Author Archives: Karl Forster

About Karl Forster

Redaktionsleiter

Tandem Sprachkurs

Seit vielen Jahren arbeitet die Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland e.V. mit der Sprachschule Germanitas in Rzeszów zusammen. Jetzt wird dort wieder ein Tandem-Sommer-Sprachkurs organisiert, auf den wir Sie aufmerksam machen möchten:

Das Sprachcentrum „GERMANITAS” (= lat. Brüderlichkeit) organisiert wieder den

TANDEMSPRACHKURS DEUTSCH-POLNISCH FÜR LEHRKRÄFTE UND MULTIPLIKATOR/-INNEN DES JUGEND- , SPORT- UND KULTURAUSTAUSCHS IN CIESZYNO DRAWSKIE

Bereits zum sechzehnten Mal veranstaltet GERMANITAS deutsch-polnische Sommersprachkurse im Tandemverfahren. Unsere Zielgruppe sind deutsche und polnische Lehrkräfte und MultiplikatorInnen des Jugend-, Sport- und Kulturaustauschs. Diese Maßnahmen werden vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) unterstützt. In diesem Jahr haben wir uns entschlossen,  auf Grund der guten Erfahrungen aus den Vorjahren erneut Pommern und dort den Ort Cieszyno Drawskie (Gemeinde Złocieniec) auszuwählen. Dies ist eine sehr reizvolle und naturschöne Region in Polens Nordwesten, die zu Kanufahrten und Radtouren einlädt und mit einem reichhaltigen, kulturgeschichtlichen Angebot aufwartet.

TERMIN: 13. Juli – 26. Juli 2019

ORT: Konferenz- und Erholungszentrum „Legnica-Pałac” in Cieszyno Drawskie bei Złocieniec (südöstl. von Stettin, Anschrift: 78-520 Złocieniec, Cieszyno 34)

KURSGEBÜHR: ca. 460 Euro (vorbehaltlich der Förderung durch das DPJW in der gleichen Höhe wie im Vorjahr)

IM PREIS INBEGRIFFEN: 75 Std. (à 45 Min.) bei erfahrenen Sprachdozentinnen, Unterbringung in Zweibettzimmern, VP, Vortrags-, Kultur- und Besichtigungsprogramm

TEILNEHMENDE: max. 25 deutsche und 25 polnische Teilnehmende – engagierte Lehrkräfte oder sonstige Multiplikatoren des Jugend-, Kultur- und Sportaustauschs oder solche, die einen solchen Austausch im Anschluss an den Kurs beabsichtigen, 
6 Lektorinnen aus Polen und Deutschland, Kursleiterinn ist Agnieszka Buk unterstützt von Marta Jakubowicz-Pisarek 

UNTERKUNFT: Schönes Palais inmitten eines Naturparks, gut ausgestattete Doppelzimmer mit Bad, TV, in unmittelbarer Nähe der wunderschöne See Siecino, gemütliche Kellerbar, , Billard und Tischtennis, Tennis- und Volleyballplatz, hauseigener Strand, Bootsverleih, Wander- und Radwege.

ANREISE: : Treffpunkt Bahnhof in Szczecin/Stettin, Bustransfer nach Cieszyno Drawskie.
Über individuelle Anreisemöglichkeiten  wird bei Bedarf zusätzlich informiert. (Liegt ca 120km östlich von Szczecin/Stettin, ca 250km von Berlin entfernt).

KULTUR- UND AUSFLUGSPROGRAMM: Ausflüge in die südwestliche Kaschubei, Wanderungen, Paddeltour (für Nicht-Paddler alternatives Programm), Vorträge zur Kultur , Filme,

SPRACHKURSE IM TANDEMVERFAHREN:

Tandem bedeutet, dass zeitgleich Deutsche Polnisch und Polen Deutsch lernen. Die gemeinsame Unterbringung, gemeinsame Kurseinheiten (jeden Tag gibt es neben dem Gruppenunterricht, 2 Unterrichtseinheiten im Tandemverfahren) sowie die Teilnahme an Workshops (Theater, deutsch-polnischer Chor, Kurszeitung u.a.) tragen dazu bei, dass man noch intensiver und quasi rund um die Uhr miteinander und voneinander lernen kann. Die angenehme Atmosphäre, die Vielfalt der Unterrichtsformen sowie das interessante Kultur- und Ausflugsprogramm haben einen hohen Erholungswert.
Auch das Freizeit- und Kulturprogramm wird gemeinsam absolviert. So werden Sie reichlich Möglichkeiten haben, in der Freizeit Ihre gerade erworbenen Sprachkenntnisse in der Praxis zu erproben.
Für den Unterricht stehen stets Muttersprachlerinnen als Lehrkräfte zur Verfügung, die langjährige Erfahrung in der Vermittlung von Polnisch als Fremdsprache haben. Diese gestalten für drei unterschiedliche Sprachniveaus Polnischunterricht auf abwechs­lungsreiche Art. Für jede Kleingruppe wurde jeweils ein spezielles Programm ausgearbeitet.
Zusätzlich werden Unterrichtseinheiten in Phonetik angeboten, weil dieser Teil des Spracherwerbs in anderen Kursen meist zu kurz kommt.
Filme in Originalsprache (mit oder ohne Untertitel), polnische Lieder, die für bestimmte Kulturtrends in Polen charakteristisch sind, Sprachspiele und viele landeskundliche Informa­tionen runden das Sprachprogramm ab.

