Author Archives: Karl Forster

About Karl Forster

Redaktionsleiter

Alojsy Twardecki gestorben

Alojzy Twardecki, cala Polska, 01.10.2016 - nekrologIn der am 1.10.2016 erschienenen Ausgabe von POLEN und wir veröffentlichten wir einen weiteren Artikel über den „Mann mit den drei Namen“, Alojsy Twardecki. Wenige Tage zuvor, am 27. September, im Alter von 78 Jahren verstorben.

Alojsy Twardecki (um 1980)

Alojsy Twardecki (um 1980)

 

 

 

 

 

 

Die Geschichte von Twardecki wird im Buch „Die Schule der Janitscharen“ (übersetzt von Prof. Christoph Koch) geschildert. Alojzy Twardeckis Schule der Janitscharen ist das bislang einzige
Buch, das aus dem Munde eines Betroffenen in der Rückschau des jungen Erwachsenen über das Schicksal Tausender von Kindern aus den von Deutschland im Zweiten Weltkrieg eroberten
Ländern berichtet.

51p0oisngflDiese Kinder wurden, da blond und blauäugig, im Rahmen des nationalsozialistischen Programms der «Rettung deutschen Blutes» der «Eindeutschung» für würdig befunden, ihren Eltern gewaltsam fortgenommen, in Kinderheimen einer Umerziehung zur Auslöschung ihrer tatsächlichen Identität unterzogen und endlich mit deutschem Namen, deutschem Lebenslauf und nationalsozialistischem Bewußtsein im «Reich» in Pflege durch systemkonforme Familien gegeben. Der Hauptteil des Buches berichtet über die jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen der leiblichen Mutter und der Adoptivfamilie, zwischen den polnischen und deutschen Behörden um den Besitz des glücklich wiedergefundenen Kindes, das sich endlich bei einem Besuch der polnischen Mutter für den Verbleib in Polen entschied.
Das Buch zeichnet ein eindringliches Bild der im Schatten des Dritten Reiches entstehenden westdeutschen Nachkriegsrepublik und der deutsch-polnischen Beziehungen im Zeichen des fortschreitenden Kalten Krieges. Ebenso eindringlich ist das Bild des bleibenden Niederschlags
dieser Verwerfungen in der Psyche des Kindes, das die Kluft zwischen seiner deutschen und
seiner polnischen Identität im späteren Leben nie gänzlich zu schließen vermochte. Das Vorwort
des Buches gibt einen Überblick über die Behandlung des Themas der nationalsozialistischen
Eindeutschungspolitik in Wissenschaft und gesellschaftlichem Bewußtsein auf beiden Seiten der
deutsch-polnischen Grenze.

 

Wir sind Juden aus Breslau

Aktuell: Ein sicher interessanter Film, zu dessen Premiere trotz rechtzeitiger Kontakte die Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland und die Zeitschrift „POLEN und wir“ keine Einladung erhält. Wir können deshalb auch nicht eigenständig darüber berichten. (4.11.16)

face-carte-postal-a6-alemandSie waren jung, blickten erwartungsfroh in die Zukunft, fühlten sich in Breslau, der Stadt mit der damals in Deutschland drittgrößten jüdischen Gemeinde, beheimatet. Dann kam Hitler an die Macht. Ab diesem Zeitpunkt verbindet diese Heranwachsenden das gemeinsame Schicksal der Verfolgung durch Nazi-Deutschland als Juden: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Der Heimat endgültig beraubt, entkamen sie in alle rettenden Himmelsrichtungen und bauten sich in den USA, England, Frankreich, und auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige haben bei der Gründung und dem Aufbau Israels wesentlich mitgewirkt.

