu den Spielorten gehört auch das mit seinem Stadtzentrum auf Usedom (poln. Uznam) gelegene Świnoujście.
Das Eröffnungskonzert des Festivals findet am 21. September im Kraftwerk des Museums Peenemünde statt. Es wird vom Baltic Sea Philharmonic Orchester bestritten, das als Projekt des Usedomer Musikfestivals 2008 ursprünglich als Jugendorchester gegründet wurde. Im Sommer 2019 hat das Orchester mit seiner „Midnight Sun“-Tournee in der Berliner Philharmonie, in Ossiach (Österreich) und in der Elbphilharmonie das Publikum zu Begeisterungsstürmen hingerissen.

Das MidnightSun Konzert in der Berliner Philharmonie am 26. Juni 2019 begeisterte das Publikum. Foto: Forster

Seine Konzerte, das hat diese Tour wieder eindrucksvoll bewiesen, sind einzigartige Spektakel, die Musiker und Zuschauer gleichermaßen in neue Dimensionen eintauchen lassen. Sound- und Lichtdesign, Projektionskunst und Choreografien verschmelzen miteinander, ganze Orchesterwerke spielt das Ensemble ohne Noten, komplett aus dem Gedächtnis.
Beim Eröffnungskonzert stehen Werke von Johann Sebastian Bach, Philip Glass, Georg Friedrich Händel und Steve Reich auf dem Programm.
Zu dem Festival gehören auch Lesungen, Ausstellungen oder beispielsweise eine Musikalische Inselrundfahrt, die diesmal am 23. September stattfindet und Konzerte in der Christus-Kreuz-Kirche in Świnoujście/Swinemünde, in Usedoms ältester Kirche in Liepe und auf Schloss Stolpe sowie einen Besuch von Wasserschloss Mellenthin beinhaltet.
Vor 150 Jahren, am 20. April 1869, starb Carl Loewe, von Robert Schumann, Richard Wagner und Johannes Brahms schon zu Lebzeiten wegen seiner Lieder und Balladen geschätzter Kantor und Organist an der Jacobikirche in Stettin. An ihn erinnert am 29.9. eine Exkursion die in Heringsdorf startet und nach Szczecin (Stettin) führt. In der dortigen Jakobi-Kirche findet ein Orgel-Konzert statt.
25 Jahre Usedomer Musikfestival in Swinemünde ist der Anlass für ein Festkonzert am 1. Oktober im Dom Kultury in Świnoujście. Das Ensemble „Il pomo d’oro” gemeinsam mit der polnischen Sopranistin Dagmara Barna präsentiert Werke von Stanisław Sylvester Szariński, Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel.
Am 3. Oktober präsentiert der polnische Pianist Wojciech Waleczek anlässlich des deutschen Nationalfeiertages unter dem Titel „Wie klingt Europa?“ Miniaturen aus 27 Ländern der Europäischen Union.
Das Programmheft, das fast 30 Veranstaltungen beinhaltet gibt es im Internet unter www.usedomer-musikfestiva.de oder beim Festivalbüro Postfach 1129, 17420 Heringsdorf, Telefon: 038378 34647.

Deutsch-Polnische Bürgerdialoge

Bei ihren jüngsten Tagungen in Berlin haben die Runden Tische der Zivilgesellschaft zwischen Berlin und Wrocław sowie Berlin und Poznań eine Fülle substanzieller Ergebnisse hervorgebracht. Aufgabe der auf Anregung der Stiftung Zukunft Berlin im Jahr 2015 gegründeten Runden Tische ist es, gemeinsam deutsch-polnische Anliegen an Politik und Verwaltung zu formulieren.

So brachte der Runde Tisch Berlin-Wrocław bei seinem Arbeitstreffen am 14. Juni in der IHK Berlin eine Vertiefung der Kooperation und des Austauschs der Hochschulen in beiden Städten ins Rollen. Für eine deutsche Partnerschaft mit dem Technologiepark Wrocław werden nun Kontakte vermittelt. Außerdem wurde eine Zusammenarbeit für ein gemeinsames Kultur- und Sportprojekt mit Seniorinnen und Senioren beider Städte angestoßen. Zur Sprache kam auch die intensive gemeinsame Arbeit mit Wrocław im Rahmen der Initiative „Städte für Europa“, deren Ziel es ist, möglichst viele Städte und ihre Bevölkerung dafür zu gewinnen, sich in besonderer Weise für Europa zu engagieren.

