Author Archives: Karl Forster

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Redaktionsleiter

Erklärung der Botschafter-Konferenz

Ende Mai 2018 traf sich in Warschau eine Gruppe ehemaliger polnischer Botschafter, um sich mit der aktuellen Außenpolitik ihres Landes zu befassen. Dabei entstand folgende Erklärung, die am 31. Mai 2018 veröffentlicht wurde. Wir veröffentlichen das Dokument am Ende dieses Beitrags als Faximile im polnischen Original und hier in einer nicht authorisierten Übersetzung unserer Redaktion.

Wir riefen eine Botschafterkonferenz der Republik Polens ein, eine Versammlung ehemaliger Botschafter der Republik Polens, deren Ziel es war, die Außenpolitik zu analysieren, auf die Gefahren für Polen hinzuweisen und Empfehlungen auszusprechen. Wir wollen damit eine breite Öffentlichkeit erreichen. Es verbindet uns die gemeinsame Arbeit und die Erfahrung bei der Ausgestaltung der Position Polens als ein moderner Staat in Europa und bedeutendes Mitglied der Transatlantischen Gemeinschaft ist. Wir sind überzeugt, dass die Außenpolitik ein Ausdruck der Interessen eines Staates sein muss und nicht der Interessen einer regierenden Partei.

Warschau, den 31. Mai 2018

 Die Verletzung der Rechtsstaatlichkeit schwächt
die Position Polens in der Welt

Position der Botschafterkonferenz der Republik Polens

  1. Die Europäische Union, deren Mitglied Polen ist, ist eine besondere internationale Organisation, die sich nicht nur mit den politischen Beziehungen zwischen den Staaten widmet, sondern auch viele Bereiche des Lebens, die für die Bürger und Wirtschaftssubjekte bedeutend sind, reguliert. Grundlage für die gemeinschaftliche Zusammenarbeit und ihre Effektivität ist das demokratische Fundament eines/als Rechtsstaates (Beachtung der Dreiteilung der Macht, Unabhängigkeit der Gerichte, Legalität des staatlichen Handelns, Rechtssicherheit).
  2. Die Tätigkeit der aktuellen Regierung, die die Grundlagen eines Rechtsstaates bricht, Xenophobie und Antisemitismus hervorruft, führt zur Untergrabung der demokratischen Struktur des Staates. Sie führt ebenso zu schädlichen Folgen für den Status, die Glaubwürdigkeit und die Position Polens in der Welt, hauptsächlich in den Beziehungen mit den wichtigsten Partnern. Sie berührt die Qualität der Mitgliedschaft in der NATO und der Europäischen Union. Polen verliert an Glaubwürdigkeit und Einfluss auf wichtige Entscheidungen in der internationalen Arena. Die Kosten für diese Politik werden deutlich und schmerzlich sein: wir fühlen sie bei der Aufteilung der Budgetmittel der EU für die Jahre 20121-2027.
  3. Der Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit hat für die Europäische Union rechtlich bindenden Charakter. Die Gemeinschaftsverträge stehen als Garant für die Beachtung dieses Grundsatzes. Seine Verletzung hat nicht nur politische Konsequenzen, sondern ebenso für die Bürger und Wirtschaftssubjekte. Außer den Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof gehört zu den bekanntesten Prozeduren die Anwendung des Artikels 7 des Vertrages über die Europäische Union (TUE), die als erster, politischer Schritt gegenüber Polen zur Anwendung gekommen ist. Diese Prozedur ist nicht darauf ausgerichtet, ein Mitgliedsstaat zu bestrafen. Ihr Ziel ist seine Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit. Der Weg dorthin führt über den Dialog. Die Empfehlungen, die gegenüber Polen durch die Europäische Kommission formuliert wurden, sind die Konsequenzen der Verletzung der Rechtsstaatlichkeit und nicht Ausdruck einer internationalen Verschwörung. Die Umsetzung dieser Empfehlungen ist eine notwendige Bedingung für Polen, wenn es seinen ihm gebührenden Platz in der internationalen demokratischen Gemeinschaft behalten will.
  1. Unabhängig von der Prozedur nach Art. 7 TUE kann die Europäische Kommission – im Falle der Verletzung des Unionsrechts durch einen Staat – Klage vor dem Europäischen Gerichtshof erheben. Die Möglichkeiten dafür sind zahlreich. In einigen Fällen haben die Urteile des Gerichtshofes allerdings eine besondere Bedeutung, nämlich dann, wenn sie die Grundlagen des Rechtsstaates verletzt sehen. So geschah es z. B. mit dem Urteil vom 6. November 2012, mit dem der Gerichtshof feststellte, dass das ungarische Gesetz, mit dem die Richterschaft kollektiv in Rente geschickt wurde, gegen das Verbot der Diskriminierung aufgrund des Alters verstieß. Zu dieser Art Urteile gehört ebenfalls der Richterspruch vom 17. April 2018, das feststellte, die Abholzung der Bäume im Biłowieska-Urwald verletze bindendes Recht der UE, dass auch für Polen gilt.
  1. Die Europäische Kommission kann dementsprechend Klage vor dem Europäischen Gerichtshof wegen der Verabschiedung der Gesetze zur Gerichtsbarkeit durch das derzeitige polnische Parlament erheben, darunter gegen das Gesetz zum Obersten Gericht. Sie kann darüber hinaus beantragen, die Anwendung des Gesetzes bis zur Zeit eines Urteils durch den Gerichtshof durch eine einstweilige Verfügung verbieten zu lassen. Das ist von besonderer Bedeutung, weil durch die Neubesetzungen beim Obersten Gericht der Prozess der politischen Übernahme der Gerichtsbarkeit zu Ende gebracht wird. Das wird gleichzeitig das Ende der unabhängigen Gerichtsbarkeit in Polen sein. Wegen der Übernahme des Verfassungsgerichtes wird es schwierig sein, diese auf der Grundlage des aktuellen Systems in Polen wiederzuerlangen.