14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Films, der am 6.11.16, 17 Uhr, im Kino Nowe Horyzonty, Wrocław, seine Weltpremiere hat (Deutschlandpremiere 12.11.16, 16 Uhr, Filmfestival Cottbus, ab 13.11. auch in Berlin zu sehen). Sie erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau. Ihre späteren Erfahrungen veranschaulichen eindrücklich ein facettenreiches Generationenporträt. Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich, reisen ins heutige Wrocław, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen. Gerade in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus schlägt der Film eine emotionale Brücke von der Vergangenheit in eine von uns allen verantwortlich zu gestaltende Zukunft.

Eine Rolle im Film spielt auch der Wiederaufbau einer jüdischen Gemeinde in Wrocław. Diese Einbindung macht die Fallhöhe deutlich, der Kontrast zum Vergangenen, zum unwiderruflich Verlorenen, wird schmerzhaft größer und deutet doch die Möglichkeit eines zarten Neubeginns an.

Der Film entstand in Kooperation mit der Bente-Kahan-Stiftung in Wrocław unter der Schirmherrschaft von Rafał Dutkiewicz, Stadtpräsident von Wrocław, und Władysław Bartoszewski,Bevollmächtigter des Premierministers in Angelegenheiten des Internationalen Dialogs (posthum).

 

Vote Berlin

NAMB2_Wahlinfokampagne_Pressemitteilung_BildEU-BÜRGER UND BÜRGERINNEN WÄHLEN FÜR BERLIN

Informationskampagne „VOTE BERLIN“ von Minor und Berliner Landeszentrale für politische Bildung

 

Am 18.9.2016 finden in Berlin die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) der zwölf Berliner Bezirke statt. Für die Wahl zu der BVV haben auch alle EU-Bürgerinnen und -Bürger, die ordentlich zum 18.06.2016 in Berlin angemeldet und mindestens 16 Jahre alt sind, das Recht, ihre Stimme abzugeben.

Insgesamt sind rund 227.000 ausländische Unionsbürgerinnen und -bürger berechtigt, an den Wahlen der BVV in Berlin teilzunehmen. Dies sind fast 90.000 Personen mehr als im Jahr 2011.

 

Viele EU-Bürger und Bürgerinnen wissen dennoch nicht von ihrem Wahlrecht oder nehmen es nicht wahr. Daher führt der Verein Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung in Zusammenarbeit mit der Berliner Landeszentrale für politische Bildung und den Bezirksämtern Mitte und Neukölln eine Wahlinformationskampagne vor den BVV-Wahlen durch, um die in Berlin lebenden EU-Communities über ihr Wahlrecht zu informieren.

 

Neben einer Informations-Webseite in sechs Sprachen (Polnisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Deutsch, Englisch) https://voteberlin.eu/  finden auch Info-Events in zwei Berliner Bezirken mit einer besonders großen Anzahl an europäischen Einwohnern und Einwohnerinnen statt.

 

Auf den Veranstaltungen wird es Inputs mit Informationen zur Funktionsweise der BVV und der Wahl. Außerdem werden Vertreter und Vertreterinnen verschiedener Parteien von ihren Projekten in der BVV berichten. Dabei wird auch Zeit für Fragen aus dem Publikum geben. Die Events finden auf Englisch / auf Deutsch mit englischer Verdolmetschung statt.

 

Im Anschluss werden ein Buffet sowie in Mitte ein Konzert und in Neukölln eine Turmbesteigung angeboten.

 

BEZIRK NEUKÖLLN

Wann? 8.9.2016, 18:00-ca.20:00 Uhr

Wo? Rathaus Neukölln (Karl-Marx-Straße 83, 2.Etage)

Mehr Informationen? https://www.facebook.com/events/1944186389141562/

 

BEZIRK MITTE

Wann? 13.9.2016, 18:00-ca.20:00 Uhr

Wo? Alte Kantine Wedding (Uferstr.8-11)

Mehr Informationen? https://www.facebook.com/events/658577444309102/

 

Anmeldungen sind nicht erforderlich und alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

 

