Yearly Archives: 2016

Architektur-Studienreise nach Wrocław

Architekturreise%20Breslau2016 ist Breslau Kulturhauptstadt Europas.
« Nun ist es eine bekannte Tatsache: was ein richtiger Berliner ist, stammt aus Posen oder aus Breslau» hat Kurt Tucholsky 1920 geschrieben. Heute ist Wrocław, das frżhere Breslau, den Berlinern weitgehend unbekannt. Zu Unrecht, zumal die westpolnische Stadt – nur 3 Stunden von Berlin entfernt – neben ihrer 1000 Jahre alten Geschichte weit mehr zu bieten hat als die spektakuläre Jahrhunderthalle von Max Berg, die besonderen Bauten der Klassischen Moderne wie das Kaufhaus Petersdorff von Erich Mendelsohn, Geschäfts- und Bürohäuser von Hans Poelzig und Adolf Rading, sowie die Werkbundsiedlung WUWA mit dem Hotel von Hans Scharoun. Auch wegen erfrischender zeitgenössischer Architektur und coolem Interior Design lohnt sich eine Reise in die Oderstadt. Nach westlichen Vorbildern versucht sich eine junge Architektenschaft an neuen Formen, der ehrgeizige Bürgermeister und Stadtpräsident Rafał Dutkiewicz hat der Stadt ein neues Image gegeben.
WrocLOVE ist die Devise!

Details zu der Reise finden Sie auch auf der Webseite www.ticket-b.de
Das ausführliche Reiseprogramm mit Preisen hier downloaden (PDF-Datei)

Ministerpräsidentin Beata Szydło in Berlin

_DSC0035Polens Ministerpräsentin hielt am Samstag, 12. Februar, ihren Antrittsbesuch in Berlin. Nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sie bei einer Veranstaltung der Körber-Stiftung Berlin.

Die gesamte Veranstaltung (etwa eine Stunde) kann (Ton = Dolmetscherübersetzung) in YouTube angesehen und gehört werden: (Link zum Video)

Gleich zu Anfang machte Szydło deutlich, dass sie jede Kritik an der polnischen Politik von sicht weisst. Die europäischen Politiker sollen sich nicht mit den „internen Dingen Polens“ befassen. Es seien gute Veränderungen, die derzeit in Polen stattfänden, und derartige Veränderungen wollten auch die Wähler, denn sie hätten ja das Programm der Partei »Recht und Gerechtigkeit« gewählt. Vielleicht hätten sich die westlichen Medien schlecht informiert, wie die neue Regierung arbeite, meinte die Ministerpräsidentin.

So ging sie nur kurz auf die in der Begrüßung durch die Körber-Stiftung angesprochenen Dinge ein: „Unsere internen Sachen und Probleme, weil hier am Anfang etwas gesagt wurde über Zweifel bezüglich des Verfassungsgerichts oder die Medienreform, das sind interne Probleme von Polen. Das sind Entscheidungen, die vom polnischen Parlament gemacht worden sind und ich denke, dass diese Themen es nicht wert sind, dass europäische Politiker sich damit befassen. Während europäische Politiker zu unserem Verfassungsgericht fragen, sagen wir nichts zur europäischen Migrantenkrise. Die polnische Demokratie ist ein großer Wert, und die Polen schätzen die Freiheit. Wir haben lange dafür gekämpft. Die Tatsache, dass wir jetzt Mitglied der EU und der NATO sind, ist ein großer Wert, und dieser Wert wird von uns nie wieder weggegeben. … Wir haben unterschiedliche Meinungen in der EU von Zeit zu zeit, weil wir unterschiedliche Völker sind, jeder hat eine andere Geschichte, jeder hat eine andere geopolitische Lage, eine andere wirtschaftliche, eine andere gesellschaftliche Lage.“

Der Rest der insgesamt 40minütigen Rede war ein Plädoyer für die „Werte der Europäischen Union“, wobei sie offen ließ, was nun zu diesen Werten zählt. Europa dürfe sich nicht spalten. Auch Großbritannien müsse in der EU bleiben, habe sie kürzlich dem britischen Premier erklärt.