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Die jetzige Regierung macht aus Polen einen schwachen, isolierten und einsamen Staat. Die Errungenschaften der Außenpolitik des unabhängigen Polen werden verschleudert und zunichtegemacht. Das geschieht in einer Zeit, in der die Europäische Union tiefgreifende Reformen durchführt sowie in den internationalen Beziehungen die Spannungen wachsen.

Grundlegende Entscheidungen über das Schicksal Polens fällen die Wähler. Maßnahmen internationaler Organisationen können das nicht ersetzen. So kann der Standpunkt der EU-Institutionen gegenüber den Maßnahmen der polnischen Regierungen ausschließlich zur Rückkehr Polens zur Rechtsstaatlichkeit führen.

Unterzeichner:

Jan Barcz

Andrzej Jaroszyński

Jerzy Maria Nowak

Marcin Bosacki

Maciej Klimczak

Piotr Nowina-Konopka

Iwo Byczewski

Tomasz Knothe

Agnieszka Magdziak-Miszewska

Maria Krzysztof Byrski

Maciej Kozłowski

Piotr Ogrodziński

Mieczysław Cieniuch

Jerzy Kranz

Katarzyna Pełczyńska-Nałęcz

Tadeusz Diem

Henryk Lipszyc

Ryszard Schnepf

Paweł Dobrowolski

Bogumił Luft

Katarzyna Skórzyńska

Grzegorz Dziemidowicz

Piotr Łukasiewicz

Tadeusz Szumowski

Urszula Gacek

Jacek Najder

Maria Wodzyńska-Walicka

Marek Grela

Anna Niewiadomska

Maciej Koźmiński

 

 

Diskussion zum sog. Holocaust-Gesetz

Das polnische sogenannte Holocaust-Gesetz wird international kritisiert, allen voran von Israel, aber auch von den USA oder der EU. Das Gesetz, das vom Senat verabschiedet wurde und nun Präsident Andrzej Duda zur Unterzeichnung vorgelegt wird, sieht Haftstrafen von bis zu drei Jahren für Personen vor, die dem polnischen Volk oder Staat die Verantwortung oder Mitverantwortung für Nazi-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg zuschreiben. Die Bezeichnung „polnische Todeslager“ darf nicht mehr verwendet werden dürfen. Kunst- und Wissenschaftszwecke sollen von der Regelung ausgenommen werden.

Tatsächlich hat auch die Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland mehrfach kritisiert, dass Deutsche Medien von „polnischen Lagern“ geschrieben hatten.

Die Jerusalemer Holocaustgedenkstätte Jad Vaschem kritisierte jedoch in einer Mitteilung, das Gesetz verharmlose direkt und indirekt den Anteil der Komplizenschaft von Teilen der polnischen Bevölkerung bei Verbrechen gegen Juden. Zwar sei der Ausdruck „polnische Todeslager“ falsch, da die Konzentrations- und Todeslager „von Deutschen im Nazi-besetzten Polen“ erbaut und geführt worden seien – „mit der ausdrücklichen Absicht, Europas Juden zu ermorden und zu vernichten“. Allerdings sei der richtige Weg gegen eine „historische Fehlinterpretation“ nicht die Kriminalisierung der Aussagen, sondern mehr Bildung über das Thema.

