Monthly Archives: Juli 2019

Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

Zum 75. Jahrestag der Ermordung von etwa 4.300 Sinti und Roma am 2. August 1944 spricht mit Jesse L. Jackson Sr. erstmals ein Vertreter der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung beim Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma. Zu diesem historischen Anlass werden er und Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, im Rahmen der Gedenkfeier ab 11 Uhr (Einlass 10 Uhr) einen gemeinsamen Appell unterzeichnen. Sie rufen damit weltweit zu solidarischem Eintreten gegen jede Form von Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus auf und appellieren im Bewusstsein der Geschichte an die Verantwortung eines jeden Einzelnen für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Der Appell richtet sich ausdrücklich auch an die internationale Staatengemeinschaft, Minderheitenrechte anzuerkennen und umzusetzen. 

Der Bürgerrechtler Jesse L. Jackson Sr. spricht beim Europäischen Holocaust-Gedenktag für die Sinti und Roma am 2. August in Auschwitz-Birkenau. © Jesse Jackson

Im Vorfeld sagte Jesse L. Jackson Sr.:

„Die menschliche Seele wurde gemacht, um zu erschaudern und verletzt zu werden. Wir wurden gemacht, um aufzuschreien. Durch den Holocaust an den Sinti und Roma haben wir in das Angesicht des Bösen geblickt. Die Macht und der Schmerz dieser unmoralischen und unmenschlichen Tat müssen sich in der ewigen Auferstehung der Hoffnung ihren Weg bahnen. Der Kampf um die Seele der Menschheit darf nicht aufgegeben werden. Die Tränen werden niemals trocknen, aber wir müssen die Hoffnung immer am Leben erhalten. Genauso wie wir uns an die Bürgerrechte in den USA erinnern und für sie kämpfen, genauso liegt uns auch der Kampf für die Würde und Gerechtigkeit für die Sinti und Roma am Herzen.“ 

(„The human soul is made to be shuddered and to be hurt. We’re made to cry out. We’ve seen the face of evil through the genocide against the Sinti and Roma people. The power and pain of this immoral and inhumane act must give way to an eternal resurrection of hope. The battle for the soul of humanity must not be surrendered. The tears will never stop flowing but we must always Keep Hope Alive. Just as we remember and fight for civil rights in the USA, so too we will keep the fight for dignity and justice of the Sinti and Roma people close to our hearts.“)

Romani Rose betonte, dass der Holocaust eine Verantwortung für alle Menschen bedeute:

„Es ist das Vermächtnis aller Opfer des Holocaust, aller von den Nazis ermordeten Menschen, das wir in uns tragen müssen. Dieses Vermächtnis müssen wir an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Dieses Vermächtnis fordert von uns, dass wir Verantwortung übernehmen für Demokratie und Rechtsstaat, für Menschenrechte und Menschenwürde. Heute und in der Zukunft.“

Jedes Jahr erinnern der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und der Polnische Roma-Verband in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus. Bei der Gedenkveranstaltung sind die Regierungen Polens, Deutschlands und anderer Staaten, wie auch die internationalen Organisationen hochrangig vertreten. Für die Überlebenden des Holocaust sprechen die Auschwitz-Überlebenden Else Baker, Éva Fahidi-Pusztai und Nadir Dedic. Es werden bis zu 1.500 Gäste aus ganz Europa zu der Gedenkveranstaltung erwartet.