ALLGEMEINES:

Vor dem Kurs können Sie sich mit allen Fragen an die Kursleiterin wenden, die Sie gerne über Detaills informiert. Spätester Anmeldetermin ist der
6. Mai 2019. Es wird jedoch empfohlen, möglichst schnell Kontakt mit den Veranstaltern aufzunehmen.

Neben dem Sommersprachkurs für Lehrkräfte und Multiplikator/-innen bieten wir auch das ganze Jahr über  Intensivpolnischkurse (7- bis 14tägige) für andere Berufsgruppen sowie für individuelle Bedürfnisse in Rzeszów (Südostpolen) an. Wir vermitteln  Unterbringung bei Gastfamilien oder im Hotel. Wenn Sie weniger Zeit haben, können Sie Polnisch zu Hause lernen, indem Sie die von uns seit vielen Jahren geführten Sprachkurse per Skype in Anspruch nehmen.

PL-35-074 Rzeszów,
ul. Piłsudskiego 31/319
e-mail: biuro@germanitas.pl
oder marta-pisarek@wp.pl
Homepage: www.germanitas.pl

Verantwortlich für die Organisation und das Programm sind:
Agnieszka Buk, mobil +48 607 222 522, e-mail agnusdei@wp.pl,
Marta Jakubowicz-Pisarek Tel: +48/17 8551 266,
mobil: +48 601 52 4055, e-mail: marta-pisarek@wp.pl.

Polen auf ITB Berlin mit Kulinarik und Sport

Angebote zum Testen, Mitmachen und Gewinnen in Halle 15.1

Mit dem besten Ergebnis in seiner Geschichte präsentiert sich Polen auf der diesjährigen ITB Berlin. Rund 19 Millionen ausländische Touristen bedeuten einen neuen Besucherrekord. Deutschland ist mit Abstand der wichtigste Markt für Polens Touristiker, deshalb hat für sie die Teilnahme an der ITB Berlin einen hohen Stellenwert. In Halle 15.1 präsentieren sich zahlreiche Regionen, Städte, Hotels und Veranstalter aus Polen vom 6. bis 10. März 2019 den Fachbesuchern und dem breiten Publikum.

Polen-Stand auf der ITB Berlin 2018. Foto: Paweł Rosik/Polnisches Fremdenverkehrsamt

Rund 75 Aussteller werben unter dem Dach der Polnischen Tourismusorganisation für ihre Angebote. Zu ihnen gehören wichtige Ferienregionen wie Zachodniopomorskie (Westpommern) oder Warmia-Mazury (Ermland-Masuren), bedeutende Städte wie Warszawa (Warschau) oder Kraków (Krakau), aber auch Kurorte, Hotels, Reiseveranstalter, die Fluglinie LOT sowie Anbieter von medizintouristischen Leistungen. Das polnische Landwirtschaftsministerium will für Ferien auf dem Bauernhof werben.

Optisch präsentiert sich die polnische Halle in einem neuen, frischen Design. Die Wände zieren Aquarelle des jungen polnischen Malers und Architekten Tytus Brzozowski. Er vermischt in seinen farbenfrohen Stadtansichten moderne Gebäude und Objekte aus der Vorkriegszeit mit surrealistischen Elementen. Ein Volleyball-Feld empfängt die Gäste am Eingang zur Halle 15.1. Der Volleyball-Verband des Landes will in Berlin auf die diesjährige Europameisterschaft der Frauen EuroVolley 2019 hinweisen. Polen ist einer der vier Gastgeber des Turniers. Besucher können Tickets für die Spiele gewinnen, die in Polens drittgrößter Stadt Łódź (Lodsch) ausgetragen werden.

Gäste der Messe können Polen in Halle 15.1 nicht nur optisch und akustisch erleben, sondern auch schmecken. Denn viele Aussteller kommen mit Produkten und Gerichten aus ihrer Heimat nach Berlin. So will die Region Dolnośląskie (Niederschlesien) für ihre kulinarischen Routen werben. Krakau präsentiert sich als „Europäische Hauptstadt der gastronomischen Kultur“ des Jahres 2019. Besucher können unter anderem bei Workshops der Königlichen Schokoladenmanufaktur „Wierzynek“ aus Krakau Trüffelfüllungen selbst herstellen und Schokolade dekorieren oder altpolnische Spezialitäten vom Team des bekannten Restaurants Pod Aniołami probieren. Die Region Lubuskie (Lebuser Land) stellt ihre Wein- und Honigroute vor und aus der Hauptstadt Warszawa (Warschau) präsentiert sich das neue Wodka-Museum.

Gesundheits- und Medizintourismus ist seit Jahren ein Wachstumsmarkt für Polen. Viele ausländische Gäste schätzen die gute Qualität der Behandlungen zu vergleichsweise günstigen Preisen. Auf einer Gesundheitsinsel in Halle 15.1 können sich Besucher über die Angebote von polnischen Kurorten sowie von Fachkliniken informieren. Neben Gewinnspielen und einem Workshop zur Herstellung von Naturkosmetik gibt es auch Angebote zur Nutzung von Sauerstoff-Therapien. Am Stand von Bydgoszcz (Bromberg) bietet das dortige Museum für Seifen und die Geschichte des Schmutzes Workshops zur Seifenherstellung an. Präsentieren werden sich auch die polnischen Gewinner des EDEN-Wettbewerbs, mit denen die Europäische Kommission noch unentdeckte Orte mit einer besonderen Atmosphäre oder in einer einzigartigen Landschaft fördert.

