Roman Kent, Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees verstorben

By | 21. Mai 2021
Generalversammlung Internationales Auschwitz Komitee in Auschwitz / Oswiecim (Polen) vom 28. bis 31. August 2017: Links: Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident Internationales Auschwitz Komitee, Berlin, Auschwitz-Überlebende in der Gedenkstätte Auschwitz: Roman Kent (88, New York), Marian Turski (91, Warschau), Prof. Felix Kolmer (95, Prag), Eva Fahidi (91, Budapest) Foto: Bernd Oertwig/IAK

Nach kurzer schwerer Krankheit ist heute in New York der Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees Roman Kent im Alter von 92 Jahren verstorben.

Roman Kent wurde 1929 in Lodz als Sohn der jüdischen Familie Kniker geboren, der in Lodz eine Textilfabrik gehörte. Ende 1939, nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen, wurde die Familie Kniker – wie die anderen jüdischen Lodzer Familien auch – ins Ghetto gebracht, wo Romans Vater 1943 an den Folgen der Unterernährung starb. Die restliche Familie wurde 1944 nach der Liquidation des Ghettos nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo Roman von seiner Mutter und seinen Schwestern getrennt wurde. Gemeinsam mit seinem Bruder Leon durchlebte Roman weitere Konzentrationslager, bis er auf einem Todesmarsch von Flossenbürg nach Dachau als Sechszehnjähriger von amerikanischen Soldaten befreit wurde. Gemeinsam mit seinem Bruder immigrierte Roman Kent 1946 in die USA, wo er als erfolgreicher Geschäftsmann lebte.

Zum Tod Roman Kents betonte in Berlin Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees: „Auschwitz-Überlebende in aller Welt verabschieden sich mit großer Dankbarkeit und tiefer Wehmut von Roman Kent, der über viele Jahrzehnte ein konsquenter und wortgewaltiger Repräsentant ihrer Erinnerungen und ihres Lebens gewesen ist.

Schon früh engagierte sich Roman Kent gemeinsam mit den Auschwitz-Überlebenden Noach Flug und Marian Turski, denen er noch aus dem Lodzer Ghetto verbunden war, für die Gesundheit und das Wohlergehen aller Überlebenden und für die Entschädigung, die den Häftlingen der deutschen Vernichtungsmaschinerie nach ihrer Sklavenhaft und ihrer Zwangsarbeit zustand.

Seine deutschen Gesprächspartner schätzten seine sensible Offenheit und sein Interesse an einer gemeinsamen Zukunft, die auf den Fakten der Geschichte beruhte. Für das Internationale Auschwitz Komitee und als Auschwitz-Überlebender sprach er bei den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in der dortigen Gedenkstätte. Mit seiner Forderung nach einem 11. Gebot gegen die Gleichgültigkeit hat sich Roman Kent in die Geschichtsbücher eingeschrieben. Gemeinsam mit seiner Frau Hannah, die auch eine Auschwitz-Überlebende war, hat sich Roman Kent sein ganzes Leben hindurch für die Erinnerung, für die Toleranz und gegen den Antisemitismus engagiert.

Gerade in den letzten Monaten war die Last auf seinen Schultern schwerer geworden: Die brennenden Bilder der Vergangenheit schoben sich angesichts der aktuellen Entwicklungen immer mehr in sein Leben und die Beobachtung, dass der Haß des Antisemitismus und die Verherrlichung von Auschwitz immer mehr an Boden gewinnen, bedrückte und alarmierte ihn bis in seine letzten Stunden hinein. Auch deshalb war ihm die Zukunft der Gedenkstätte Auschwitz und die Beteiligung der Überlebenden an der Arbeit der Gedenkstätte ein besonderes Anliegen. Seinen letzten Brief hat Roman Kent an den polnischen Ministerpräsidenten geschrieben und vor einer Nationalisierung und Monopolisierung der Gedenkstätte gewarnt.