Runder Tisch der Zivilgesellschaft
Berlin-Posen am 17. Juni 2019
Foto: Stiftung Zukunft Berlin
Runder Tisch der Zivilgesellschaft Berlin-Poznań am 17. Juni 2019
Foto: Stiftung Zukunft Berlin

Als Ergebnis des Runden Tisches Berlin-Poznań , der am 17. Juni am selben Ort tagte, wurde unter anderem ein verstärkter Austausch zu Erfahrungen mit dem städtischen Umweltschutz zugesichert. Vertreterinnen und Vertreter der Universität der Künste und der Freien Universität Berlin befürworteten eine tiefere Zusammenarbeit zwischen Berliner Hochschulen und der Ökonomischen sowie der Kunstuniversität Poznań, beispielsweise im Rahmen der Poznań Art Week. Vor dem Hintergrund früherer Erfolge mit der polnischen Seite wurde nun auch ein verstärkter Austausch zwischen beiden Städten im Breiten- und Profisport auf den Weg gebracht.

Bei beiden Städten fand der deutsche Vorschlag der Implementierung einer dreisprachigen (Deutsch-Englisch-Polnisch) historischen App in das Stadtmarketing guten Anklang.  

Reinhard Schweppe, Verantwortlicher der Initiative „Nachbarn in Europa“ bei der Stiftung Zukunft Berlin und früherer deutscher Botschafter in Polen, wertete die beiden aktuellen Zusammenkünfte als Erfolg: „Diese Runden Tische sind die ideale bürgerschaftliche Ergänzung der zwischenstaatlichen Oderpartnerschaft. Sie sind Ideengeber und Sprachrohr der Bürgeranliegen gegenüber Politik und Behörden, und ich bin zuversichtlich, dass sich – wie bereits in der Vergangenheit geschehen – auch diesmal wieder viele der vorgetragenen Ideen realisieren lassen.“

Zum Abschluss der Veranstaltungen luden die polnischen Vertreterinnen und Vertreter ihre Berliner Kolleginnen und Kollegen herzlich zu den nächsten Runden Tischen ein, welche in der zweiten Jahreshälfte  in Wrocław und Poznań stattfinden.

PiS: Polen, das Herz Europas

In diesem Jahr zwei wichtige Wahlen

Kaczyńskis kopernikanische Wende

Kurz vor Ostern trafen sich in Warschau die Außenminister Polens und Deutschlands. Auf Einladung des Polnischen Instituts für Außenpolitik und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik stellten sich Jacek Czaputowicz und Heiko Maas unter dem Motto „Die Zukunft Europas“ den Fragen der interessierten Öffentlichkeit. Maas überraschte mit dem Bonmot, dass es in der Europäischen Union eigentlich nur zwei Arten von Ländern gebe: Kleine Länder und Länder, die noch nicht gemerkt hätten, klein zu sein. Czaputowicz hingegen konterte, dass Länder wie Polen gut daran täten, stärker und größer zu werden, denn das komme nun der gesamten Gemeinschaft zugute. Maas hatte, um seine These zu bekräftigen, Erscheinungen wie Globalisierung, Klimawandel oder Migration ins Feld geführt, Herausforderungen also, gegenüber denen kein einziges Land der EU noch alleine gewappnet sei. Der Amtskollege aus Polen konterte kurzerhand mit dem Verweis auf die Geschichte.
Zu den wichtigsten Überzeugungen im Regierungslager Polens gehört, dass das Land nach dem Zweiten Weltkrieg für viele Jahrzehnte in besonderer Weise bestraft gewesen sei, weil der Westen seinen treuesten und verlässlichsten Verbündeten in diesem Teil Europas im Stich gelassen habe. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki ging öffentlich sogar soweit, zu behaupten, in der fraglichen Zeit habe ein Polen gar nicht existiert. Aus all diesen schiefen Gründen spielen die Fragen der nationalen Identität aus Sicht der in Warschau Regierenden eine viel größere Rolle, als diejenigen, die in Brüssel das Sagen hätten, es sich eingestehen würden. Ein Europa der Vaterländer werde gebraucht, so wie die Begründer der Gemeinschaft es einst auch verstanden hätten, ansonsten – das Beispiel Großbritanniens zeige es – werde die EU auseinanderfallen.