Freunde von Miniatureisenbahnen werden am Stand von Niederschlesien auf ihre Kosten kommen, wo ein Modell der Landschaft rund um die legendäre Burgruine Chojnik (Kynast) aufgebaut wird. Spannende Experimente für Groß und Klein rund um das Thema Wasser verspricht das Wissenschaftsmuseum Hydropolis aus Breslau. Vor der Kulisse des Schlosses von Niemodlin (Falkenberg) im Oppelner Land können sich Besucher in höfischen Tänzen, Kaligrafie oder der Dekoration von Lebkuchen üben. Am Stand von Poznań (Posen) gibt es während der Publikumstage unter anderem ein Schnupper-Wochenende zu gewinnen. Am Sonnabend lädt die Filmstadt Łódź zu einem Klavierkonzert ein, bei dem Stücke aus dem Soundtrack des Oskar-prämierten Films „Cold War“ erklingt. Besucher können am Stand von Lodsch auch Selfies mit historischen Filmkostümen machen.

Die ITB Berlin ist vom 6. bis 8. März nur für Fachbesucher geöffnet, am 9. und 10. März auch für das breite Publikum. Mehr Informationen zum Reiseland Polen unter www.polen.travel

Konzert Intern. Messiaen-Tage

In nur wenigen Tagen finden die 3. Internationalen Messiaen-Tage statt. Vielseitige namenhafte Künstler kommen nach Görlitz und Zgorzelec um den Gästen Messiaen´s Musik und Lebensgeschichte, sowie ein weites Spektrum unseres Lebens unter dem Themenfeld „Wurzeln“ zu beleuchten.

Das Festival bietet jedoch viel mehr. Neben zahlreichen Konzerten findet ein historisches Rahmenprogramm mit Frührungen und Vorträgen, sowie die Vernissage von Armin Mueller-Stahl statt.
Das gesamte Programm und weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite https://www.messiaen-tage.eu/

Am südöstlichen Stadtrand der Doppelstadt Görlitz-Zgorzelec liegt ein besonderer historischer Ort, der lange Zeit vergessen war und seit wenigen Jahren wieder ins Bewusstsein gehoben wird: das frühere Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A. 120 000 Kriegsgefangene aus verschiedenen Nationen waren von 1939 – 1945 im Stalag VIII A registriert, geschätzte 12 000 überlebten es nicht. Viele von ihnen waren in Arbeitskommandos eingeteilt und prägten somit entscheidend das Görlitzer Stadtbild mit.

Zum Gedenken aller, die in diesem Lager litten, bangten und hofften, lädt der Meetingpoint Music Messiaen e.V. seit 2008 jährlich zu einem besonderen Konzert ein. Dass Musik nicht trennt, sondern verbindet und über Schmerz und Elend hinweghelfen kann, bewies der französische Komponist Olivier Messiaen, als er während seiner Gefangenschaft im Stalag VIII A sein musikalisches Meisterwerk das „Quartett auf das Ende der Zeit“ komponierte und gemeinsam mit drei Mitgefangenen erstmals am 15. Januar 1941 in der Theaterbaracke des Lagers aufführte. Heute gehört das Quartett zu den bekanntesten und meistgespielten Werken des 20. Jahrhunderts. Der Meetingpoint Music Messiaen e.V. erinnert jedes Jahr am 15. Januar am historischen Ort an dieses besondere Ereignis.

Die jährliche Aufführung dieses Stückes ist für unzählige Menschen aus der Euroregion zu einem inspirierenden und ermutigenden Ritual zum Jahresauftakt geworden. 2017 begann der Verein an diese Tradition anzuknüpfen und gründete aus dem wiederkehrenden Einzelereignis ein mehrtägiges Festival, welches Menschen auf beiden Seiten der Neiße, sowie aus ganz Europa an diesem einzigartigen Ort der (Musik-)Geschichte zusammenbringen will. Internationale Künstler treffen dabei auf Forschende zur jüngeren Geschichte der Region und das Publikum wird eingeladen Zeitgenössische Musik im historischen Ambiente der Grenzstadt, Führungen und Vorträge zu erleben und sich so dem Spannungsfeld Kunst-Krieg zu nähern.

Die Tickets können Sie online über Eventim und in dessen drei Vorverkaufsstellen in Görlitz erwerben.

Falls Sie noch unschlüssig sind, welches Konzert Sie besuchen möchten, empfehlen wir Ihnen herzlichst:

– Sinfonietta Dresden: Sinfoniekonzert „Naturklang-Klangnatur“

– Asambura Ensemble: Kammerkonzert „Fremd bin ich eingezogen“

– Wallis Giunta, Alden Gatt: Liederabend „Souvenirs d’enfance“

 

Mit dem Christenkreuz gegen liberale Demokratie

Vorbereitung für Parlamentswahlen in einem Jahr –
35 Prozent sollen zur Mehrheit reichen –