Mit dem gleichen Tenor, der Forderung das Problem über mehr Bildung zu lösen, hat sich nun auch das Museum der Geschichte der polnischen Juden zu Wort gemeldet. Wir veröffentlich hier diese Erklärung des POLIN, sowie eine Erklärung des deutschen Außenministers.

Außenminister Sigmar Gabriel heute (03.02.):

Die umfassende Aufarbeitung der eigenen Geschichte und der eigenen Verantwortung ist uns Deutschen eine immerwährende moralische Verpflichtung angesichts der von Deutschen und Deutschland begangenen Verbrechen auch in Polen.
Es gibt nicht den geringsten Zweifel daran, wer für die Vernichtungslager verantwortlich ist, sie betrieben und dort Millionen europäischer Juden ermordet hat: nämlich Deutsche. Von unserem Land wurde dieser organisierte Massenmord begangen und von niemand anderem. Einzelne Kollaborateure ändern daran nichts.
Ich selbst habe 15 Jahre lang Jugendgruppenreisen in die Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager nach Auschwitz und Majdanek organisiert und geleitet. Nichts war mir dabei so klar wie die Tatsache, dass es sich um deutsche Konzentrationslager handelte, die nicht zufällig in Polen waren. Denn die polnische Kultur sollte ebenso ausgelöscht werden wie alles jüdische Leben. Drei der über sechs Millionen ermordeten Juden kamen aus Polen.
Das Bewusstsein dieser historischen Schuld ist Teil der heutigen deutschen Identität in unserem demokratischen Staat und der zentrale Konsens aller demokratischen Kräfte in unserem Land.
Deshalb wird Deutschland auch im eigenen Interesse die Erinnerung an diese Grausamkeiten an jüngere Generationen weitergeben und keinerlei Relativierung zulassen. Wir sind überzeugt, dass nur die sorgfältige Aufarbeitung der eigenen Geschichte Aussöhnung bringen kann. Dazu gehört, dass Menschen, die das unerträgliche Leid der Shoa erfahren mussten, über dieses Leid uneingeschränkt sprechen können.
Deshalb kann sich Polen darauf verlassen, dass jede Art der Geschichtsverfälschung wie der Begriff ,polnische Konzentrationslager‘ bei uns auf klare Ablehnung stoßen und scharf verurteilt wird.

 

Stellungnahme des Museums POLIN (Museum der Geschichte der polnischen Juden) bezüglich einer vorgeschlagenen Änderung des Gesetzes über das Institut für Nationales Gedenken: 

Wir verstehen den Schmerz und die Empörung derer, die erkennen, wie falsch und ungerecht die Begriffe „polnische Konzentrationslager“ oder „polnische Vernichtungslager“ sind. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass solche Begriffe meistens aus Ignoranz stammen, und deshalb ist der richtige Weg zu reagieren, die Bildung zu fördern.

Ein Gesetz zu verabschieden, das die historische Forschung negativ beeinflussen kann, also die Wahrheit über die Vergangenheit zu suchen, ist keine gute Lösung. Wir sind der Ansicht, dass die vorgeschlagene rechtliche Maßnahme ein erhebliches Risiko für solche schädlichen Auswirkungen darstellt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es eine Atmosphäre der Einschüchterung auslöst und Wissenschaftler, insbesondere die der jüngeren Generation, davon abhält, schwierige Themen im Zusammenhang mit Verbrechen zu bekämpfen, die im zwanzigsten Jahrhundert auf polnischem Boden begangen wurden. Diese Bedenken werden durch bösartige Angriffe auf eine Reihe von Holocaust-Historikern bestätigt, die wir in den letzten Jahren mit Empörung beobachtet haben.

Darüber hinaus könnten viele Menschen den vorgeschlagenen Änderungsantrag als einen Versuch ansehen, die Debatte über von Polen begangene Verbrechen als politische Einmischung in historische Streitigkeiten und letztlich als Bestätigung von antipolnischen Vorurteilen zu ersticken.