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: info@voteberlin.eu

Antisemitische Parolen beim Nazi-Marsch

marsch

Plakat zu dem Neonazi-Aufmarsch. Foto: KonTakT-Press

Plakat zu dem Neonazi-Aufmarsch. Foto: KonTakT-Press

Die National-Radikale Bewegung (ONR) veranstaltete am 1. August in Warschau zum fünften Mal einen Aufmarsch zum Jahrestag des Warschauer Aufstandes. Ein Vertreter der Organisation hat sich dazu nach Angaben der Tageszeitung Gazeta Wyborcza mit antisemitischer Propaganda geäußert: “Einige Promi-Idioten stellen Jahr für Jahr den Sinn des Aufstandes in Frage, damit versuchen sie die heldenhaften Taten von großen Polen zu mindern. Wäre es ein Jahrestag des Aufstandes im Ghetto gewesen, würden die Medien über das jüdische Heldentum schreien. Ich kenne viele (polnische) Helden, die nicht mal ihre Medikamente oder Miete bezahlen können. Und trotzdem… aus dem Geld, das sie mit Mühe erspart haben, werden die Renten an Juden ausgezahlt, die nicht unbedingt in Polen wohnen müssen.”

Veteranen bleiben Treffen fern

Fünf Veteranen des Warschauer Aufstandes haben am 30.7.2016 in einen Brief an den polnischen Präsidenten Andrzej Duda die Teilname am Treffen anlässlich des Jahrestages des Warschauer Aufstandes mit ihn abgesagt. Als Begründung wurde die umstrittene Entscheidung über Änderung des Appells angegeben. In diesem Jahr sollte bei den Feierlichkeiten zum Jahrestag des Aufstandes nicht nur an die Veteranen des 2. Weltkrieges, sondern auch an die Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolensk in 2010 gedacht werden.

Der Brief wurde unterzeichnet von: Anna Jakubowska „Paul“, Wojciech Świątkowski „Korczak“ Wanda Traczyk-Stawska „Bud“ Krystyna Zachwatowicz-Wajda „Zeisig“ und Andrew Wiczyński „Antek“.

Perle an der Ostsee – Miedzyzdroje

Międzyzdroje ist ein vor allem von polnischen Badegästen beliebter Ferienort. Sein 25jähriges Jubiläum feiert das Hotel Amber Baltic der österreichischen Hotelgruppe Vienna House. Foto: Forster

Międzyzdroje ist ein vor allem von polnischen Badegästen beliebter Ferienort. Sein 25jähriges Jubiläum feiert das Hotel Amber Baltic der österreichischen Hotelgruppe Vienna House. Foto: Forster

Die polnische Antwort auf St. Peter Ording

Międzyzdroje auf Wolin

Von Karl Forster
Für Besucher aus dem Raum Berlin und Ostdeutschland war lange Zeit die Insel Usedom das beliebte und schnell erreichbare Ziel für Kurzurlaube an der Ostsee. Doch längst haben sich die polnischen Küstenorte eine ernst zu nehmende Konkurrenz entwickelt. Zwar ist hier von der berühmten Bäderarchitektur nicht mehr so viel übrig geblieben. Doch gerade die Insel Wolin, quasi die Schwester von Usedom, zeigt, wie erholsam, interessant und gleichzeitig preiswert ein Urlaub an der Küste sein kann. Zwar bevozugen deutsche Gäste noch immer das etwas weiter östlich liegende Kolobrzeg (Kolberg), das vor allem als Kurbad mit vielen Kliniken bekannt wurde und zu dem aus Berlin viele Reiseveranstalter mit Bussen anreisen. Doch das auf Wolin liegende Międzyzdroje (Misdroy) hat etwas weniger Rummel an der Strandpromenade, ist kleiner, verfügt aber über gute Hotels und Pensionen.
Im Sommer ist der Ort jedoch gut gebucht. Międzyzdroje gilt nämlich als die polnische Antwort auf Sylt und St.Peter-Ording. Jedes Jahr im Juli findet hier das „Festival der Stars“, ein Filmfestival, mit Filmvorführungen, Kunstausstellungen und Theaterdarbietungen statt.