Jarosław Kaczyński, der Anführer der Nationalkonservativen, darf zu den nüchtern denkenden Politiker gerechnet werden, denn jeder Anfall politischer Romantik ist ihm fremd. Mit der Europäischen Union verbinden ihn kaum noch die sogenannten gemeinsamen Werte – auf die kann er im festen ideologischen Bunde mit Viktor Orbán pfeifen. Gemeinsam wollen die beiden die „christliche Demokratie“ in Europa durchsetzen – was immer die auch bedeuten soll. Die beiden national beseelten „Christdemokraten“ rechnen fest mit einem Ergebnis, mit dem die Waage nach den Wahlen zum Europäischen Parlament im nächsten Jahr zugunsten der eigenen politischen Richtung ausschlagen wird. Dann werde zumindest das Lager der liberalen Demokratie geschwächt, werde der EU-Sozialismus, der aus Brüssel allen anderen aufgedrängt werden soll, in die Defensive gedrückt.
Um nichts dem Zufall zu schenken, wollte Kaczyński vorsorgen. Er ließ die Wahlordnung für die Wahlen zum Europäischen Parlament so zurechtschneidern, dass künftig aus Polen in das EU-Parlament nur noch Vertreter derjenigen Wahllisten einziehen sollten, die mindestens 16 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich ziehen, auch wenn offiziell die Fünf-Prozent-Hürde als hübsches Blendwerk bestehen bliebe. Verhindert hat diesen Husarenstreich Staatspräsident Andrzej Duda, der sein Veto gegen einen Gesetzesvorschlag der Parlamentsmehrheit einlegte, nachdem ihn kleinere Parteien und Gruppierungen darum ersucht hatten. Dennoch bleibt die Kaczyński-Partei in der Vorhand, denn das rechte politische Lager ist fester in der Hand als es noch 2015 der Fall gewesen war. Und umgekehrt wird im liberalen bis linksgerichteten Oppositionslager der Druck wieder abnehmen, mit möglichst wenigen Wahllisten den Stier bei den Hörnern zu packen. Offen bleibt außerdem, ob die Nationalkonservativen nicht doch versuchen werden, die Manipulation an der Wahlordnung für die im Herbst 2019 folgenden Parlamentswahlen zu wiederholen. Bliebe dann das Präsidenten-Veto aus, wäre die Herausforderung für die Opposition umso größer.
Kaczyński geht von einem Wert der Zustimmung aus, der für die eigene Partei fest zwischen 35 und 40 Prozent liegt. Das ist ungefähr der Wert, der im Herbst 2015 bei den letzten Parlamentswahlen erreicht wurde. Die Hoffnung, diesen Wert bis zu den Parlamentswahlen 2019 entscheidend erhöhen zu können, hat er aufgegeben. Zugleich warnt Kaczyński seine Anhängerschaft, dass unter gleichbleibenden Bedingungen dieser Wert nicht mehr ausreichen werde, um die Alleinregierung fortsetzen zu können. Der Ausfall von fast zwölf Prozent der abgegebenen Wählerstimmen, die 2015 für die beiden linksgerichteten Listen abgegeben wurden, ohne dass damit auch nur ein einziges Parlamentsmandat errungen werden konnte, werde sich nicht wiederholen. Da bis auf die stramm rechts marschierende Liste von Paweł Kukiz wohl niemand ins Koalitionsbett mit der Kaczyński-Partei schlüpfen würde, wollen die Nationalkonservativen auch hier vorbeugen.
Ins Spiel gebracht hat Kaczyński für die Parlamentswahlen nun die Idee von 100 Wahlkreisen, aus denen im Schnitt jeweils nur noch fünf Abgeordnete hervorgehen würden, was wiederum den gewünschten Effekt bringen soll: Die kleineren Gruppierungen werden aus dem Spiel genommen, auch wenn offiziell die Fünf-Prozent-Hürde bleibt. Kaczyńskis Argumentation ist hinterhältig, denn er behauptet, so habe der Souverän die bessere Kontrolle über seine Angeordneten, die aus einem territorial eng gezogenen Wahlkreis in überschaubarer Anzahl in den Sejm einziehen. Sollten diese Pläne durchgesetzt werden, hätten in Polen nur noch breiter aufgestellte Wahllisten eine Chance: Auf der einen Seite die der „christlichen Demokratie“, straff angeführt von den Kaczyński-Leuten, zudem geschickt geöffnet ins rechtsradikale, auch antisemitische Spektrum, um hier „einzugemeinden“ oder zu neutralisieren; die andere der liberalen Opposition, die dann aber erst einmal zeigen müsste, wie weit ins linke Spektrum hinein zu binden sie imstande sein wird. Es liegt auf der Hand, dass Kaczyński sich bei einer solch zugespitzten Wahlschlacht die allergrößten Chancen ausrechnet.
Kaczyńskis langfristige Ziel ist die Verfassungsmehrheit von zwei Dritteln der Abgeordnetensitze. Die geltende Verfassung ist ihm ein Dorn im Auge – sie gilt ihm als Ausdruck der abgelehnten liberalen Demokratie, zudem sei sie gegen die Interessen Polens und die seiner Bürger gerichtet, weil kein ausreichender Schutz gegen die liberalen Zumutungen der EU-Mitgliedschaft geboten werde. In den zurückliegenden drei Jahren hat er mittels der Parlamentsmehrheit in Form einzelner Gesetzespakete mehrere Verfassungsgrundsätze de facto ausgehebelt – ungeachtet aller nationalen und auch internationalen Proteste. Im Lande verbreitet er das Märchen, nur so erreiche Polen jenen Platz, der ihm während des Zweiten Weltkriegs und danach streitig gemacht worden sei – durch die Okkupationen, durch den Verrat des Westens und schließlich durch das heimtückische Werk einheimischer Kommunisten. In der eigenen Anhängerschaft wird diese einfache Erzählung geglaubt, die obendrein den Vorzug hat, fast organisch auch rechtsradikale Geschichtsmythen aufnehmen zu können.
Einer der führenden nationalkonservativen Propagandisten brachte es auf den Nenner: Die polnischen Werte seien entscheidend und dürften nicht verwässert werden – weder durch europäische noch durch deutsche Werte. Das werde erst seit 2015 durchgesetzt, so dass sich jetzt zeige, welch angesehener Staat Polen sei und wie respektvoll mit ihm auf der internationalen Bühne inzwischen umgegangen werde.
Welch eigenartige Wege das nationalkonservative Wirken für die polnischen Werte einschlagen kann, zeigt eines der vielen Gesetzesvorhaben, mit denen das Kaczyński-Lager schwanger geht. In einer Neufassung des Familiengesetzes soll das Leben eines Kindes definiert werden ab dem Moment der Befruchtung. Bislang geht die Verfassung in Polen davon aus, das ein Menschenleben mit der Geburt beginnt.