Als ein Ergebnis der Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hob die Ministerpräsidentin hervor, dass zur Linderung der Flüchtlingskrise ein gemeinsames humanitäres Projekt auf den Weg gebracht werden soll. Zur Frage der Aufnahme von Flüchtlingen, wies sie darauf hin, dass in Polen inzwischen rund 1 Million Ukrainer aufgenommen wurden.

_DSC0061Die eigenlich geplante Diskussion war durch die Verspätete Ankunft der Ministerpräsidentin nur extrem kurz geraten. Nur eine Frage der Moderatorin und zwei aus dem Publikum waren möglich. Nora Müller, Leiterin des Bereichs Internationale Politik der Körber-Stiftung sprach die außenpolitische Grundsatzrede des Außenministers im Parlament an. Darin kam Deutschland erst in der 45. Minute, nach vielen anderen Themen und Staaten (Visegrad-Staaten, baltische Staaten, Großbritannien), vor.  Sie fragte, ob sich ein neues Intermarium-Konzept zeige (Polens Interesse liege an den Staaten zwischen den beiden Meeren – Ostsee und Mittelmeer – ) und „Weimar“ eine geringere Rolle spiele. Szydło antwortete, dass sie sich Polen ohne Deutschland und Deutschland ohne Polen nicht vorstellen könne. „Unsere Beziehungen erfordern keine Besonderheiten, keinen neuen Aufbau, weil sie immer noch sehr gut sind.“   Als persönliche Bemerkung fügte sie hinzu, dass sie in Oświęcim (Auschwitz) geboren wurde und sie täglich sehe, wie die Beziehungen durch Jugendliche aus Deutschland und Polen gerade an diesem Ort entwickelt werden.

Nora Müller sprach die Ministerpräsidentin auch auf ihre Vorstellung auf dem PiS-Parteitag an („Mein Name ist Szydło, Beata Szydło“). Der Eindruck von James Bond führe zu der Frage, wenn sie James Bond sind, wer ist dann ihr „M“? Szydło antwortete schmunzelnd: „Na ja, ein Rätsel“, fuhr jedoch sofort mit der Bemerkung fort, dass es wichtig sei, dass heute immer mehr Frauen in führenden politischen Positionen sei. Sie verwies da auf Angela Merkel oder Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg.

Aus dem Publikum wurde Szydło gefragt, wie sich Polen den Problem der Flüchtlinge („Nicht, wie sie es ausdrücken den Migranten“), die heute schon in Europa sind, stellen würde. Wird sich Polen dem Problem stellen, oder weiterhin davonlaufen?  Beata Szydło antwortete, dass Polen ein Land sei, das den Menschen hilft, die Hilfe benötigen. Zur Zeit seien eine Million Menschen aus der Ukraine nach Polen gekommen, aber die EU unterstütze Polen nicht. Ansonsten habe die EU bislang keine wirksamen Beschlüsse zur Lösung der Probleme gefasst. Polen unterstütze die Zusammenarbeit mit der Türkei. Außerdem müssen die Außengrenzen der EU stärker geschützt werden.

_DSC0003Vor der Tür der Veranstaltung protestierte derweilen das Komitee zur Verteidigung der Demokratie (KOD). Michał Talma-Sutt, in Berlin lebender Komponist und Aktivist von KOD wollte eigentlich der polnischen Ministerpräsidentin ein Geschenk überreichen: Ein edel gebundenes Exemplar der polnischen Verfassung. Doch die Veranstalter hatten seine Akkreditierung für die Veranstaltung offensichtlich gestrichen, so daß er bei den Demonstranten vor der Tür bleiben musste.

 

 

 

 

Tandemsprachkurs in Polen

Tandemsprachkurs in Polen: Noch Plätze für deutsche Teilnehmende
frei

Das Polnisch-Deutsche Bildungswerk ‚GERMANITAS‘ (= lat.
Brüderlichkeit) organisiert Tandemsprachkurse Deutsch-Polnisch für
Lehrkräfte, MultiplikatorInnen des Jugend- und Sportaustauschs sowie
an der Sprache und Kultur Polens interessierte deutsche Teilnehmer.

Bereits seit 20 Jahren veranstaltet ‚Germanitas‘ deutsch-polnische
Sommersprachkurse im Tandemverfahren. Diese Kurse werden vom
Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) unterstützt.

In diesem Jahr wird der Kurs im malerischen Jura-Gebirge im schön
gelegenen Touristendorf Kroczyce (60 km von Katowice) stattfinden.