_DSC0055Und natürlich hat der Ort auch einen „Walk of Fame“, wo polnische Stars von Film und Theater ihre Handabdrücke in der Strandpromenade gleich neben dem Hotel Aber Baltic hinterlassen haben. Das Hotel mit der Frühstücksterrasse direkt über dem Strand feiert übrigens dieses Jahr 25jähriges Jubiläum. Ein Alter, das man dem komfortablen Haus der österreichischen Gruppe Vienna House nicht ansieht.

Der "Walk of Fame" wird rege besucht, auch von polnischen Schülergruppen.

Der „Walk of Fame“ wird rege besucht, auch von polnischen Schülergruppen.

 

Hotel Amber Baltic ViennaHouse feiert im Juli 2016 sein 25jähriges Bestehen. Doch das merkt man dem gur geführten Hotel nicht an.

Hotel Amber Baltic ViennaHouse feiert im Juli 2016 sein 25jähriges Bestehen. Doch das merkt man dem gur geführten Hotel nicht an.

Erfolgsbilanz nach 25 Jahren: Deutsch-Polnischem Jugendwerk geht die Arbeit nicht aus

Diese Zahlen sprechen für sich: 2,7 Millionen Jugendliche aus Deutschland und Polen haben sich durch die Arbeit des Deutsch-Polnischen Jugendwerks (DPJW) in den vergangenen 25 Jahren kennengelernt. Das sind mehr als 70.000 Jugendbegegnungen, die das Jugendwerk seit seiner Gründung 1991 unterstützt hat. Doch hinter diesen Zahlen stecken ganz persönliche Begegnungen, Erlebnisse, die die Jugendlichen beider Länder miteinander teilen und Freundschaften, die über die Jahre gewachsen sind.
2016 wieder Warteliste
Die vorhandenen Mittel in Höhe von rund 9,2 Mio. Euro reichen schon seit Jahren nicht aus, um alle beantragten Projekte ausreichend zu fördern. So wird auch 2016 wieder ein Jahr werden, in dem das Jugendwerk eine Warteliste für Projektanträge einrichten muss. Jährlich fördert das DPJW rund 3000 deutsch-polnische Projekte – vom klassischen Schulaustausch, über Treffen von Sportvereinen und Pfadfindergruppen bishin zu gemeinsamen Chor- oder Orchesterprojekten. „Im Jubiläumsjahr wollen wir zeigen, was Jugendliche gemeinsam bewegen können“, sagt DPJW-Geschäftsführer Stephan Erb. Rund 80 Projekte machen mit bei der DPJW-Kampagne „#2gether4more“ und planen während ihres Austausches eine gemeinnützige Aktion, die sie vor Ort umsetzen. Das kann eine Art Tanz-Flashmob sein oder eine Aufräumaktion auf einem Sportplatz. Was sie genau auf die Beine stellen, lässt sich im Internet unter http://2gether4more.dpjw.org/ anschauen.
Wichtiger Pfeiler der Nachbarschaft
Für das Land Brandenburg ist nach Worten von Staatssekretär Thomas Kralinski, Beauftragter für Internationale Beziehungen, der Jugendaustausch ein wichtiger Pfeiler zum Ausbau der Beziehungen mit Polen. In keinem anderen Bundesland würden mehr deutsch-polnische Jugendbegegnungen beim DPJW beantragt. „Das Jugendwerk ist deshalb für Brandenburg eine Schlüsselinstitution und aus den deutsch-polnischen Beziehungen nicht mehr wegzudenken. Wenn es das Jugendwerk nicht gäbe, müsste man es heute erfinden: Denn es gibt keinen Automatismus für immer bessere und engere Beziehungen. Vielmehr muss sich jede Generation erneut füreinander interessieren und sich begegnen, um gemeinsam Verantwortung für ihre Zukunft zu übernehmen. Das DPJW fördert hier die passenden Formate. Zumindest für die deutsche Seite kann man sagen: Unsere Jugendlichen lernen Polen als modernes und interessantes Land kennen. Dabei wird manches noch existierendes Vorurteil durch eigene Anschauung widerlegt.“ In diesem Zusammenhang nannte Kralinski auch die trilateralen Projekte des Jugendwerkes mit der Ukraine.
Jugend als Maßstab