Es war ein großer Erfolg der Dritten Polnischen Republik, Platz für ehrliche Debatten über Ereignisse aus unserer dramatischen Vergangenheit zu lassen. Die polnischen Debatten über Jedwabne, über die Zusammenarbeit mit dem Kommunistischen Sicherheitsdienst oder über die Deportationen der Deutschen aus den Westgebieten nach dem Krieg waren unsere gemeinsamen nationalen Errungenschaften, trotz der Äußerung einiger extremer und unbegründeter Meinungen. Diese Debatten brachten uns einem tieferen Verständnis unserer Vergangenheit, den moralischen Dilemmata der Menschheit und Risiken für die Zukunft näher.

Enorme Fortschritte wurden auch im Bereich der historischen Forschung in Polen erzielt, einschließlich polnischer Beiträge zu internationalen Holocaust-Studien. Die Kernausstellung von POLIN Museum entstand dank der Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Polen und dem Ausland. Die Holocaust Gallery, die von einem Team um die Professoren Barbara Engelking und Jacek Leociak, bedeutende Wissenschaftler des Polnischen Zentrums für Holocaust-Forschung, erstellt wurde, zeigt, dass wir in der Lage sind, die dramatischsten und schmerzhaftesten Fragen in ausgewogener und wahrheitsgetreuer Weise darzustellen.

Wir sind nicht verantwortlich für eine Vergangenheit, auf die wir keinen Einfluss hatten. Wir sind jedoch verantwortlich für das, was wir heute in Bezug auf diese Vergangenheit tun. Vor allem sind wir den Opfern vergangener Verbrechen die Wahrheit schuldig, und die Wahrheit wird durch eine offene und sachliche Diskussion geschürt.

Professor Dariusz Stola, Direktor des Museums POLIN der Geschichte der polnischen Juden

Piotr Wiślicki, Vorsitzender des Vorstandes des Verbandes des Jüdischen Historischen Instituts Polens

75. Krippen-Wettbewerb

Eine Tradition findet auch Anklang bei den Kindern

Über 160 Krippen am Mickiewicz-Denkmal ausgestellt

Weihnachtskrippen sind in christlichen Gegenden nichts Besonderes. Mal ist es eine Hütte, mal eine Höhle und mal ein Stall. Darin die Figuren von Maria und Joseph und in einer Krippe das Jesuskind. Dazu gehören meist noch Ochs und Esel. Wie man sich als mitteleuropäischer Christ die Szenerie in Bethlehem eben so vorstellt.
Eine Ausnahme gibt es. Krakauer Krippen (Szopka) sind anders. Auch sie erinnern an die Geburt Jesu. Aber man verbindet das mit mit vielen anderen Elementen. Sie präsentieren die Architektur der wichtigsten, interessantesten und schönsten Bauwerke der Stadt. Sie tragen meist Türme, die sich an dem höheren Turm der Marienkirche mit dem Turmkranz in Form einer Krone orientieren. Der Helm steht dabei für den Trompeter, der stündlich das Signal vom Turm spielt. Dabnei geht es nicht darum, alles real zu kopieren, sondern die Fantasie walten zu lassen. Unten im Eingang findet man meist die heilige Familie dargestellt, aber auch den Krakauer Drachen oder prominente Persönlichkeiten. Wichtig: Die „Krippe“ muss glänzen, soll die strahlende Kirche darstellen. Dabei sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Es ist ein Stück Volkskunst mit alter Geschichte. Die Tradition geht in das 19. Jahrhundert zurück. Unterbrochen im ersten Weltkrieg wurde 1923 durch das Industriemuseum die Kunst des Krippenbaus wiederbelebt, jedoch nicht so aufwendig und künstlerisch. 1937 gab es einen ersten Wettbewerb, doch der Beginn des Krieges machte dem wieder ein Ende.
1945 wurde der Wettbewerb wieder aufgenommen und wurden immer größer. Über 160 Krippen waren es im letzten Jahr, davon 120 von Kindern und Jugendlichen. Modellbauer oder Familien, Schulen und Kindergärten oder Rehaeinrichtungen, sie alle bauen nicht nur die „Krippen“, sondern sie präsentieren sie jetzt einmal im Jahr auf dem Krakauer Markt, dem Stary Rynek. Rund um das Denkmal des Nationaldichters Adam Mickiewicz stellen sie am ersten Donnerstag im Dezember ihre Werke zur Besichtigung durch die Bevölkerung, vor allem aber der Jury, die in den unterschiedlichsten Kategorien die Sieger ermittelt. Die besten Werke werden dann von Mitte Dezember bis Ende Februar im historischen Museum der Stadt ausgestellt. Einige besondere Stücke werden vom Museum auch aufgekauft, für spätere Ausstellungen.
7. Dezember 2017: Zum 75. Mal findet der Wettbewerb statt. Ein kalter, aber sonniger Wintertag in Krakau. Es sind wirklich sehr unterschiedliche Werke, die da präsentiert werden. Klassisch werden sie aus Pappe oder Sperrholz gefertigt und dann mit farbigem Stanniolpapier verziert. Manche erinnern dabei an orthodoxe Kirchen mit goldfarbenen Kuppeln, andere kommen ganz künstlerisch daher, mit den unterschiedlichsten Figuren. Auch Tod und Teufel gehören dazu.

