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Polnische Feuersteinminen sind Weltkulturerbe

Seit 5000 Jahren Bergbau in Krzemionki in der Heiligkreuz-Region

Der Jubel war groß in der polnischen Woiwodschaft Świętokrzyskie (Heiligkreuz). Das Welterbe-Komitee der UNESCO hat auf seiner jüngsten Sitzung in Baku die mehr als 5.000 Jahre alte Bergbaulandschaft von Krzemionki zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Es ist die 16. Welterbe-Stätte im Nachbarland Polen und die erste in der Heiligkreuz-Region. Die Anlage gilt als ältestes und größtes Feuersteinbergwerk Europas. Im Museum von Krzemionki hofft man nun auf steigende Besucherzahlen.

Schon vor mehr als 5.000 Jahren entstanden im Heiligkreuzgebirge die ersten Feuerstein-Bergwerke. Von etwa 3400 bis 1600 v. Chr. wurden bei Krzemionki mehr als 4.000 Schächte in die Erde getrieben. Sie reichten bis zu neun Meter in die Tiefe. Durch kaum mehr als einen Meter hohe Stollen fraßen sich die damaligen Bewohner immer tiefer in das Innere des Berges. Tonnen von Abraum mussten sie bewegen, um an die dünnen Schichten von Feuerstein zwischen dem Kalk zu gelangen. Kniend oder liegend wurde der Stein mit einfachen Werkzeugen herausgelöst. Feuerstein war das Gold der Jungsteinzeit, unverzichtbar zum Feuermachen, aber auch zum Bau von Waffen und Werkzeugen. Um daran zu gelangen, mussten die Bewohner nicht nur ungeheure körperliche, sondern auch geistige Anstrengungen vollbringen. Denn der Transport des Abraums oder die Belüftung der Schächte erforderte ausgeklügelte technische Systeme. Feuerstein aus Krzemionki war ein Exportschlager, der selbst mehr als 600 Kilometer von den Minen entfernt verwendet wurde.

Der polnische Geologe Jan Samsonowicz hatte die ersten prähistorischen Feuersteinminen im Jahr 1922 entdeckt. Bald darauf wurden sie zum Denkmal erklärt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das große Gelände systematisch erforscht und gesichert, später dann für Besucher geöffnet. Seit 2004 gibt es dort eine mehr als 500 Meter lange Trasse durch den Untergrund, die Besuchern einen Eindruck von den Arbeiten unter Tage vermittelt. In den niedrigen Gängen sieht man, wie Zeitgenossen von Familie Feuerstein im düsteren Licht nach dem magischen grau-blauen Stein graben. Über der Erde wurde ein Schachteingang nachgebaut und es werden Beispiele für Waffen und Werkzeuge aus Feuerstein ausgestellt. Die gesamte touristische Route führt über eine Strecke von 1.500 Metern und umfasst auch eine nachgebaute neolithische Siedlung mit strohgedeckten Hütten, die von einem Graben und Palisadenzaun umgeben ist. Auf dem Gelände des Dorfes finden auch archäologische Workshops statt.

Feuersteinmine in Krzemionki. Foto: P. Peczalski

Jährlich besuchen derzeit etwas 40.000 Menschen das archäologische Museum und Reservat Krzemionki, das heute zum Regionalmuseum im nahen Ostrowiec Świętokrzyski gehört. Durch die Ernennung zum UNESCO-Welterbe hofft man auf deutlich steigende Besucherzahlen in den kommenden Jahren. Gäste können in der Region auch weitere kultur- und industriegeschichtlich bedeutende Anlagen besichtigen. So wurde im kleinen Ort Nowa Słupia schon vor 2000 Jahren Eisenerz in einfachen Lehmöfen geschmolzen. Diese Tradition lebt wieder auf beim jährlichen Fest „Dymarki Świętokrzyskie“, dessen nächste Ausgabe am 17. und 18. August 2019 geplant ist. Sehenswert ist auch der erste mit Koks befeuerte Hochofen Polens in Starachowice, der heute Kernstück eines Museums für Natur und Technik ist. Noch weiter in die Erdgeschichte zurück geht es in Bałtów, wo man Fußabdrücke von Dinosauriern fand. Dort zieht heute ein Jurassic-Park als großes Freizeit- und Informationszentrum zahlreiche Besucher an.

Informationen über das Museum und Reservat in Krzemionki unter www.krzemionki.pl Das Reservat liegt etwa 70 Kilometer östlich der Woiwodschaftsstadt Kielce. Mehr zur Heiligkreuz-Region unter www.swietokrzyskie.travel
Allgemeine Informationen über das Reiseland Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel



Mode und Politik

Małgorzata Bela nach ihrem Interview bei der „Unlock Style by ZEITmagazin“-Konferenz in Berlin. Foto: Karl Forster

Für volles Haus sorgte bei einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Fashion-Week 2019 in Berlin der Auftritt des polnischen Models Małgorzata Bela. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Unlock Style by ZEITmagazin“ berichtete die Krakauerin im Gespräch mit Christoph Amend, Chefredakteur des ZEITmagazin über ihre Zeit als Model und heutige Gründungsredakteurin des polnischen VOGUE-Magazins. Von einer polnischen Modelagentur wurde sie damals überzeugt nach New York zu gehen, um dort als Model zu arbeiten. Mit nur 300 Dollar in der Tasche kam sie in den USA an und fand sich in einer sehr einfachen Model-WG wieder. Doch sie war schnell erfolgreich, arbeitete mit den bekanntesten Fotografen. Viermal erschien sie als Titelbild der italienischen Ausgabe von Vogue. Die junge polnische Filmregisseurin Małgorzata Szumowska engagierte das erfolgreiche Model für ihren Film Ono (dt. Titel: Leben in mir), der auf der Berlinale 2005 in der Sektion Panorama gezeigt wurde. Von dieser Arbeit beflügelt, begann sie in New York am Actors Studio Schauspielunterricht zu nehmen und erhielt in der italienischen Filmproduktion „Karol – Ein Mann, der Papst“ wurde eine Hauptrolle.

Vor drei Jahren nun startete sie als Gründungs-Chefredakteurin der polnischen Ausgabe des seit 1892 existierenden Modemagazins Vogue. Im Frühjahr 2018 erschien dann die erste Ausgabe, mitten in einer Zeit, in der in Polen die Frauen zum „schwarzen Protest“ gegen die Verschärfung der Abtreibungs-Gesetzgebung in Polen auf die Straße gingen. In dem Interview bei der Fashion-Week in Berlin berichtete Bela, dass sie ein Magazin macht, das sich nicht nur als Mode- sondern als Frauenzeitschrift versteht. Deshalb wollte man an dem aktuellen politischen Thema nicht vorbeigehen.

Kurzerhand entschied sie, dass das erste Titelblatt sich auch diesem Thema widmen werde. Gemeinsam mit dem aus Rzeszów stammenden Topmodel Anna Rubik posierte sie ganz in Schwarz vor dem Warschauer Kulturpalast.