TERMIN: 31. Juli – 13. August 2016

ORT: Zajazd Magda, 42-425 Kroczyce, ul. Armii Ludowej 75,
www.zajazd-magda.pl

KURSGEBÜHR: ca. 450 Euro (genaue Summe hängt ab vom Zuschuss des
Deutsch-Polnischen Jugendwerks)

IM PREIS INBEGRIFFEN:
– 75 Std. Polnischunterricht bei erfahrenen Sprachlehrkräften,
– Tandem mit polnischen Muttersprachlern,
– Vortrags-, Kultur- und Besichtigungsprogramm (alles inklusive)
– Vollpension,
– Unterbringung in Zweibettzimmern (gemeinsam mit
polnischem/polnischer Muttersprachler/-in), Einzelzimmer gegen
Zusatzgebühr möglich

TEILNEHMENDE:
– max. 25 deutsche und 25 polnische Teilnehmende (engagierte Lehrende
und sonstige Multiplikatoren des Jugend-, Kultur- und Sportaustauschs
bzw. solche, die einen solchen Austausch im Anschluss an den Kurs
beabsichtigen),
– 6 LektorInnen aus Polen und Deutschland,
– Kursleiterin ist Marta Jakubowicz-Pisarek.

UNTERKUNFT:
– schöne Pension in einer Waldgegend,
– gut ausgestattete Einzel- und Doppelzimmer mit Bad, TV, W-Lan,
– Parkplatz, Restaurant.

ANREISE: über Katowice oder Krakau, Bustransfer nach Kroczyce
Über individuelle Anreisemöglichkeiten wird bei Bedarf zusätzlich
informiert.

KULTUR- UND AUSFLUGSPROGRAMM: Ausflüge u.a. nach Krakau, zu den
Adlerhorst-Burgen, Vorträge zur Kultur und Geschichte der Region,
Workshop deutsch-polnischer Chor, Liederabende, Filme, zahlreiche
Sportmöglichkeiten.

SPRACHKURSE IM TANDEMVERFAHREN:
Tandem bedeutet, dass zeitgleich Deutsche voneinander Polnisch und
Polen Deutsch lernen. Die gemeinsame Unterbringung, gemeinsame
Kurseinheiten (jeden Tag gibt es neben dem Gruppenunterricht
Unterrichtseinheiten im Tandemverfahren) sowie die Teilnahme an
Workshops (Theater, Kurszeitung, deutsch-polnischer Chor u.a.) tragen
dazu bei, dass man noch intensiver und quasi rund um die Uhr
miteinander und voneinander lernen kann. Die Tandempaare wechseln
jeden Tag. Auch das Freizeit- und Kulturprogramm wird gemeinsam
absolviert. So werden Sie reichlich Möglichkeiten haben, in der
Freizeit Ihre gerade erworbenen Sprachkenntnisse in der Praxis zu
erproben. Für den Unterricht stehen Muttersprachler als Lehrkräfte
zur Verfügung, die langjährige Erfahrung in der Vermittlung von Polnisch
als Fremdsprache haben. Diese gestalten für drei unterschiedliche
Sprachniveaus Polnischunterricht auf abwechslungsreiche Art. Für jede
Kleingruppe wurde jeweils ein spezielles Programm ausgearbeitet.
Zusätzlich bieten wir Unterrichtseinheiten in polnischer Phonetik an,
weil dieser Teil des Spracherwerbs bei den meisten Kursen zu kurz
kommt.
Filme in Originalsprache (mit oder ohne Untertitel), polnische Lieder,
die für bestimmte Kulturtrends in Polen charakteristisch sind,
Sprachspiele und viele landeskundliche Informationen runden das
Sprachprogramm ab.

ALLGEMEINES:
Vor dem Kurs können Sie sich mit Fragen an die Kursleiterin wenden,
die Sie gerne über Details informiert. Spätester Anmeldetermin ist
der 1. Juni 2016. Es wird jedoch empfohlen, möglichst schnell Kontakt mit
den Veranstaltern aufzunehmen.

Verantwortlich für die Organisation und das Programm ist:
Marta Jakubowicz-Pisarek Tel: +48/17 8551 266, mobil: +48 601 52
4055, E-mail: marta-pisarek@wp.pl

Veranstaltung: „Ist Polen noch zu retten?“

Ist Polen noch zu retten?