Vor 75 Jahren: Warschauer Aufstand

Ausstellung in der Berliner Topographie des Terrors

Die vom Museum des Warschauer Aufstands kuratierte und 1914 auf Initiative der Botschaft der Republik Polen in Berlin gezeigte Ausstellung war die erste Präsentation des Warschauer Aufstands diesen Maßstabs in Deutschland.
Seit dem 26. Juli 2019 bis zum 13. Oktober wird nun im Ausstellungsgraben der Topographie des Terrors in Berlin noch einmal die Dokumentation zum Warschauer Aufstand 1944 gezeigt, die bereits 2014 zum 70. Jahrestag des Aufstands dort zu sehen war. Die aktuelle Präsentation steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Republik Polen, Andrzej Duda, und von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Bei der Präsentation vor fünf Jahren gab es Zustimmung, aber auch kritische Gedanken zu der Ausstellung. Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals unter anderen: Bundespräsident Joachim Gauck ist gekommen und der polnische Präsident Bronisław Komorowski. Er ist ein Verwandter von Tadeusz „Bór“ Komorowski, der 1944 den verzweifelten Aufstadt Warschaus gegen die deutschen Besatzer anführte. Begleitet werden die beiden von einer Schar älterer Damen mit Armbinden und Männern mit Orden am Revers. Es sind Veteranen der polnischen Untergrundarmee, sie wollen dabei sein an diesem Tag, an dem eine Tragödie an den Ort zurückkehrt, an dem sie vor 70 Jahren ersonnen wurde.
„Es war dies eine der blutigsten Schlachten in der Geschichte Polens und einer der heroischsten Aufstände“, sagt der polnische Präsident zur Eröffnung der Ausstellung, und da ist es das erste Mal, dieses sonderbare Wort: „heroisch.“ Es wird den Besuchern öfters begegnen.
Was Heldenmut war und was eher ein Selbstmordkommando, wird hier aber gar nicht thematisiert. Die Ausstellung, die vom Museum des Warschauer Aufstands in Polen konzipiert ist, einem Haus mit durchaus nationaler Ausrichtung, will dem internationalen Publikum eine Geschichte erzählen, die für Polen identitätsstiftend ist, auch den Mythos der polnischen Heldennation nährt, in Deutschland aber vielen nur vage bekannt ist.

Warschau nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes. Das Hochhaus, auf dem die Fahne des Widerstands wehte, wird gesprengt.

Der Warschauer Aufstand von 1944, darauf wies auch der Artikel in der Süddeutschen Zeitung hin, wird in Deutschland oft mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 verwechselt. Und wieviele Menschenleben diese Revolte kostete, wurde selten in den Schulen vermittelt.
Rund 150.000 Zivilisten und 18.000 Soldaten kamen ums Leben. Der Hass der deutschen Wehrmacht war grenzenlos. „Warschau soll dem Erdboden gleichgemacht werden“, befahl Heinrich Himmler und so geschah es. 80 Prozent der Häuser wurden zerstört, auch Kirchen und Archive, Kulturgut jeglicher Art.
Die Ausstellung musste hier präsentiert werden, im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors – dem ehemaligen Sitz der Zentralen von Geheimer Staatspolizei, SS und Reichssicherheitshauptamt Die Befehle zur Vergeltung an den Polen kamen ganz wesentlich aus den Terrorzentralen von Himmlers SS und Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße, (der heutigen Niederkirchnerstraße, wo sich das Gebäude der Stiftung Topographie des Terrors befindet.

Polnische Feuersteinminen sind Weltkulturerbe

Seit 5000 Jahren Bergbau in Krzemionki in der Heiligkreuz-Region

Der Jubel war groß in der polnischen Woiwodschaft Świętokrzyskie (Heiligkreuz). Das Welterbe-Komitee der UNESCO hat auf seiner jüngsten Sitzung in Baku die mehr als 5.000 Jahre alte Bergbaulandschaft von Krzemionki zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Es ist die 16. Welterbe-Stätte im Nachbarland Polen und die erste in der Heiligkreuz-Region. Die Anlage gilt als ältestes und größtes Feuersteinbergwerk Europas. Im Museum von Krzemionki hofft man nun auf steigende Besucherzahlen.

Schon vor mehr als 5.000 Jahren entstanden im Heiligkreuzgebirge die ersten Feuerstein-Bergwerke. Von etwa 3400 bis 1600 v. Chr. wurden bei Krzemionki mehr als 4.000 Schächte in die Erde getrieben. Sie reichten bis zu neun Meter in die Tiefe. Durch kaum mehr als einen Meter hohe Stollen fraßen sich die damaligen Bewohner immer tiefer in das Innere des Berges. Tonnen von Abraum mussten sie bewegen, um an die dünnen Schichten von Feuerstein zwischen dem Kalk zu gelangen. Kniend oder liegend wurde der Stein mit einfachen Werkzeugen herausgelöst. Feuerstein war das Gold der Jungsteinzeit, unverzichtbar zum Feuermachen, aber auch zum Bau von Waffen und Werkzeugen. Um daran zu gelangen, mussten die Bewohner nicht nur ungeheure körperliche, sondern auch geistige Anstrengungen vollbringen. Denn der Transport des Abraums oder die Belüftung der Schächte erforderte ausgeklügelte technische Systeme. Feuerstein aus Krzemionki war ein Exportschlager, der selbst mehr als 600 Kilometer von den Minen entfernt verwendet wurde.