(Dieser Beitrag von Jan Opal, Gniezno, entstammt der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift „POLEN und wir

Jubiläumstournee Mazowsze (Mit Ticketverlosung)

Das 1948 im Auftrag des polnischen Ministeriums für Kultur und Kunst gegründete weltberühmte Staatliche Tanz- und Gesangsensemble „Mazowsze“ gastiert mit Chor, Ballett und Orchester nach zehn Jahren erstmals wieder in Deutschland. Mazowsze präsentiert mit seinem 100 Mitglieder starken Ensemble eine atemberaubende Aufführung dynamischer Tänze aus 42 unterschiedlichen ethnografischen Regionen Polens, dargebracht in farben- und facettenreicher Kostümpracht von hoch professionellen Tänzern und ausgezeichneten Sängern für Soli und Chor; Dirigent ist Jacek Boniecki.

Mazowsze (mit vollem Namen: Państwowy Zespół Ludowy Pieśni i Tańca „Mazowsze“ im. Tadeusza Sygietyńskiego) wurde 30 Jahre nach der 1918 wiedererlangten Unabhängigkeit Polens gegründet. Das Ensemble bewahrt das reiche kulturelle Erbe und die Traditionen des Landes und vereint Lieder und Tänze aus 42 unterschiedlichen ethnografischen Regionen Polens. Eine Vorstellung von Mazowsze ist wie eine Reise durch das Land. Die 100 Künstler sind bestens ausgebildete Sänger, Tänzer und Orchestermusiker. Sie reisen mit 15 Tonnen Gepäck, darunter befinden sich über 1.000 Kostüme. Mit ihrem Können, mit ihren Tänzen voller Perfektion, Artistik und Dynamik, mit ihren großartigen Stimmen und der herausragenden Orchesterbegleitung begeisterte Mazowsze bis heute in über 7.000 Vorstellungen weltweit über 17 Millionen Zuschauer in über 50 Ländern auf fünf Kontinenten. Aufgrund ihrer großen Popularität wird Mazowsze auch als „Botschafter der polnischen Kultur“ bezeichnet. Heute gehört Mazowsze zu den berühmtesten und bekanntesten Tanz- und Gesangsensembles der Welt.

Die Veranstaltungsorte und -Termine sind:

___ 25.10.2018 20 Uhr Iserlohn, Parktheater
___ 26.10.2018 20 Uhr Hamburg, Laeizhalle
___ 27.10.2018 20 Uhr Kiel, Schloss
___ 28.10.2018 17.30h Braunschweig , Stadthalle
Tickets sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen oder über die Tickethotline CTS Eventim: 01806/570070 erhältlich.

VERLOSUNG für die Leser von POLEN und wir

Wir verlosen für das Hamburg-Konzert am 26.10. zwei Karten. Senden Sie uns dazu bitte einfach eine Mail an: mazowsze@polen-und-wir.de mit dem Betreff Mazowsze.
Geben Sie in der Mail ihre Postanschrift und Telefonnummer an.
Einsendeschluss ist der 20. Oktober 2018. Die Tickets gehen Ihnen im Gewinnfall per Post zu. Gerne benachrichtigen wir den Gewinner vorher per Telefon.
Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Ihre Daten werden nur zum Zweck der Verlosungsaktion gespeichert und anschließend gelöscht. Sollten Sie auch künftig Informationen der Zeitschrift POLEN und wir oder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland wünschen, geben Sie bitte in der Mail an: „Bitte weitere Informationen“. In diesem Fall wird die Mailadresse zu diesem Zweck bei uns gespeichert. Sie können Jederzeit die Speicherung wieder löschen lassen. Weitere Informationen dazu auf unserer Datenschutzerklärung.

 

Oberste polnische Richter schalten EuGH ein

Die von der Regierung in Warschau geschassten Richter des Obersten Gerichts haben den Europäischen Gerichtshof eingeschaltet. Sie weigern sich weiterhin, in den Ruhestand zu gehen, wie sie es nach der umstrittenen Justizreform der nationalkonservativen PiS-Regierung müssten. Kommentatoren in polnischen Medien zeigen die Risiken des Konflikts auf.

GAZETA WYBORCZA (PL)

Geht die Regierung bis zum Äußersten?