Perspektiven einer demokratischen Zukunft Europas

Seit dem Machtwechsel Ende 2015 beunruhigt Polen Europa. In handsstreichartigen Übergriffen wurden durch die neue nationalkonservative Regierung das Verfassungsgericht weitgehend lahmgelegt und Schritte zur staatlichen Kontrolle der Medien unternommen. Gleichzeitig formieren sich unter staatlicher Aufsicht paramilitärische Milizen, deren Stoßrichtung eindeutig Russland ist. Russland ist insbesondere im Visier des PiS-Vorsitzenden Jarosław Kaczyński, der an der Theorie vom russischen Anschlag gegen das Flugzeug, in dem sein Bruder zusammen mit vielen ranghohen Vertretern des Landes ums Leben gekommen ist, festhält.

Droht jetzt die Errichtung einer neuen Rechtsdiktatur nach dem Vorbild Józef Piłsudskis?

Der Machtwechsel in Polen hat auf jeden Fall Auswirkungen, die weit über die eigenen Landesgrenzen hinausreichen, und sowohl die Lage der Europäischen Union verändern als auch tiefe Spuren im Verhältnis zwischen Polen und Deutschland hinterlassen werden.

Mit Gästen aus der polnischen Opposition möchten wir uns ein genaueres Bild der Vorgänge machen.

Diskussionsteilnehmer:

  • Dr. Przemysław Witkowski , Krytyka Polityczna Wrocław
  • Lukasz Szopa, Komitet Obrony Demokracji KOD (Komitee zur Verteidigung der Demokratie (angefragt)
  • Prof. Dr. Christoph Koch, Vorsitzender Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Moderation: Thomas Willms, Bundesgeschäftsführer der VVN-BdA

Donnerstag, den 3. März 2016, 19 Uhr

Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

Eintritt frei

Veranstalter:

Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland e.V.
Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) e.V.

Chopin-Konzert

DEUTSCHLAND – TOURNEE YUNDI April 2016

Yundi Poster BerlinEin absolutes Highlight erwartet alle Freunde der der romantischen Klaviermusik und speziell der Klavierwerke Frederic Chopins im April 2016:
Auf seiner aktuellen Deutschland- Tournee wird der weltberühmte Klaviervirtuose YUNDI – seines Zeichens Erster Preisträger des berühmten Chopin- Wettbewerbes in Warschau im Jahre 2000 – ein reines Chopin- Programm mit den vierundzwanzig Preludes op. 28 sowie sämtlichen vier Balladen vortragen: Mit den vier Balladen und den Preludes op. 28 stehen gewichtige, zentrale Werke der romantischen Klavierliteratur auf dem Programm,die selbst professionellen Interpreten alles an pianistischem Können abverlangen. Der narrative Erzählstil der Balladen, im weitesten Sinne inspiriert von polnischen Nationalepen aus Alter Zeit stellt kontrastreich die schlichte, zurückhaltende volkstümliche Melodik des Eingangsteiles unvermittelt den abrupten emotionalen Gefühlsausbrüchen mit geballter pianistischer „Virtuosenpranke“ gegenüber, die am Schluß jeweils in einem brillanten klavieristischen Feuerwerk endet. Ein facettenreiches Kaleidoskop von konträren Stimmungen und Gemütszuständen als „Wechselbad der Gefühle“ vermitteln ebenfalls die zerklüfteten Seelenlandschaften der teilweise aphorismenhaft kurzen 24 Preludes op. 28 – eine extreme „Achterbahnfahrt der Emotionen“ auf engstem Raum !!!
Der weltweit gefragte Pianist YUNDI begann mit sieben Jahren, Klavier zu spielen. Er begann seine Ausbildung in seiner Heimat an der Shenzhen Arts School und bekam seinen „letzten Schliff“ an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover.YUNDI schaffte den Sprung auf die internationale Bühne, als er im Jahr 2000 mit 18 Jahren den ersten Preis des 14. Internationalen Chopin-Wettbewerbs in Warschau gewann. Er war der bis dahin jüngste und erste chinesische Preisträger in der Geschichte der hochkarätigen Veranstaltung. Seitdem gilt er als maßgeblicher Interpret der Werke Chopins. Als Würdigung seines Beitrags zur Kultur des Landes verlieh ihm die polnische Regierung 2010 die Goldmedaille für Verdienste um die polnische Kultur, „Gloria Artis“.