Für Bildungs- und Jugendminister Günter Baaske ist das DPJW ein „Grundelement zur langfristigen – und damit auch generationenübergreifenden – freundschaftlichen Verbindung von Brandenburg mit Polen“. Dabei würden die benachbarten Wojewodschaften naturgemäß eine besondere Rolle spielen.“ Baaske: „Durch aktuelle Verstimmungen, wie die unterschiedlichen Positionen in Flüchtlingsfragen, lassen wir uns von diesem Weg nicht abbringen. Wir brauchen einander – und das sollte unsere Wegschnur sein. Die Jugend ist dafür der Maßstab.“
Die zahlreichen Schüler- und Jugendbegegnungen sind für Baaske ein wichtiges Instrument, zum gegenseitigen Kennenlernen der jungen Generation beider Länder. Das DPJW unterstützt die Begegnungen mit Reisekosten- und Programmkostenzuschüssen, wofür sich Baaske ausdrücklich beim DPJW-Geschäftsführer Stephan Erb bedankt. Die Verbindung zwischen Jugendlichen beider Länder stärkt auch der seit 2011 bestehende Deutsch-Polnische Tag. Dabei werden Schulen animiert und unterstützt, Projekte mit Bezug zum Nachbarland zu starten.
Brandenburg fördert Fahrten zu Gedenkorten
In diesem Jahr unterstützt das Bildungsministerium mit 100.000 Euro Schulfahrten in Verbindung mit dem Besuch von Gedenkorten in Polen. Bisher haben sich dafür rund 600 Schülerinnen und Schüler von 13 Schulen angemeldet. Hauptziel als Gedenkort ist das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.
Die Verbindung zwischen den Ländern kann aber auch die Beschäftigung von Lehrkräften aus Polen an Brandenburger Schulen stärken. Baaske: „Die derzeit etwa 50 Lehrkräfte aus Polen vermitteln den Kindern und Jugendlichen täglich nicht nur Wissen in vielen Fächern, sondern auch Kultur von unserem direkten Nachbarn. Dieser direkte Kontakt lässt Grenzen auch im Herz und Kopf verschwinden.“ Zugleich lernen fast 2.500 Schülerinnen und Schüler Polnisch an Brandenburger Schulen.
Am Anfang war Exotik
Ging es in den Anfangsjahren nach der DPJW-Gründung noch um ein vorsichtiges Entdecken bis dahin weitgehend unbekannter Welten, ist der deutsch-polnische Jugendaustausch nach 25 Jahren für Tausende von Vereinen, Kulturgruppen und Schulen zum festen Bestandteil im jährlichen Veranstaltungs- und Projektekalender geworden. Wenn sich heute die Jugendlichen treffen, beschäftigen sie sich zunehmend mit Themen, die sie direkt betreffen – wie Fragen der Berufsorientierung oder der nachhaltigen Entwicklung. Das Jugendwerk unterstützt diese Entwicklung gezielt, indem es regelmäßig neue Themenschwerpunkte auslobt und praxisnahe Fortbildungen und Publikationen für Organisatoren anbietet.
Neue Akzente in der Arbeit
In der Arbeit des Jugendwerks haben sich die Akzente in den vergangenen Jahren verschoben. „Wir wollen verstärkt Jugendliche für deutsch-polnischen Austausch gewinnen, die bisher unterrepräsentiert waren“, betont Geschäftsführer Stephan Erb. Mit Themen wie Berufsorientierung, einem Straßenfußball-Turnier zur EM oder einem Modellprojekt zur Kooperation von Bildungsstätten und Förderschulen sind schon erfolgreiche Anfänge gemacht. Rund 6 Prozent der geförderten jährlichen Austauschprojekte sind aus dem Bereich berufliche Bildung.
Zusammenarbeit mit Osteuropa
Dass Europa nicht an der Ostgrenze der EU endet, bestimmte schon seit vielen Jahren die Arbeit des DPJW. Angesichts der Ukraine-Krise hat die Unterstützung für trilaterale deutsch-polnisch-ukrainische Projekte seit 2014 noch einmal an Bedeutung zugenommen. Projekte mit der Ukraine zählen zu den Spitzenreitern unter den Drittlandprojekten, die das DPJW fördert. Rund 100 deutsch-polnisch-ukrainische Jugendbegegnungen wurden 2015 gefördert. Mit Hilfe von Fördermitteln des Auswärtigen Amtes für Projekte mit Ländern der sogenannten „Östlichen Partnerschaft“ kann das Jugendwerk 2016 erneut deutsch-polnisch-ukrainische Begegnungen auch in der Ukraine unterstützen.