Der polnische Geologe Jan Samsonowicz hatte die ersten prähistorischen Feuersteinminen im Jahr 1922 entdeckt. Bald darauf wurden sie zum Denkmal erklärt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das große Gelände systematisch erforscht und gesichert, später dann für Besucher geöffnet. Seit 2004 gibt es dort eine mehr als 500 Meter lange Trasse durch den Untergrund, die Besuchern einen Eindruck von den Arbeiten unter Tage vermittelt. In den niedrigen Gängen sieht man, wie Zeitgenossen von Familie Feuerstein im düsteren Licht nach dem magischen grau-blauen Stein graben. Über der Erde wurde ein Schachteingang nachgebaut und es werden Beispiele für Waffen und Werkzeuge aus Feuerstein ausgestellt. Die gesamte touristische Route führt über eine Strecke von 1.500 Metern und umfasst auch eine nachgebaute neolithische Siedlung mit strohgedeckten Hütten, die von einem Graben und Palisadenzaun umgeben ist. Auf dem Gelände des Dorfes finden auch archäologische Workshops statt.

Feuersteinmine in Krzemionki. Foto: P. Peczalski

Jährlich besuchen derzeit etwas 40.000 Menschen das archäologische Museum und Reservat Krzemionki, das heute zum Regionalmuseum im nahen Ostrowiec Świętokrzyski gehört. Durch die Ernennung zum UNESCO-Welterbe hofft man auf deutlich steigende Besucherzahlen in den kommenden Jahren. Gäste können in der Region auch weitere kultur- und industriegeschichtlich bedeutende Anlagen besichtigen. So wurde im kleinen Ort Nowa Słupia schon vor 2000 Jahren Eisenerz in einfachen Lehmöfen geschmolzen. Diese Tradition lebt wieder auf beim jährlichen Fest „Dymarki Świętokrzyskie“, dessen nächste Ausgabe am 17. und 18. August 2019 geplant ist. Sehenswert ist auch der erste mit Koks befeuerte Hochofen Polens in Starachowice, der heute Kernstück eines Museums für Natur und Technik ist. Noch weiter in die Erdgeschichte zurück geht es in Bałtów, wo man Fußabdrücke von Dinosauriern fand. Dort zieht heute ein Jurassic-Park als großes Freizeit- und Informationszentrum zahlreiche Besucher an.

Informationen über das Museum und Reservat in Krzemionki unter www.krzemionki.pl Das Reservat liegt etwa 70 Kilometer östlich der Woiwodschaftsstadt Kielce. Mehr zur Heiligkreuz-Region unter www.swietokrzyskie.travel
Allgemeine Informationen über das Reiseland Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel



Mode und Politik

Małgorzata Bela nach ihrem Interview bei der „Unlock Style by ZEITmagazin“-Konferenz in Berlin. Foto: Karl Forster

Für volles Haus sorgte bei einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Fashion-Week 2019 in Berlin der Auftritt des polnischen Models Małgorzata Bela. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Unlock Style by ZEITmagazin“ berichtete die Krakauerin im Gespräch mit Christoph Amend, Chefredakteur des ZEITmagazin über ihre Zeit als Model und heutige Gründungsredakteurin des polnischen VOGUE-Magazins. Von einer polnischen Modelagentur wurde sie damals überzeugt nach New York zu gehen, um dort als Model zu arbeiten. Mit nur 300 Dollar in der Tasche kam sie in den USA an und fand sich in einer sehr einfachen Model-WG wieder. Doch sie war schnell erfolgreich, arbeitete mit den bekanntesten Fotografen. Viermal erschien sie als Titelbild der italienischen Ausgabe von Vogue. Die junge polnische Filmregisseurin Małgorzata Szumowska engagierte das erfolgreiche Model für ihren Film Ono (dt. Titel: Leben in mir), der auf der Berlinale 2005 in der Sektion Panorama gezeigt wurde. Von dieser Arbeit beflügelt, begann sie in New York am Actors Studio Schauspielunterricht zu nehmen und erhielt in der italienischen Filmproduktion „Karol – Ein Mann, der Papst“ wurde eine Hauptrolle.