Die Konzerttermine sind:

Samstag, 02. April: Stuttgart, Liederhalle, Mozart – Saal

Sonntag, 03. April: München, Philharmonie, Carl – Orff – Saal

Mittwoch, 06. April: Hamburg, Laeiszhalle, Kleiner Saal

Donnerstag, 07. April: Berlin, Universität der Künste UDK, Großer Saal

 

„Für unsere und Eure Demokratie“

Polen-Demo 020

Rede des Chefredakteurs von „POLEN und wir“ und Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland e.V., Karl Forster, auf der Kundgebung gegen die Einschränkung der Medienfreiheit in Polen, am 9. Januar 2016 in Berlin:

Polen-Demo 018Liebe Freunde
Eine Art staatsgelenktes Fernsehen wollte Bundeskanzler Konrad Adenauer 1961 einführen, als Alternative zu den ARD-Programmen. Doch das Bundesverfassungsgericht verbot dieses Vorhaben. In Polen soll kein staatsgelenktes Fernsehen neben dem öffentlich rechtlichen entstehen, sondern das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem soll staatlich kontrolliert werden. Und vorsorglich hat man vorher das Verfassungsgericht quasi entmachtet.
Seit 65 Jahren tritt die Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, deren Vorstand ich angehöre, für Verständigung mit Polen ein. Die Erfahrung der Verbrechen des faschistischen Deutschen Reiches gegenüber Polen bildet bis auf den heutigen Tag die Grundlage unseres Engagements. In Wahrung unserer Unabhängigkeit von Parteien und amtlichen Stellen haben wir uns jederzeit unbeirrbar für unsere Sache eingesetzt, unabhängig davon, welche Regierung in Warschau regierte.
Das polnische Volk pflegt zu Recht den Stolz auf seine demokratische Tradition. Mit der Verfassung vom 3. Mai 1792 hat es den von Paris ausgehenden Geist von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zum ersten Mal in der europäischen Geschichte in eine schriftliche Form gefasst, es hat tausende Männer und Frauen gemeinsam mit vielen anderen Europäern auf den Barrikaden der bürgerlichen Revolutionen des 19. Jahrhunderts geopfert und hunderttausende Patrioten durch erzwungene Emigration und Deportation verloren, es hat als erstes der von Deutschland überfallenen Völker sich dem Aggressor nicht gebeugt, sondern mutig und heroisch Widerstand geleistet. Im Volkspark Berlin-Friedrichshain erinnert ein Denkmal mit dem Zitat »Za naszą i waszą wolność – Für eure und unsere Freiheit« an den Anteil polnischer Soldaten bei der Befreiung Berlins und Europas vom Faschismus.
Heute werden wir Beobachter von Vorgängen in unserem Nachbarland, die auch uns betreffen. Der Machtwechsel in Polen hat Auswirkungen, die weit über die eigenen Landesgrenzen hinausreichen, und sowohl die Lage der Europäischen Union verändern als auch tiefe Spuren im Verhältnis zwischen Polen und Deutschland hinterlassen werden.
Das war kein einfacher Machtwechsel, der da in Polen Ende Oktober 2015 passierte. Dabei schien das Ergebnis voraussehbar: Die wirtschaftsliberal-konservative Bürgerplattform (PO) wird durch die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) abgelöst. Doch das, was im November und Dezember nun geschah, war alles andere als ein demokratischer Regierungswechsel.
Hier in Deutschland hatte man nicht wahrgenommen, wie sehr sich der Vorsitzende der PiS, Jarosław Kaczyński, nach dem Tod seines Bruders verändert hat. Er hält nach wie vor die Theorie vom russischen Anschlag gegen das Flugzeug, in dem sein Bruder zusammen mit vielen ranghohen Vertretern des Landes ums Leben gekommen ist, aufrecht. Diese Behauptung bestimmt sein Handeln. Kaczyński sieht sich jetzt in der Rolle seines großen Vorbildes, Józef Piłsudski. Der wurde 1920 nach dem Sieg über die Rote Armee („Wunder an der Weichsel“) zum Nationalhelden, gleichzeitig markierte seine Machtergreifung 1926 den Weg von der Demokratie zur Diktatur.
Als Redakteur der Zeitschrift „POLEN und wir“ beobachte ich diese Entwicklung mit großer Sorge, freue mich jedoch andererseits, unseren Lesern aufzeigen zu können, dass es einen wachsenden Protest in Polen gegen die Politik der Einschränkung der Meinungsfreiheit, der Freiheit der Medien, gibt. Ich freue mich, unseren Lesern vermitteln zu können, dass es in Polen nicht nur eine offizielle Politik gegen die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen gibt, sondern dass es zahlreiche Initiativen gibt, die sich dieser Politik entgegensetzen. Und ich freue mich, dass ich unseren Lesern mitteilen kann, dass rechtsradikale, neofaschistische Aufmärsche wie der in Wrocław nicht unwidersprochen bleiben.
In dieser Lage ist der deutsch-polnische Dialog wichtiger denn je zuvor. Ein Dialog aber setzt eine gemeinsame Sprache voraus. In 65 Jahren haben wir eine solche gemeinsame Sprache mit allen gesellschaftlich und politisch relevanten Gruppen in Polen gefunden. Keine gemeinsame Sprache dagegen werden wir mit Kräften finden, deren Haltung wahlweise fremdenfeindlich, homophob, antirussisch, antideutsch oder antisemitisch ist, deren Sprache hetzerisch und rassistisch klingt, die statt Aufklärung einen antimodernen Klerikalismus und statt friedlichen Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Herkunft einen völkischen Nationalismus predigen. Umso mehr unterstützen wir die Menschen. in Polen, die sich für eine demokratische Zukunft ihres Landes einsetzen: Für Eure und unsere Demokratie!“

