Besuch aus Ostpolen in Iserlohn

Von Clemens Müller

 

Dreizehn polnische Schülerinnen und Schüler aus Ostrowiec-Swiętokrzyski waren vom 30. September bis  5. Oktober 2002mit zwei Begleiterinnen in Iserlohn zu Gast. Durch Vermittlung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks hatte das Broniewskiego-Lyzeum Kontakt mit dem Märkischen Gymnasium aufgenommen, um eine Schulpartnerschaft zu beginnen. Das Treffen stellte die erste persönliche Begegnung zwischen den Schülerinnen und Schülern dar. Ziel war vor allem das gegenseitige Kennenlernen und die Besichtigung von interessanten Zielen in der Stadt und der weiteren Umgebung.

 

Die polnischen Jugendlichen waren in Gastfamilien untergebracht; die Begleiterinnen, Frau Wojsa und Frau Węglewicz, wohnten bei den Iserlohner Lehrern Dr. Bleicher und Müller.

Frau Wojsa, die verantwortliche Lehrerin, hatte im Vorfeld einige Schwierigkeiten damit, einen Begleiter zu finden. Als von den aktiven Lehrern ihres Kollegiums keiner zu einer Mitfahrt bereit war, erklärte sich die seit längerem pensionierte Frau Węglewicz dazu bereit.

Müde kam die Gruppe aus Ostrowiec-Swiętokrzyski montags früh in Dortmund an, hatte sie doch eine 24stündige Busfahrt hinter sich. Deshalb stand an diesem Tag nur ein Stadtrundgang am Spätnachmittag auf dem Programm. Er wurde von Dr. Bleicher knapp, aber sachkundig geleitet.

Der Dienstagmorgen gehörte der Stadt Iserlohn; den Schülern wurde die Oberste Stadtkirche mit den bekannten Marientafeln eines unbekannten mittelalterlichen Meisters gezeigt. Diese dürften auch nicht allen einheimischen Schülern bekannt gewesen sein. Anschließend wurde die Gruppe durch die stellvertretende Bürger-meisterin im Ratssaal empfangen.

Darauf ging es in die nähere Umgebung, auf die Burg Altena, den Stammsitz der Grafen von der Mark; von ihnen leitet sich die Bezeichnung des Märkischen Kreises und des Märkischen Gymnasiums ab.  Der Landrat „sponserte“ ein Mittagessen, es folgte eine Besichtigung des Burgmuseums.

Den Mittwoch beherrschte ein überregionaler Akzent: Es ging nach Köln. Doch vor der Abfahrt hieß der Leiter des Gymnasiums, Herr Müller-Frerich, die Gäste herzlich willkommen; eine kurze Führung durch die Schule und ihr Museum schloss sich an. Während der Besichtigungen in der Rheinmetropole wurde sichtbar, dass erste Berührungsängste bereits abgebaut waren, zumal einige der deutschen Teilnehmer ohnehin die polnische Sprache beherrschten, denn das Märkische Gymnasium besuchen viele Schüler, die in Polen geboren sind. Das führte aber oft auch dazu, dass man sich zu einseitig in dieser Sprache unterhielt. Aber auch die z.T. sehr guten Deutschkenntnisse der polnischen Jugendlichen waren sehr beeindruckend; einige lernen bereits seit sechs Jahren Deutsch.

Am Tag der deutschen Einheit lag der Schwerpunkt wieder mehr bei regionalen Zielen. Bei ungemütlichem Wetter fuhr die Gruppe nach Münster. Nach Dom- und Friedenssaalbesichtigung wünschten sich die Jugendlichen einen Besuch im Allwetterzoo.

Zurück in Iserlohn, ging es zur heimischen Künstlerkolonie, dem Barendorf, einer ehemaligen Industrieanlage. Dort wurde die Herstellung eines Gelbgusses demonstriert, was auf großes Interesse stieß; schließlich besichtigte die Gruppe noch das Nadelmuseum auf dem Gelände.

Der Freitag bot wieder Iserlohner Aspekte: Nach der Teilnahme an einer Unterrichtsstunde im Gymnasium gab es die Gelegenheit, sich eine Armaturenfabrik im Industriegebiet anzusehen. Der Chef, Herr Dornbracht, führte selbst durch den modernen Betrieb. Obwohl er recht viel Zeit in Anspruch nahm, stieß dieser Rundgang erkennbar auf großes Interesse.

Als offizieller Abschluss fand am Abend ein gemeinsamer Grillabend statt. Hier gab es auch die Gelegenheit zur „Manöverkritik“. Von Diskriminierungen sprach keiner der Polen, auch wenn am ersten Tag ein ausländischer Schüler eines anderen Gymnasiums sich eine plump-dumme Bemerkung nicht hatte verkneifen können. Die Schüler waren sich einig darüber, dass es noch mehr Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen hätte geben sollen; sechs Tage seien für ein solches Treffen einfach zu kurz. Mit der Art und dem Umfang des Besichtigungsprogrammes zeigten sich aber fast alle zufrieden, zumal die Abende grundsätzlich zur freien Verfügung standen. 

Am Abfahrtstag, einem Samstag, bot sich den polnischen Gästen die Gelegenheit, auf eigene Faust mit ihren Gastgebern Dortmund etwas kennenzulernen. Nachmittags traf man sich zum Abschied am dortigen Busbahnhof. Die meisten Gasteltern waren anwesend und zeigten sich sehr angetan von den polnischen Jugendlichen. Es war auch offenkundig, dass fast alle deutschen und polnischen Teilnehmer ein Stück zusammengewachsen waren, denn man sah viele traurige, teilweise auch etwas feuchte Gesichter. So ging es auf die lange Reise zurück nach Ostpolen, die wiederum 24 Stunden dauern sollte. Ende März wollen die Deutschen nach Ostrowiec-Swiętokrzyski fahren; dabei wird die Anregung der Schüler aufgegriffen, denn das Programm umfasst dann 12 Tage.                                                  m