Die wohl kleinste Krippe die an diesem Tag gezeigt wird, ist in einem Teelöffel eingebaut. Eine der größten, rund zwei Meter. Erbaut von Karol. Schon sein Vater hatte besondere Krippen entworfen. Er selbst hat vor dreizehn Jahren mit seiner Krippe begonnen, mit der er jetzt auf einen Preis hofft. Ganz anders Marcin. Er ist Student, kam erst vor zwei Monaten aus Białystok nach Krakau und hat Legosteine für den Bau seiner Krippe benutzt. Gerade einen Monat hat er daran gebaut. Ein anderer wollte zeigen, dass es nicht auf das Material ankommt und hat Nudeln verarbeitet. Die Cannelloni-Röhren (natürlich ungekocht) sehen wie Baumstämme aus, aus denen die Krippe entstand, kleine flache Nudeln dienten als Fußboden.
Besonderes Interesse vieler Besucher finden die Kreationen der Kleinsten. Da sind dann beispielsweise die Engel über der Krippe mit Wasserfarben gemalt und ausgeschnitten.

Zwei Stunden stehen die Krippen auf den Denkmalstufen. Dann geht es im Prozessionszug zur Bühne neben dem Rathausturm. Dort wird jedes Stück nochmal vorgestellt. Dann heißt es warten. Drei Tage später gibt die Jury die Gewinner bekannt.
Das Historische Museum Krakau, hält es für wichtig, die Tradition der besonderen Krippen für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Die Kunstwerke werden nicht nur dort im Museum, sondern auch in Ausstellungen im Ausland präsentiert. Regelmäßig finden solche Ausstellungen auch in Deutschland statt.
Krakau, die frühere Königsstadt, die immer noch mit Warschau um die Gunst der wichtigsten Stadt Polens ringt, ist zu jeder Jahreszeit ein empfehlenswertes Reiseziel. Besonders auch im Winter. Wer kann, sollte seinen Reisetermin im neuen Jahr so legen, dass er die Präsentation der Krakauer Krippen inmitten des Weihnachtsmarktes miterleben kann.

Mehr Infos im Internet unter:
www.polen.travel;
www.krakow.pl
www.museums.krakow.travel


Die Recherchereise für diesen Artikel wurde durch das polnische Fremdenverkehrsamt Berlin ermöglicht.

Musikfestival zwischen Peenemünde und Świnoujście

Das Orkiestra Symfoniczna Polskiej Filharmonii Bałtyckiej w Gdańsku (Symphonieorchester der polnischen Ostseephilharmonie Danzig) im Dom Kultury Świnoujście Foto: Usedomer Musikfestival / Geert Maciejewski

 

