Polen und wir, 3-2000, Seite 27

 

Im Juni 2000 besprach Heiner Lichtenstein im Rahmen der Hörfunksendung „Meinungen über Bücher und Zeitschriften“ im Westdeutschen Rundfunk auch die Zeitschrift Polen und wir. Hier der gekürzte Wortlaut des Manuskripts

 

WDR 3, 26.06.00, 19.25 Uhr

 

“POLEN und wir - Zeitschrift für deutsch-polnische Verständigung”

Von Heiner Lichtenstein

Beileibe nicht alle großen deutschen Medien können es sich finanziell leisten, in jedem europäischen Land mit einem eigenen Korrespondenten vertreten zu sein. Für Europa gilt das z.B. für etliche Balkanstaaten oder die Baltischen Länder. Dort genügt in aller Regel ein Vertreter in der Region. Als ein absolutes Muss sollte es hingegen gelten, in Polen eine Redaktion zu haben, weil dieser Staat unser wichtigster östlicher Nachbar ist. Doch leider gibt es hier immer noch viele Medien ohne Polenkorrespondenten. Um so wichtiger ist eine Zeitschrift, die immer wieder auf hohem Niveau über Polen informiert.

 

Polen will endlich zurück nach Europa, zu dem es zwar immer gehört hat, von dessen westlichem Teil es aber durch den “Eisernen Vorhang” Jahrzehnte lang getrennt war. Die Aussöhnung mit Polen gehörte bekanntlich zu den Hauptzielen der Ostpolitik Willy Brandts. Lange bevor Brandt Bundeskanzler wurde, hatte sich freilich hierzulande eine Gesellschaft gegründet, die dieses Ziel mit ihren bescheidenen Mitteln vehement verfocht: Die deutsch-polnische Gesellschaft. Sie hat seit vielen Jahren eine eigene Zeitschrift - Polen und wir - die im Untertitel “Zeitschrift für deutsch-polnische Verständigung” heißt. Sie erscheint vier Mal je Jahr, hat 26 Seiten und ist eine zuverlässige Quelle für Politik, Wirtschaft, Kultur und Literatur in Polen. Das Titelblatt macht ein Ziel der Zeitschrift deutlich: Rot-Weiß-Rot - die polnischen Nationalfarben - also Verständnis für Polen. Anschrift der Redaktion am Schluss der Sendung.

In Heft 1 dieses Jahres gibt es eine umfangreiche Bilanz der Arbeit der Gesellschaft während der zurückliegenden 50 Jahre - so lange gibt es die deutsch-polnische Gesellschaft nämlich bereits. Anlass war diesmal die Mitgliederversammlung in Köln, über die in örtlichen Medien eher nebenbei berichtet worden ist. Ferner findet man einen ausführlichen Bericht über den polnischen Kinohit der vergangenen Jahre: “Pan Tadeusz” - zu deutsch “Herr Tadeusz”, ein Historienfilm nach der Vorlage des berühmten polnischen Schriftstellers Adam Mickiewicz, den Andrzej Wajda gedreht hat. Erwähnenswert ist gleichermaßen eine Analyse des Antisemitismus in Polen. Autor Friedrich Leidinger spielt das Problem nicht herunter, macht aber zu Recht darauf aufmerksam, dass es in keinem von den Nazis unterjochten Land so viel Hilfe für Juden gegeben hat wie in Polen. Das zeigt auch die “Allee der Gerechten” in Jerusalem, wo für jeden nichtjüdischen Helfer ein Baum steht. Die meisten sind polnischen Frauen und Männern gewidmet.

I den Heften des Jahres 1999 findet man Berichte über die politische Rechte in Polen, die ukrainische Minderheit, selbstverständlich eine Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 60 Jahren durch den deutschen Überfall auf Polen am 1.September 1939, die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern und vieles andere mehr. Nebenbei erfährt man etwas über die Arbeit von Privatinitiativen oder Stiftungen, die sich um Aussöhnung bemühen. Das gilt z.B. für die Robert Bosch Stiftung. Sie finanziert seit vielen Jahren Stipendien für Lektoren, die u.a. an polnischen Hochschulen deutsche Sprache und Kultur lehren. Kaum jemand weiß, dass es seit drei Jahren einen polnisch-deutschen Umweltkongress gibt, der sich um ökologische Probleme in beiden Ländern kümmert und kritisches Öko-Bewusstsein fördert.

Weil die deutsch-polnische Gesellschaft seit ihrer Gründung für Reisen zum Nachbarn wirbt, was in den ersten Jahr-zehnten allerdings nur in Ausnahmefällen möglich war, gibt es in der Zeitschrift regelmäßig Reiseberichte und zwar über Ziele in Polen. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil die Leserinnen und Leser fast ausschließlich Deutsche sind. Sei es das polnische Riesengebirge im Süden des Landes, sei es die Ostseeküste oder das Land an Oder und Neiße - man bekommt Anregungen, erführe allerdings gern mehr etwa über die Preise und die Qualität der Hotels oder Pensionen.

Auffällig sind in jedem Heft die sorgfältige Redaktion, der gefällige Umbruch und der gleichbleibend gute Druck. (...)