Wrocław schafft neuen Rekord

Wrocław, Europas Kulturhauptstadt, hat am 1. Mai einen Eigenen Rekord gebrochen.

Beim Weltrekord-Versuch auf dem Rynek in Wrocław.

Beim Weltrekord-Versuch auf dem Rynek in Wrocław.

Seit 2003 versucht man in der Stadt in Erinnerung an Jimi Hendrix möglichst viele Gitarristen zusammen zu bringen, die gemeinsam den berühmten Song „Hey Joe“ spielen. Damals startete man mit 588 Teilnehmern. Im nächsten Jahr waren es bereits 916, 2008 erreichte man 1951 Teilnehmer. Ein großer Sprung dann 2009, wo sich 6346 Spieler am Rynek versammelten. Eine weitere Steigerung 2012 mit 7273 Spielern. Jetzt, im Jahr der Kulturhauptstadt gelang es, 7345 Gitarrenspieler, von jungen Mädchen bis zu Rock-Opas zum gemeinsamen spielen auf den Marktplatz von Wrocław zu versammeln. Ein neuer Eintrag ins Guinness-Buch der Weltrekorde ist fällig.

Warten auf den großen Moment.

Warten auf den großen Moment.

Letzte Probe, an der Mauer der Elisabethkirche neben dem Marktplatz.

Letzte Probe, an der Mauer der Elisabethkirche neben dem Marktplatz.

Kulturzug ist gestartet

Kulturzug Berlin-Wrocław

Kulturzug Berlin-Wrocław

Berlin und Wrocław, das frühere Breslau, haben viel gemeinsame Geschichte. Schließlich waren es beides Preußische Städte. Doch mit der gemeinsamen Gegenwart ist es durchaus schwierig. Noch immer ist die nur 300 km entfernte polnische Stadt in Berlin kaum im Bewusstsein. Kein Wunder, dass auch die Verkehrsverbindungen immer schlechter wurden. Am 13. Dezember 2013 fuhr der vorerst letzte durchgehende Zug zwischen beiden Städten. Doch jetzt am 30. April 2016 wurde im kleinen Rahmen und für begrenzte Zeit wieder eine Bahnverbindung aufgenommen: Der „Kulturzug“. Anlaß dafür ist die Tatsache, dass Wrocław 2016 Europas Kulturhauptstadt ist. Zu diesem Anlass wurde ein am Wochenende verkehrender Sonderzug eingerichtet. Um die aufgrund der noch immer nicht vollständig restaurierten Strecke doch lange Fahrzeit von viereinhalb Stunden so angenehm wir möglich zu machen, wird schon im Zug einiges geboten.