„Mit durchschnittlich 1.906 Sonnenstunden im Jahr scheint die Sonne nirgendwo in Deutschland so häufig wie auf der zweitgrößten Insel des Landes – der Sonneninsel Usedom“, wirbt die Touristinfo der Ostseeinsel. Aber auch im Herbst und Winter ist Usedom ein attraktives Reiseziel. Was viele nicht wissen: Usedom (poln. Uznam) ist nicht rein deutsch.
Auf dem östlichsten Eck der Insel liegt ein Teil der heute polnischen Stadt Świnoujście (Swinemünde). Der Rest der Stadt liegt dann auf der benachbarten polnischen Insel Wolin. Diese deutsch-polnische Nachbarschaft hat die Initiatoren des seit 1994 existierenden „Usedomer Musikfestival“ dazu gebracht, auch den polnischen Teil der Insel als Spielstätte einzubeziehen. Schließlich ist ja ohnehin das Thema des Festivals die Musik der Ostseeregion.
Jeweils drei Wochen lang in der Zeit September bis Oktober locken die Klänge der jährlich wechselnden Gastländer – Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Norwegen, Polen, Russland oder Schweden – in uralten Kirchen, malerisch gelegenen Schlössern und Villen, in Galerien sowie kaiserzeitlichen Hotels oder in das Dom Kultury (Kulturhaus) in Świnoujście.
So klingt Dänemark, lautete das Thema 2017. Volkslieder und Volkstänze aus Nordeuropa, vorgetragen vom Danish String Quartet und dem NDR-Chor machten den Auftakt im Kaiserbädersaal in Heringsdorf. Dann folgte ein umfangreiches Programm von Konzerten, Lesungen, Vorträgen, einer „musikalischen Inselrundfahrt“. Beim Abschlusskonzert im Kraftwerksaal des Museums Peenemünde war dann das NDR Elbphilharmonie Orchester zu Gast.
Deutsch-dänische Freundschaft in einem Konzert polnisch-deutscher Partnerschaft war zuvor in Świnoujście zu hören. Esther und Lea Birringer, zwei junge deutsche Virtuosinnen, trafen sich mit der brillanten „Orkiestra Symfoniczna Polskiej Filharmonii Bałtyckiej w Gdańsku“ (Symphonieorchester der polnischen Ostseephilharmonie Danzig). Zu hören waren Werke von Carl Nielsen, Felix Mendelssohn Bartholdy und Niels Wilhelm Gade.
„Das Besondere an dem Festival ist, dass es jedes Jahr der Musik eines anderen im Ostseeraum liegenden Landes gewidmet ist. Das Festival ist also ein Paradebeispiel dafür, dass Musik keine Grenzen kennt, dass sie Menschen verschiedener Nationalitäten und verschiedenen Glaubens, die verschiedene Berufe ausüben und unterschiedliche Sprachen sprechen, miteinander verbindet“, schrieb Janusz Żmurkiewicz, Stadtpräsident der Stadt Świnoujście in seinem Grußwort zur Veranstaltungsreihe. Continue reading

Frida Kahlo und Diego Rivera zu Gast in Poznań

Frida Kahlo. Selbstbildnis als Tehuana oder Diego in meinen Gedanken , 1943 Öl auf Holzfaserplatte 76×61 cm The Jacques and Natasha Gelman Collection of Mexican Art, the Vergel Foundation and the Tarpon Trust © 2017 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / Artists Rights Society (ARS), New York

Ausstellung zeigt Verbindungen des Künstlerpaars nach Polen auf

„Frida Kahlo und Diego Rivera im polnischen Kontext“ ist eine Ausstellung überschrieben, die vom 28. September 2017 bis zum 21. Januar 2018 in der westpolnischen Metropole Poznań (Posen) zu sehen ist. Es ist die erste umfangreiche Werkschau des mexikanischen Künstlerpaares in Polen. Im Kulturzentrum Zamek im einstigen Schloss von Kaiser Wilhelm II. sind insgesamt 28 bekannte Werke von Frida Kahlo sowie zehn Arbeiten von Diego Rivera zu sehen.  

Der „polnische Kontext“ bezieht sich auf die enge Verbindung von Kahlo und Rivera zu zwei polnischstämmigen Künstlern. Die Malerin Fanny Rabel, die 1922 unter dem Nachnamen Rabinovich als Tochter einer jüdischen Schauspielerfamilie in Polen geboren wurde und später nach Mexiko zog, war einst Schülerin von Frida Kahlo. Als Assistentin von Diego Rivera beteiligte sie sich an einigen seiner berühmten Wandmalereien, den Murales, setzte später eigene Projekte um und gilt als erste weibliche Wandmalerin in Mexiko. Von der 2008 gestorbenen Künstlerin sind insgesamt 60 Arbeiten in Poznań zu sehen.

Bernice Kolko, 1905 geboren, emigrierte 1920 mit ihrer Familie in die USA. Die ehemalige Fotografin der US-Armee begann 1951 ein Projekt über Frauen in Mexiko. Dabei lernte sie Kahlo und Rivera kennen und stand besonders Frida Kahlo in den Jahren vor ihrem Tod sehr nah. Von ihr stammen eine Reihe von sehr persönlichen Aufnahmen von der mexikanischen Malerin. Doch sie hielt auch den Alltag im Land fest. Insgesamt 80 Fotografien von Bernice Kolko werden in Poznańzu sehen sein.