Polen, das Herz Europas. Wahlplakat der PiS in Warschau. Fotos: Opal


Entsprechend hat nun Jarosław Kaczyński die Richtung gewiesen, um das von ihm angeführte Regierungslager in die beiden großen Wahlschlachten zu führen, die dem Land heuer bevorstehen. Während die Regierungsgegner nämlich frech behaupteten, die Kaczyński-Leute wollten das Land aus der EU führen, sei es ganz umgekehrt. Polen, so die zentrale Losung des Regierungslagers, sei das Herz Europas. Der Parteiführer versprach, dass es mit diesem Herzen ein Europa verschiedener Geschwindigkeiten nicht geben werde, Polen also nicht abgehängt werde, das hätten nämlich – so die unterschwellige Drohung – Brüssel, Paris oder Berlin gar nicht zu entscheiden. Zugleich versprach er, dass dem Land die nationale Währung erhalten bleibe, also die Gemeinschaftswährung nicht übernommen werde. Die innenpolitischen Gegner sollten sich öffentlich erklären, was sie mit dem Złoty vorhätten.
Um einen Popanz zu schaffen, mit dem die Zumutungen aus Brüssel glaubhaft illustriert werden, die in das Land schwappen würden, sobald die Gegner das Regierungsruder wieder in die Hand bekommen sollten, wird im nationalkonservativen Lager nun seit Wochen gegen Lesben und Schwule zu Felde gezogen. Deren Ideologie zersetze in gefährlichem Maße die nationale Identität, die schließlich auf dem Fundament von Familie und christlichen Werten ruhe. Die Hatz steigert sich bis hin ins Absurde, denn hier und da erkühnen sich Funktionsträger der Nationalkonservativen bereits mit der Forderung, territoriale Räume in Polen zu schaffen, die von dieser Ideologie unbehelligt blieben. Die Botschaft des Regierungslagers ist klar, denn gezeigt werden soll, wie fest die katholische Kirche im Herzen Europas hinter den Kaczyński-Leuten stehe.
Und pünktlich meldet sich auch Staatspräident Andrzej Duda zurück, der nun behauptet, dass diejenigen, die dauernd vor einem schleichenden Austritt Polens aus der EU warnten, mit dem Feuer spielten, weil sie nationale Interessen verletzten. Das sagt jener Mann, der noch vor kurzem die EU als eine imaginäre Gemeinschaft bezeichnet hatte, die hinter fester gefügten Gemeinschaften zurückzutreten habe.
Dem Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki kommt schließlich jener Part zu, insbesondere den für den Wahlausgang so wichtigen jüngeren Wählerschichten glaubhaft zu machen, dass alleine die nationalkonservative Regierung die Rezepte wüsste, wie der noch immer beträchtliche Abstand zum durchschnittlichen Entwicklungsniveau des Westens so schnell wie möglich aufgeholt werden könne. Da indes jeder in Polen überzeugt ist, dass diese Perspektive der einholenden Entwicklung nur unter den Bedingungen einer EU-Mitgliedschaft zu erreichen ist, gerieren sich die Kaczyński-Leute nun plötzlich als die wahren, als die einzigen Europäer im Land. Das billige Versprechen liegt auf der Hand: Wir schaffen den schnellen Anschluss und bleiben als nationale Gemeinschaft dennoch ganz diejenigen, die wir nun einmal seit Jahrhunderten sind.

Neues Hostel in Warschau

Hotels in Warschau sind in allen Preislagen zu finden. Neben teueren Geschäftsreisenden-Hotels gibt es auch immer mehr Hostels.

Mit dem ersten Hostel in Polens Hauptstadt Warschau erweitert die Berliner Budget-Gruppe a&o ihr Portfolio auf 36 Häuser, 22 Städte und sieben Länder. Das ehemalige Bürogebäude im zentralen Stadtteil Wola wird über 200 Zimmer und 600 Betten verfügen und Anfang Oktober eröffnen.

Das achtstöckige ehemalige Bürogebäude westlich des Stadtzentrums im Bezirk Wola liegt nur rund zehn Minuten vom Hauptbahnhof, der Altstadt oder dem berühmten Food-Market „Hala Koszyki“ entfernt.  

Mit einer Preisaktion kündigt die Berliner Hostel-Kette a&o jetzt ihre Premiere in Polen an: Ab sofort gibt´s das Bett in Warschau ab 10,90 Zloty – das sind umgerechnet rund 2,50 Euro. Buchbar online  oder mit der a&o-App. Reisezeitraum 10. Oktober 2019 bis 24. Dezember 2019.  Es lohnt sich, schnell zu sein: Das Angebot ist auf 1.000 Betten beschränkt. Die Eröffnung des Hauses ist Anfang Oktober.

Seit 2000 spezialisiert auf Gruppen- und Jugendreisen, empfiehlt sich a&o mittlerweile auch als smarte Alternative für Business- und Einzelreisende: mit Übernachtungspreisen ab 12 Euro, zentralen Lagen, Komfort und Qualität sowie einem neuen Architektur- und Designkonzept, das seit Anfang 2018 schrittweise in allen Häusern umgesetzt wird.