Die PiS-Regierung sollte sich genau überlegen, wie sie auf eine mögliche Zurechtweisung durch den EuGH reagiert, mahnt der Jurist und Politologe Wojciech Sadurski in Gazeta Wyborcza:

„Auf die Frage, was die polnische Regierung macht, wenn der EuGH den Zweifeln des polnischen Obersten Gerichtes zustimmt, kennen wir heute nicht die Antwort. Sie könnte sich gemäß dem mehrmals geäußerten Versprechen von Premier Mateusz Morawiecki verhalten, dass Polen die Urteile des EuGh respektieren wird. … Doch würde sie den Grundsatz des Vorrangs des europäischen Rechts aufkündigen, würde sie damit eine der Regeln unserer Mitgliedschaft in der EU infrage stellen. Polen bekäme dann den Status des Bösewichts in der EU und der EU-Austritt Polens würde zu einem ziemlich realistischen Szenario.“

Wojciech Sadurski

 

RZECZPOSPOLITA (PL)

Letzte Sicherungen werden entfernt

Die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita stellt sich auf die Seite der Richter:

„Die PiS kämpft um die Demontage des derzeitigen Justizsystems – die letzte Bastion, die ihre Allmacht im Staat beschränkt. Opposition und Richter kämpfen darum, dass es Sicherungen in unserem politischen System gibt, die es nicht ermöglichen, dass die Demokratie in einen mehr oder weniger getarnten Autoritarismus umgewandelt wird. Vielleicht will die PiS nicht die Demokratie abschaffen – aber sie tut alles, um die Werkzeuge in den Händen zu halten, die ihr dies ermöglichen. Und schon das ist ein riesiges Risiko.“

Denkmalabriss geplant

Restauriertes sowjetisches Denkmal in polnischer Stadt Mikolin. Foto: Maciej Stępień

FIR sieht mit Sorge den geplanten Abriss von 75 Denkmälern zu Ehren der sowjetischen Befreier in Polen

Vor wenigen Tagen hat das polnische „Institut für das Nationale Gedächtnis“ eine Liste von 75 sowjetischen Denkmälern vorbereitet, deren Abriss empfohlen wird. Begründet wird diese Schändung der Erinnerung damit, dass sich diese Denkmäler nicht auf Friedhöfen befinden.
Die offizielle Begründung lautet: „Die polnische Seite ist der Ansicht, dass die Auslegung des Abkommens nur den bilateralen Schutz von Friedhöfen und Begräbnisstellen betrifft. Dieser Auslegung nach fallen symbolische Denkmäler, und zwar die Denkmäler für Dankbarkeit gegenüber der Roten Armee, die nicht Teil der Militärfriedhofe und Gedenkstätten sind, nicht in den Geltungsbereich des Vertrages (zum Schutz der Denkmäler).“

Die Fédération International des Résistants (FIR)  hält dieses Vorgehen staatlicher polnischer Institutionen gegen sowjetische Kriegsdenkmäler für rechtswidrig und historisch unmoralisch. Es verleugnet die Tatsache, dass mehr als eine halbe Millionen Soldaten und Offiziere der Roten Armee bei der Befreiung Polens ihr Leben eingesetzt haben.

In einem gemeinsamen Schreiben der FIR und des Russischen Komitees der Veteranen vom Mai 2018 an die polnischen Veteranenverbände und die polnische Öffentlichkeit wird daran erinnert: „Die sowjetischen Soldaten kamen nicht von sich aus in das Land Polen. Ihr Vormarsch wurde während des Krieges mit der polnischen Regierung vereinbart, die sich in London befand. Als die sowjetischen Soldaten die Befreiung brachten, taten sie es auch für das polnische Volk.“
Daraus ergibt sich die Aufforderung: „Wir sollten nicht die Denkmäler für die sowjetischen Soldaten, die Befreier bekämpfen, sondern in einer zivilisierten demokratischen Weise in die Zukunft schreiten.“

In diesem Sinne begrüßt die FIR auch den Vorschlag des russischen Föderationsrates, den Sieg über den Nationalsozialismus als Welterbe der Menschheit anzuerkennen. Damit wären auch die Denkmäler für die Kämpfer gegen den Nationalsozialismus in allen Ländern der Welt als internationales Monument des Zweiten Weltkriegs geschützt.

 

Informationen zur FIR:  www.fir.at

Tagung: Aufbruch in die Moderne

Einladung zur Tagung aus Anlass des 100. Jahrestages des Endes des I. Weltkrieges
Aufbruch in die Moderne
Die Bedeutung des Ersten Weltkriegs für die Neugestaltung der internationalen Staatenwelt

Termin: Sonnabend, den 13. und Sonntag, den 14. Oktober 2018
Ort: Seminarzentrum der Freien Universität Berlin, Otto-von-Simson-Str. 26, 14195 Berlin, Raum L 115

Veranstalter: Prof. Dr. Christoph Koch
in Zusammenarbeit mit der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft Potsdam e.V.
und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland e.V.
Konferenzleitung: Prof. Dr. Christoph Koch, Freie Universität Berlin

Vorläufiges Programm:

Sonnabend, 13. Oktober 2018
9.00 Eröffnung der Tagung, Grußworte

Sitzungsleitung: Prof. Dr. Christoph Koch
10.00 Prof. Dr. Nikolaj I. Cimbaev (Moskovskij gosudarstvennyj universitet)
Die Oktoberrevolution – Beginn einer neuen Weltordnung?

11.00 Kaffeepause

11.30 Prof. Dr. Zijad Šehić (Universität Sarajevo)
Der Einfluß des Ausgangs des Ersten Weltkrieges auf die ideologischen Konstruktionen der bosnisch-
herzegowinischen Gesellschaft im jugoslawischen staatsrechtlichen Rahmen (1918-1992)

12.30 Mittagspause

Sitzungsleitung: Kilian Kindelberger (BBAG e.V.)
13.45 Prof. Dr. Mustafa Aksakal (Georgetown University)
Wie glücklich, ein Osmane zu sein? Das Osmanische Reich vor und nach dem Ersten Weltkrieg

14.45 Prof. Dr. Annika Mombauer (Open University Milton Keynes)
Der Erste Weltkrieg und Großbritannien: ein `großer Krieg’ mit großen Folgen

15.45 Kaffeepause

Sitzungsleitung: Prof. Dr. Nikolaj I. Cimbaev
16.15 Prof. Dr. Isabelle Davion (Paris Sorbonne)
La France et la „paix de victoire“ de 1918: la démocratie comme garante de l‘Europe

17.15 Iskander Ė. Magadeev, Kandidat istoričeskix nauk
(Moskovskij gosudarstvennyj institut meždunarodnyx otnošenij)
The International situation in 1918 seen by the bolsheviks: short and long perspective.
(Die Internationale Situation 1918 in den Augen der Bolschewiki. Kurz- und langfristige Perspektiven).