Die Ausstellung nimmt auch an anderer Stelle Bezug auf Polen. Bereits 1955 waren dort Arbeiten von Frida Kahlo und Diego Rivera in einer Gemeinschaftsausstellung über mexikanische Kunst zu sehen. Ausgestellt wurde unter anderem Frida Kahlos größtes und ungewöhnlichstes Selbstporträt mit dem Titel „Der verwundete Tisch“. Sie hatte es 1939 zur Zeit ihrer Scheidung von Diego Rivera gemalt. Das Gemälde sollte von Polen in die Sowjetunion gebracht werden, ist aber auf dem Weg nach Moskau verschwunden und seitdem nicht wieder aufgetaucht. Im Kunstzentrum Zamek wird ein Raum der damaligen Ausstellung nachgebildet und auch das verschwundene Bild visualisiert.

Kuratorin der Ausstellung ist die Berliner Kunsthistorikerin Helga Prignitz-Poda, Mitherausgeberin des Werkverzeichnisses von Frida Kahlo. Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis sonntags von 12 bis 20 Uhr, der Eintritt beträgt 25 Złoty (ca. 6 Euro).

Infos unter www.ckzamek.pl
Informationen zu Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt www.polen.travel

Willkommenszentrum

Ab dem 14.9. gibt es im Willkommenszentrum Berlin ein spezielles Beratungsangebot für polnische Zuwanderinnen und Zuwanderer.

Eine Beraterin des EURES-Netzwerks ist jeden zweiten Donnerstag jeweils von 10 bis 17 Uhr vor Ort und unterstützt – in polnischer Sprache – bei der Job- und Ausbildungsplatzsuche sowie bei der Erstellung von Bewerbungen.

Die Termine: 14.09., 28.09.,12.10., 26.10., 09.11., 23.11. und 07.12..

Die Beratung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das Willkommenszentrum befindet sich in der Potsdamer Straße 65, unsere Kontaktdaten lauten:

Tel.: 030-9017 2326
Mail: willkommenszentrum@intmig.berlin.de

https://www.berlin.de/willkommenszentrum/ (die einzelnen Rubriken unsere Website sind übrigens auch in polnischer Sprache verfügbar, z.B. die Rubrik Arbeit und Bildung: https://www.berlin.de/willkommenszentrum/pl/krok-4-praca-i-edukacja/)

Seminar zum Jugendaustausch

Das Gustav Stresemann Institut in Niedersachsen e.V. veranstaltet vom 24. bis 27. November 2017 ein Seminar für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren des Jugendaustausches in Bad Bevensen (bei Hamburg).

Thema
Was heißt demokratischer Jugend- bzw. Schüleraustausch? Welche Möglichkeiten gibt es für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Teilnehmende, Austauschprojekte demokratisch und partizipativ zu gestalten? Und was hat solch eine Herangehensweise mit Demokratie und politischem System zu tun? Nach Antworten auf diese und andere Fragen wird gemeinsam mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Deutschland und Polen während des Seminars gesucht. Darüber hinaus wird es die Möglichkeit geben, bisherige Erfahrungen zu reflektieren und sich über Methoden zum Thema Partizipation und Demokratie auszutauschen.

Methoden
Methodische Grundlage des Seminars stellt das Demokratieprogramm Betzavta-Miteinander dar. Mit Hilfe erfahrungsorientierter Übungen können Multiplikatorinnen und Multiplikatoren  ihre eigene Einstellung zur Demokratie und Partizipation reflektieren und diese Erfahrung anschließend auf die Arbeit mit Jugendlichen übertragen. Das Seminar wird durch Inputs u.a. zum Thema Partizipation sowie durch Integrationsmethoden für deutsch-polnische Jugendbegegnungen ergänzt.

Mehr Informationen zum Demokratieprogramm Betzavta-Miteinander finden Sie auf der Seite des Centrums für angewandte Politikforschung.

Zielgruppe
Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, Lehrkräfte, die im deutsch-polnischen Jugend-/Schüleraustausch engagiert sind und nach neuen Inspirationen und Methoden für die Austauschgestaltung suchen.

Generalversammlung des Internationalen Auschwitz Komitees

Kranzniederlegung an der Todeswand bei Block 11 im KZ Auschwitz durch das Präsidium des Internationalen Auschwitz Komitees. Foto: Forster

