KAI, 3. Februar 2003

 

„Polnische Bischöfe sind gegen einen Präventivkrieg gegen den Irak“

 

„Die Kirche in Polen, die Lehre des Heiligen Vaters und die Bemühungen der Apostolischen Hauptstadt unterstützend, warnt vor einem Präventivkrieg gegen den Irak“, unterstrich Pater Adam Schulz, SJ. „Krieg bringt immer Zerstörung mit sich und löst keine Konflikte. Wir Polen haben schmerzliche und tragische Erfahrungen durch Kriege erlebt, v.a. durch den II. Weltkrieg. Deshalb empfinde ich den päpstlichen Appell zur Lösung des Konfliktes mit dem Irak auf dem Wege der Diplomatie sowie durch die internationalen Strukturen, die dazu geschaffen wurden, als bedeutend“, sagte der Sprecher des Episkopats. Pater Schulz erinnerte daran, dass der polnische Episkopat im April letzten Jahres einen Sonderappell für den Frieden in der Welt verkündet hatte. Grund dafür war der Konflikt im Heiligen Land, aber – so unterstrich der Sprecher des Episkopats – er war auf alle Regionen der Erde gerichtet, in denen es Konflikte gibt. (...)“. Der Sprecher des Episkopats lenkte die Aufmerksamkeit darauf, dass zur Zeit in Polen in vielen Kirchen Gebete für den Frieden stattfänden.

Entschiedenen Widerspruch zum möglichen Krieg gegen den Irak drückte jüngst Johannes Paul II. aus. „Man darf nicht zum Krieg greifen, auch dann nicht, wenn es um die Sicherung des Gemeinwohls geht. (...)“ sagte der Papst am 13. Januar im Vatikan in der Ansprache an das diplomatische Korps. Johannes Paul II. sagte dann: „Krieg ist niemals etwas Unvermeidliches; er bedeutet immer eine Niederlage der Menschheit. Das internationale Recht, ein gleichberechtigter Dialog, die Solidarität zwischen den Staaten und eine ehrliche Anwendung der Diplomatie - das sind für die Menschen und die Völker würdige Konfliktlösungsmöglichkeiten. Ich sage das, während ich an die denke, die noch immer ihre Hoffnung in Nuklearwaffen legen. (...) Und was ist zu einer Drohung mit Krieg zu sagen, der das irakische Volk treffen kann, das Land der Propheten, bereits ausgezehrt durch ein 12-jähriges Embargo? Niemals darf man Krieg als ein gleiches Mittel betrachten, wie andere, die man zur Regulierung von Konflikten unter Völkern anwendet. Wie die Charta der Vereinten Nationen und das internationale Recht feststellen, darf man selbst dann nicht zum Krieg greifen, wenn es um die Sicherung des Gemeinwohl geht, wenn aber überhaupt, dann nur im äußersten Falle und unter genau festgelegten Bedingungen; man darf auch nicht an den Konsequenzen vorbeisehen, die während der bewaffneten Aktionen und als Folge von ihnen für die Zivilbevölkerung entstehen.“ Wir erinnern daran, dass am 29. Januar die Chefs von 7 europäischen (darunter Leszek Miller [der polnische Regierungschef – d. Übersetzer]) ein Dokument veröffentlichten, in dem sie ihre Unterstützung für eine eventuelle bewaffnete Intervention durch die USA ausdrückten“.                                                 m

[Übersetzung entsprechend einer Meldung der polnischen Katholischen Nachrichtenagentur (KAI) vom 3. Februar 2003; Übersetzung: Wulf Schade, Bochum]

 

 

KAI, 3. Februar 2003

Erklärung evangelischer Kirchen in Polen zum Krieg der USA gegen den Irak

 

„Die Oberhäupte der evangelischen Kirchen in Polen gaben auf ihrem Treffen am 29. Januar 2003 in Warschau eine gemeinsame Erklärung mit folgendem Inhalt heraus:

Beunruhigt durch die reale Drohung eines Kriegsausbruchs von Seiten der USA gegen den Irak, in den auch andere Staaten hineingezogen werden können, fühlen wir die Notwendigkeit, uns als Bischöfe der Evangelischen Kirchen in Polen öffentlich in dieser Angelegenheit zu äußern. Deshalb erinnern wir alle Christen und Menschen guten Willens daran, dass ein Krieg nicht in Übereinstimmung mit den Lehren und dem gelebten Beispiel von Christus steht. Wir weisen deshalb Krieg als Instrument staatlicher Außenpolitik zurück und fordern, dass alle internationalen Konflikte auf friedlichem Wege gelöst werden sollen.

Eine notwendige Verteidigung, z.B. gegen den Terrorismus, darf nicht mit einer militärischen Aggression gegen irgendeinen Staat gleichgesetzt werden, solange nicht alle durch das Recht zugelassenen Maßnahmen ausgeschöpft worden sind.

Wir meinen, dass allgemein menschliche  Werte über militärische Werte als oberste Regierungspriorität bei allen Staaten dominieren müssen, weshalb wir uns allen For-men der Militarisierung des gesellschaftlichen Lebens, der Schaffung einer Bedrohungspsychose wie auch einer virtuellen Notwendigkeit zur Verteidigung entgegenstellen.

Gleichzeitig verurteilen wir Produktion, Besitz und Gebrauch von nuklearen, chemischen und biologischen Waffen durch alle Staaten.

In der Konsequenz sprechen wir uns für eine freiwillige, allgemeine und vollständige Abrüstung aus, die unter genau festgelegter und effektiver internationaler Kontrolle stattfinden muss.“

Bischof Eduard Puślecki, Oberhaupt der evangelisch-methodistischen Kirche; Bischof Janusz Jagucki, Oberhaupt der evangelisch-augsburgischen Kirche; Bischof Marek Izdebski, Oberhaupt der evangelisch-reformierten Kirche                                                                                                                                                m

 

[Übersetzung entsprechend einer Meldung der polnischen Katholischen Nachrichtenagentur (KAI) vom 3. Februar 2003; Übersetzung: Wulf Schade, Bochum]