Sprachkurs im Zug

Sprachkurs im Zug

Zu allererst kann man im Zug ohne Mühe einen kleinen Sprachkurs mitmachen. An den Wänden sind nämlich Zettel mit Sprachbeispielen angebracht. Dann kommt eine rollende Bibliothek durch den Zug wo man sich kostenlos Literatur über Wrocław für die Fahrtdauer ausleihen kann. In Kürze sollen auch die „Breslau-Krimis“ erhältlich sein. Aber auch ein kleines Kulturprogramm ist vorgesehen. Beim Start gab es beispielsweise literarische Kostproben über den Zuglautsprecher. Auf jeden Fall sollen immer Musikergruppen unterwegs zusteigen und eine Station lang die Fahrgäste unterhalten. Geplant sind auch Lesungen und Gespräche mit verschiedenen Autoren.

Natürlich ist auch die gastronomische Versorgung gewährleistet: Ein Trolley mit heißen und kalten Getränken, Snaks und Süsigkeiten zu günstigen Preisen ist im polnischen Teil der Strecke im Zug.

Der Kulturzug ist ein Projekt, das gemeinsam von der Stiftung ZukunftBerlin, der Kulturprojekte-Berlin GmbH, dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, der DB-Regio Nordost und der polnischen Koleje Dolnośląskie (Niederschlesische Eisenbahn) realisiert wurde.

Das Nationale Musikforum wurde im September 2015 eröffnet.

Das Nationale Musikforum wurde im September 2015 eröffnet.

In der Kulturhauptstadt wartet dann ein interessantes Kulturprogramm auf die Besucher der Stadt. An einigen Wochenende gibt es große Festivals. Zum Start des Kulturzuges konnte man in Wrocław ein Jazz und Gitarrenfestival besuchen.

Jazz-Festival am 30.4.2016 in der Jahrhunderthalle.

Jazz-Festival am 30.4.2016 in der Jahrhunderthalle.

TIPPS und HINWEISE:

Die Züge fahren jeweils Samstag und Sonntag um 8.31h ab Bahnhof Lichtenberg (Zustieg 8.36 am neuen Regionalbahnsteig in Ostkreuz möglich). Der Zug erreicht Wrocław um 13.05h. Die Rückfahrt ist am Samstag um 19.21h (Ankunft Lichtenberg 23.54), Sonntag bereits um 16.29h (Ankunft 21.33). Es ist auch möglich Samstag hin und Sonntags zurück zu fahren. Die Sonderfahrkarten zum Preis von 19 Euro je Strecke (Hin- und Rückfahrt 38 Euro) sind an den Verkaufsstellen sowie den DB-Automaten erhältlich. Die Tickets werden in Wrocław auch in Bussen und Straßenbahnen als Tageskarte anerkannt.

Das aktuelle Veranstaltungsprogramm in Wrocław ist online hier abrufbar. (auch auf Deutsch).

Die Berliner „Kulturprojekte Berlin GmbH“ hat zum Kulturhauptstadtjahr 2016 Wrocław gemeinsam   mit dem be.bra Verlag das Buch „Berlin und Breslau. Eine Beziehungsgeschichte“ veröffentlicht. Das Buch möchte beide Städte einander näher bringen. Herausgegeben von einem deutsch-polnischen Tandem, Mateusz Hartwich und Uwe Rada, beschreiben mehr als 20 deutsche und polnische Autorinnen und Autoren die verflochtene Geschichte beider Städte, ihre Gemeinsamkeiten, Konflikte und Utopien. Das Ergebnis ist die doppelte Stadtgeschichte einer grenzüberschreitenden Region mitten in Europa.
Ab Mai ist die Verlagsausgabe im deutschen Buchhandel zum Preis von 16 Euro erhältlich. Eine deutsch-polnische Sonderausgabe wird in Kürze im Online-Shop der Kulturhauptstadt Wroclaw 2016 unter www.wroclaw2016.pl erhältlich sein.