Generalsekretär der Vereinten Nationen dankt den Überlebenden

 Im polnischen Oswiecim, vor den Toren des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers, fand am 30. und 31. August die 15. Generalversammlung des Internationalen Auschwitz Komitees statt, zu der Überlebende des Lagers mit ihren Angehörigen und Delegierte von Auschwitz-Stiftungen aus sechzehn Ländern angereist sind. In Grußbotschaften dankten die Staatspräsidenten Polens, Deutschlands und Österreichs und der Generalsekretär der Vereinten Nationen den Überlebenden für ihr kontinuierliches Engagement als Zeitzeugen im Gespräch mit jungen Menschen.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen Antonio Guteres schrieb in seiner Grußbotschaft:
„Sie ermutigen durch Ihre Arbeit all diejenigen, die heute unterdrückt werden, und Ihre Stimmen tragen immer wieder dazu bei, Antisemitismus und andere Formen der Diskriminierung zu entlarven. Sie schützen diejenigen, die heute verletzlich sind, Sie verteidigen die demokratischen Institutionen und Sie rufen die Welt auf, wachsam gegenüber Völkermord und anderen Verbrechen zu sein.“

In seiner Rede vor den Delegierten betonte der Präsident des Komitees, der jüdische Auschwitz-Überlebende Roman Kent aus New York:
„Wir als Überlebende von Auschwitz haben uns immer als Seismographen der Demokratie verstanden, die sehr früh und sehr genau registrieren, wann und wo unsere Demokratien bedroht sind und der Hass und der Antisemitismus wieder auf die Straße drängen.“

Der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees Christoph Heubner warnte in seinem Bericht vor den etwa 120 Delegierten und Gästen:
„Der Hass ist zurück. Auschwitz hat nicht in Auschwitz angefangen, Auschwitz hat mit dem Hass auf den Straßen angefangen. Dem Hass gegen Juden, der aggressiven Verachtung und der Zerstörung der Demokratie. Das machen die Bilder deutlich, die uns heute tagtäglich nicht nur aus Charlottesville erreichen. Die Überlebenden fragen sich heute in großer Unruhe, ob es genug Wachsamkeit und Empörung gegenüber den Angriffen auf die Demokratie gibt oder ob erneut die Gleichgültigkeit gegenüber dem Hass die Oberhand behält. Deswegen bleibt den Überlebenden das Gespräch mit den jungen Menschen in aller Welt besonders wichtig.“

Polens Tourismus-Chef nach skandalösen Äußerungen entlassen

Eingangstor des KZ Auschwitz. Foto: Dnalor_01/Wikimedia Commons (CC-BY-SA 3.0)

Polen hat so viel nationale Kulturgüter zu zeigen, deshalb sollte man ausländische Besucher und Journalisten nicht einladen, die Gedenkstätte Auschwitz oder das Jüdische Museum Warschau zu besuchen. Das war der Kern der Aussage des erst seit März 2017 im Amt befindlichen Chefs des Polnischen Tourismusamtes, Marek Olszewski in einem Gespräch mit der großen polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza.

Olszewski strich einen Besuch der Gedenkstätte Auschwitz und des Museums der Geschichte der polnischen Juden aus dem Besuchsprogramm einer Journalisten-Delegation. Wörtlich erklärte er dazu gegenüber der Zeitung Gazeta Wyborcza: „Als der Kopf der polnischen Tourismus-Organisation, der sein Land liebt, will ich seine beste Seite zeigen, durch die Denkmäler, Kultur, Gastfreundschaft, wunderbare Musik. Auschwitz ist kein Touristenziel, sondern ein Ort der Märtyrer, der Einkehr und der Reflexion. Ich muss nicht Plätze zeigen, die mit der Geschichte und mit Geschehnissen anderer Nationen verbunden sind„. Und setzte dann noch einen drauf: „Es waren Polen, nicht die jüdische Elite, die während des Krieges komplett zerschlagen und liquidiert wurde. Lasst uns daran erinnern, dass die gesamte jüdische Kultur in der Realität überlebt hat. “

Veröffentlicht wurde der Artikel zwei Tage vor dem Jahrestag des Überfalls Deutschlands 1939 auf Polen und genau während in Oswiecim (Auschwitz) das Internationale Auschwitz Komitee (IAK), die Organisation der ehemaligen Auschwitz-Häftlinge aus aller Welt tagte. Unter ihnen auch der 91jährige Marian Turski,  Vorsitzender des Rates des von Olszewski angesprochenen Museums der Geschichte der polnischen Juden.

Natürlich führte die Veröffentlichung in der Gazeta Wyborcza unmittelbar zu einer Protesterklärung des IAK sowie der Gedenkstätte Auschwitz. Schon zur Mittagszeit des gleichen Tages folgte die Reaktion des Tourismusministers Witold Bańka: Marek Olszewski wurde wegen seiner skandalösen Äußerungen sofort als Chef der Tourismuswerbung Polens entlassen.

(Einen ausführlichen Bericht über die Tagung des IAK lesen Sie in der Printausgabe ab 1.10.)