19.30 Abendveranstaltung (Ort und Inhalt werden noch bekanntgegeben).

Sonntag, 14, Oktober 2018

Sitzungsleitung: Prof. Dr. Isabelle Davion
9.00 Prof. Dr. Adam Tooze (Columbia University)
Der erste Weltkrieg und die krisenhafte Neugestaltung des Amerikanischen Staates
als internationaler Akteur

10.00 Ignaz Miller (Darwel-Miller-Wyss AG, Zürich)
Nicht die besten, aber die bestmöglichen Friedensverträge von Versailles und Trianon
und ihre organisierte Denigrierung

11.00 Kaffeepause

11.30 Prof. Dr. Jürgen Tampke (ehem. School of History, University of New South Wales)
Der erste Weltkrieg und sein nichtkarthagisches Ende. Vom Scheitern der Weimarer Republik

12.30 Mittagspause

Sitzungsleitung: Prof. Dr. Annika Mombauer
13.30 Krzysztof Pilawski (Journalist, Warschau)
Unterbrochene Geschichte. Negation der Negation als Grundlage polnischer Geschichtspolitik

14.30 Dr. Holger Michael (ehem. Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin)
Die außenpolitische Konzeption des Piłsudski-Lagers – Anspruch, Realisierung, Bilanz

15.30 Kaffeepause

16.00 Prof. Dr. sc. Werner Röhr (Edition Organon, Berlin)
Von Versailles nach Morges. Das Ende des Ersten Weltkriegs und die Wiedergeburt des polnischen
Staates – Chancen, Widersprüche und Ergebnisse einer Entwicklung

17.00 Prof. Dr. Ludwig Elm (Universität Jena)
Die deutsche Geschichtswissenschaft 1920 über den Ausgang des Krieges
und den europäischen Neubeginn

18.00 Schlußwort

Teilnahmebeitrag: 20 EUR (ermäßigt 12 EUR) – zu zahlen an der Tageskasse
Verbindliche Anmeldung per E-mail über tagungsbuero@polen-und-wir.de oder info@bbag-ev.de
in Ausnahmefällen per Fax (an Karl Forster, DPG-BRD): 030-56296097 oder an BBAG: 0331-2708690
jeweils unter Angabe von Name, Anschrift, Telefonnummer, e-mail-adresse.
Mit der Anmeldung bestätigen Sie Ihr Einverständnis, dass die Angaben zum Zweck von Einladung, Information über Veränderung, Abrechnung etc. gespeichert werden. Eine Weitergabe der Adressen an Fremde, die nicht mit Organisation und Abrechnung der Tagung befasst sind, erfolgt nicht. Die Zustimmung zur Speicherung kann widerrufen werden.
Aktuelle Änderungen, Informationen etc. finden Sie jeweils auf der Internetseite:
www.polen-und-wir.de

(Das Seminar ist zur Förderung bei der Bundeszentrale für politische Bildung eingereicht)

Erklärung der Botschafter-Konferenz

Ende Mai 2018 traf sich in Warschau eine Gruppe ehemaliger polnischer Botschafter, um sich mit der aktuellen Außenpolitik ihres Landes zu befassen. Dabei entstand folgende Erklärung, die am 31. Mai 2018 veröffentlicht wurde. Wir veröffentlichen das Dokument am Ende dieses Beitrags als Faximile im polnischen Original und hier in einer nicht authorisierten Übersetzung unserer Redaktion.

Wir riefen eine Botschafterkonferenz der Republik Polens ein, eine Versammlung ehemaliger Botschafter der Republik Polens, deren Ziel es war, die Außenpolitik zu analysieren, auf die Gefahren für Polen hinzuweisen und Empfehlungen auszusprechen. Wir wollen damit eine breite Öffentlichkeit erreichen. Es verbindet uns die gemeinsame Arbeit und die Erfahrung bei der Ausgestaltung der Position Polens als ein moderner Staat in Europa und bedeutendes Mitglied der Transatlantischen Gemeinschaft ist. Wir sind überzeugt, dass die Außenpolitik ein Ausdruck der Interessen eines Staates sein muss und nicht der Interessen einer regierenden Partei.