 

Eine ausführliche Berichterstattung zur Kulturhauptstadt finden Sie in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift „POLEN und wir“.  In der Januar-Ausgabe 2016 haben wir bereits ein Interview mit dem Stadtpräsidenten von Wrocław veröffentlicht.

Das alte Rathaus

Das alte Rathaus

Tagesfahrten nach Słonsk und Wrocław

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland e.V. lädt zu Tages-Studienfahrten nach Słonsk und Wrocław ein.

Denkmale-für-die-OpferAm Sonntag, 12. Juni, findet eine Tages-Gedenkstättenfahrt  der VVN-VdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Verband der Antifaschistinnen und Antifaschisten) nach Słonsk statt. Dort befand sich das KZ Sonnenburg.

Seit 1833 betrieb der preußische Staat an dieser Stelle ein Gefängnis – in dem auch der Hauptmann von Köpenick zwölf Jahre einsaß. 1931 wurde die Haftanstalt aufgrund katastrophaler hygienischer Zustände geschlossen. Zwei Jahre später richteten die Nationalsozialisten das Gebäude als Konzentrationslager ein – und steigerten die Belegung sogar noch auf zeitweilig mehr als 1.200 Häftlinge. Zu den prominenten Insassen gehörten der Publizist Carl von Ossietzky und der Schriftsteller Erich Mühsam. 1934 wurde das KZ wieder in ein Zuchthaus umfunktioniert, in dem allerdings weiterhin auch politische Gefangene gefoltert wurden. Unmittelbar vor dem Eintreffen der heranrückenden Roten Armee, in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945, liquidierten SS-Einheiten mehr als 700 der rund 840 Häftlinge. Als die Sowjetsoldaten am kommenden Tag das verwaiste Zuchthaus öffneten, fanden sie einen Leichenburg vor, an dem der russische Kommandant sämtliche Frauen Sonnenbergs vorbeiführen ließ. Heute ist auf dem Gelände des ehemaligen KZs ein Museum eingerichtet.

Die Berliner VVN hat in den letzten Jahren die Gedenkstätte und das Museum mit gestaltet. Jetzt findet wieder eine Fahrt mit dem Bus dorthin statt. Abfahrt ist am 12. Juni um 8.30 vom Busparkplatz am Ostbahnhof. Die Fahrt wird gut zwei Stunden dauern, da wegen der Sperrung bei Kostrzyn für Busse der Weg über Frankfurt/Oder führt. Auf dem Programm stehen u.a. ein Besuch der Ausstellung im Museum sowie ein Besuch des Friedhofs. Die Teilnahmegebühr beträgt 20 Euro. Anmeldungen per e-mail an Edith Pfeiffer <edith.pfeiffer@nexgo.de>.

kulturzug.phpDie Fahrt mit dem Kulturzug nach Wrocław findet als gemeinsame Veranstaltung mit dem Kulturring in Berlin e.V. am Samstag, 2. Juli statt. Der Zug startet um 8.31h in Berlin Lichtenberg. Im Zug findet ein Kulturprogramm statt. Nach der Ankunft um 13 Uhr ist eine dreistündige Stadtführung mit Besuch des Doms und der Aula der Universität. Die Führung endet gegen 16 Uhr am Alten Markt, dann ist ein gemeinsamer Kaffee-Besuch geplant. Anschließend ist Zeit zur freien Verfügung. Die Rückfahrt erfolgt gegen 19.30h wieder mit dem Kultur-Zug mit Programm.

Die Kosten für den Besuch belaufen sich incl. der Fahrt, Führung, Reiseleitung und einem Vorbereitungstreffen auf ca 55 Euro. Weitere Informationen und Anmeldungen telefonisch unter 030 5616170 (Frau Pruß).