Vor drei Jahren nun startete sie als Gründungs-Chefredakteurin der polnischen Ausgabe des seit 1892 existierenden Modemagazins Vogue. Im Frühjahr 2018 erschien dann die erste Ausgabe, mitten in einer Zeit, in der in Polen die Frauen zum „schwarzen Protest“ gegen die Verschärfung der Abtreibungs-Gesetzgebung in Polen auf die Straße gingen. In dem Interview bei der Fashion-Week in Berlin berichtete Bela, dass sie ein Magazin macht, das sich nicht nur als Mode- sondern als Frauenzeitschrift versteht. Deshalb wollte man an dem aktuellen politischen Thema nicht vorbeigehen.

Kurzerhand entschied sie, dass das erste Titelblatt sich auch diesem Thema widmen werde. Gemeinsam mit dem aus Rzeszów stammenden Topmodel Anna Rubik posierte sie ganz in Schwarz vor dem Warschauer Kulturpalast.

Musik des Ostseeraums

Grenzüberschreitendes Musikfestival Uznam/Usedom

Drei Wochen lang, von September bis Oktober, präsentiert das Usedomer Musikfestival die Stars und Schätze der Musik des Ostseeraums. An den besonderen Konzertorten der Insel Usedom lässt das Usedomer Musikfestival so die unvergleichliche Atmosphäre einer weltoffenen, den Staaten des Ostseeraums zugewandten Zwei-Länder-Insel erlebbar werden. Zu den Spielorten gehört auch das mit seinem Stadtzentrum auf Usedom (poln. Uznam) gelegene Świnoujście.
Das Eröffnungskonzert des Festivals findet am 21. September im Kraftwerk des Museums Peenemünde statt. Es wird vom Baltic Sea Philharmonic Orchester bestritten, das als Projekt des Usedomer Musikfestivals 2008 ursprünglich als Jugendorchester gegründet wurde. Im Sommer 2019 hat das Orchester mit seiner „Midnight Sun“-Tournee in der Berliner Philharmonie, in Ossiach (Österreich) und in der Elbphilharmonie das Publikum zu Begeisterungsstürmen hingerissen.

Das MidnightSun Konzert in der Berliner Philharmonie am 26. Juni 2019 begeisterte das Publikum. Foto: Forster

Seine Konzerte, das hat diese Tour wieder eindrucksvoll bewiesen, sind einzigartige Spektakel, die Musiker und Zuschauer gleichermaßen in neue Dimensionen eintauchen lassen. Sound- und Lichtdesign, Projektionskunst und Choreografien verschmelzen miteinander, ganze Orchesterwerke spielt das Ensemble ohne Noten, komplett aus dem Gedächtnis.
Beim Eröffnungskonzert stehen Werke von Johann Sebastian Bach, Philip Glass, Georg Friedrich Händel und Steve Reich auf dem Programm.
Zu dem Festival gehören auch Lesungen, Ausstellungen oder beispielsweise eine Musikalische Inselrundfahrt, die diesmal am 23. September stattfindet und Konzerte in der Christus-Kreuz-Kirche in Świnoujście/Swinemünde, in Usedoms ältester Kirche in Liepe und auf Schloss Stolpe sowie einen Besuch von Wasserschloss Mellenthin beinhaltet.
Vor 150 Jahren, am 20. April 1869, starb Carl Loewe, von Robert Schumann, Richard Wagner und Johannes Brahms schon zu Lebzeiten wegen seiner Lieder und Balladen geschätzter Kantor und Organist an der Jacobikirche in Stettin. An ihn erinnert am 29.9. eine Exkursion die in Heringsdorf startet und nach Szczecin (Stettin) führt. In der dortigen Jakobi-Kirche findet ein Orgel-Konzert statt.
25 Jahre Usedomer Musikfestival in Swinemünde ist der Anlass für ein Festkonzert am 1. Oktober im Dom Kultury in Świnoujście. Das Ensemble „Il pomo d’oro” gemeinsam mit der polnischen Sopranistin Dagmara Barna präsentiert Werke von Stanisław Sylvester Szariński, Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel.
Am 3. Oktober präsentiert der polnische Pianist Wojciech Waleczek anlässlich des deutschen Nationalfeiertages unter dem Titel „Wie klingt Europa?“ Miniaturen aus 27 Ländern der Europäischen Union.
Das Programmheft, das fast 30 Veranstaltungen beinhaltet gibt es im Internet unter www.usedomer-musikfestiva.de oder beim Festivalbüro Postfach 1129, 17420 Heringsdorf, Telefon: 038378 34647.