Warschau, den 31. Mai 2018

 Die Verletzung der Rechtsstaatlichkeit schwächt
die Position Polens in der Welt

Position der Botschafterkonferenz der Republik Polens

  1. Die Europäische Union, deren Mitglied Polen ist, ist eine besondere internationale Organisation, die sich nicht nur mit den politischen Beziehungen zwischen den Staaten widmet, sondern auch viele Bereiche des Lebens, die für die Bürger und Wirtschaftssubjekte bedeutend sind, reguliert. Grundlage für die gemeinschaftliche Zusammenarbeit und ihre Effektivität ist das demokratische Fundament eines/als Rechtsstaates (Beachtung der Dreiteilung der Macht, Unabhängigkeit der Gerichte, Legalität des staatlichen Handelns, Rechtssicherheit).
  2. Die Tätigkeit der aktuellen Regierung, die die Grundlagen eines Rechtsstaates bricht, Xenophobie und Antisemitismus hervorruft, führt zur Untergrabung der demokratischen Struktur des Staates. Sie führt ebenso zu schädlichen Folgen für den Status, die Glaubwürdigkeit und die Position Polens in der Welt, hauptsächlich in den Beziehungen mit den wichtigsten Partnern. Sie berührt die Qualität der Mitgliedschaft in der NATO und der Europäischen Union. Polen verliert an Glaubwürdigkeit und Einfluss auf wichtige Entscheidungen in der internationalen Arena. Die Kosten für diese Politik werden deutlich und schmerzlich sein: wir fühlen sie bei der Aufteilung der Budgetmittel der EU für die Jahre 20121-2027.
  3. Der Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit hat für die Europäische Union rechtlich bindenden Charakter. Die Gemeinschaftsverträge stehen als Garant für die Beachtung dieses Grundsatzes. Seine Verletzung hat nicht nur politische Konsequenzen, sondern ebenso für die Bürger und Wirtschaftssubjekte. Außer den Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof gehört zu den bekanntesten Prozeduren die Anwendung des Artikels 7 des Vertrages über die Europäische Union (TUE), die als erster, politischer Schritt gegenüber Polen zur Anwendung gekommen ist. Diese Prozedur ist nicht darauf ausgerichtet, ein Mitgliedsstaat zu bestrafen. Ihr Ziel ist seine Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit. Der Weg dorthin führt über den Dialog. Die Empfehlungen, die gegenüber Polen durch die Europäische Kommission formuliert wurden, sind die Konsequenzen der Verletzung der Rechtsstaatlichkeit und nicht Ausdruck einer internationalen Verschwörung. Die Umsetzung dieser Empfehlungen ist eine notwendige Bedingung für Polen, wenn es seinen ihm gebührenden Platz in der internationalen demokratischen Gemeinschaft behalten will.
  1. Unabhängig von der Prozedur nach Art. 7 TUE kann die Europäische Kommission – im Falle der Verletzung des Unionsrechts durch einen Staat – Klage vor dem Europäischen Gerichtshof erheben. Die Möglichkeiten dafür sind zahlreich. In einigen Fällen haben die Urteile des Gerichtshofes allerdings eine besondere Bedeutung, nämlich dann, wenn sie die Grundlagen des Rechtsstaates verletzt sehen. So geschah es z. B. mit dem Urteil vom 6. November 2012, mit dem der Gerichtshof feststellte, dass das ungarische Gesetz, mit dem die Richterschaft kollektiv in Rente geschickt wurde, gegen das Verbot der Diskriminierung aufgrund des Alters verstieß. Zu dieser Art Urteile gehört ebenfalls der Richterspruch vom 17. April 2018, das feststellte, die Abholzung der Bäume im Biłowieska-Urwald verletze bindendes Recht der UE, dass auch für Polen gilt.
  1. Die Europäische Kommission kann dementsprechend Klage vor dem Europäischen Gerichtshof wegen der Verabschiedung der Gesetze zur Gerichtsbarkeit durch das derzeitige polnische Parlament erheben, darunter gegen das Gesetz zum Obersten Gericht. Sie kann darüber hinaus beantragen, die Anwendung des Gesetzes bis zur Zeit eines Urteils durch den Gerichtshof durch eine einstweilige Verfügung verbieten zu lassen. Das ist von besonderer Bedeutung, weil durch die Neubesetzungen beim Obersten Gericht der Prozess der politischen Übernahme der Gerichtsbarkeit zu Ende gebracht wird. Das wird gleichzeitig das Ende der unabhängigen Gerichtsbarkeit in Polen sein. Wegen der Übernahme des Verfassungsgerichtes wird es schwierig sein, diese auf der Grundlage des aktuellen Systems in Polen wiederzuerlangen.

____

Die jetzige Regierung macht aus Polen einen schwachen, isolierten und einsamen Staat. Die Errungenschaften der Außenpolitik des unabhängigen Polen werden verschleudert und zunichtegemacht. Das geschieht in einer Zeit, in der die Europäische Union tiefgreifende Reformen durchführt sowie in den internationalen Beziehungen die Spannungen wachsen.

Grundlegende Entscheidungen über das Schicksal Polens fällen die Wähler. Maßnahmen internationaler Organisationen können das nicht ersetzen. So kann der Standpunkt der EU-Institutionen gegenüber den Maßnahmen der polnischen Regierungen ausschließlich zur Rückkehr Polens zur Rechtsstaatlichkeit führen.

Unterzeichner:

Jan Barcz

Andrzej Jaroszyński

Jerzy Maria Nowak

Marcin Bosacki

Maciej Klimczak

Piotr Nowina-Konopka

Iwo Byczewski

Tomasz Knothe

Agnieszka Magdziak-Miszewska

Maria Krzysztof Byrski

Maciej Kozłowski

Piotr Ogrodziński

Mieczysław Cieniuch

Jerzy Kranz

Katarzyna Pełczyńska-Nałęcz

Tadeusz Diem

Henryk Lipszyc

Ryszard Schnepf

Paweł Dobrowolski

Bogumił Luft

Katarzyna Skórzyńska

Grzegorz Dziemidowicz

Piotr Łukasiewicz

Tadeusz Szumowski

Urszula Gacek

Jacek Najder

Maria Wodzyńska-Walicka

Marek Grela

Anna Niewiadomska

Maciej Koźmiński