Ausgabe 1/2016 ausgeliefert

POLEN und wir - Ausgabe 1/2016

Die neue Ausgabe von POLEN und wir ist ausgeliefert.
Zum Download und Inhaltsverzeichnis gehts hier lang:

(bitte klicken)

2016-1-Editorial

Interesse an dieser Ausgabe? Ein Jahresabo kostet 12 Euro. Bestellen Sie per e-mail unter redaktion.puw@polen-news.de . Dann schicken wir Ihnen den Link für die Überweisung. Das erste Heft geht Ihnen sofort nach Erscheinen zu.

Und hier ein Blick ins Inhaltsverzeichnis:

 

Ausgabe 1/2016

2016-1-1

In dieser Ausgabe lesen Sie (hier klicken zum Download):

Seite 3 Mit Absoluter Mehrheit
Wahlergebnisse und Analyse
Seite 4 Kurze Geschichte vom tiefen Fall
Was wurde aus der polnischen Linken
Seite 6 Rechtsextremisten im Parlament
Deutschlandfunk kommentierte polnisches Wahlergebnis
Seite 7      Die Hetzer im Stadion
Wie polnische Ultras Stimmung gegen Flüchtlinge machen
Seite 8      „Nicht in unserem Namen“
Seite 10     Zurückgezogener Beobachter
Vor 25 Jahren wurde Lech Wałęsa Präsident
Seite 11     Wrocław will in der ersten Liga mitspielen
Seite 12     Auferstanden aus Ruinen – Wrocław
Seite 13     Kultur als Wachstumsmotor
Interview mit Wrocławs Stadtpräsidenten
Seite 14     Schüsse und Schreie in der Nacht
Spaziergang auf den Spuren des Warschauer Ghettos
Seite 17     Zeitlupenballett mit Gewehrkugeln als Videoclip – Filmkritik
Seite 18    Mit der Lok zum Tor 333 – Filmkritik
Seite 20    Gab es einen Stalin-Hitler-Pakt? – Buchkritik
Seite 22    Polnischer Sozialrat
Seite 23    „Ein ganz normaler Mensch“
Porträt einer polnischen Ärztin in Berlin.
Seite 24    Säkulare Schule
Seite 25    Betriebsratswahl bei Verleihfirma
Seite 26    Kein DB-Ticket für polnischen IC
Seite 28    Geraubte Kinder – vergessene Opfer

Titelbild: Die Wojciech-Kirche spiegelt sich in der Galeria Dominikańska in Wrocław © Wikimedia/Julo