Botschaft sucht Kino

By | 4. November 2016

smolenskplakatDie Auseinandersetzung um die Verschwörungstheorie rund um den Flugzeugabsturz von Smolensk hat nun auch Deutschland erreicht. Der neue polnische Botschafter in Berlin, Prof. Andrzej Przyłębski, hatte für Montag, 7. November, zur deutschen Premiere des Films „Smolensk“ von Antoni Krauze in den Delphi-Filmpalast in Berlin geladen. Doch das Kino hat die Vereinbarung aufgekündigt.

Hintergrund: Der Film ist laut Botschaft „ein Versuch, den wahrscheinlichen Verlauf der Ereignisse zu schildern und ihren sozial-politischen Kontext zu zeigen, besonders in Bezug auf die Rolle der Medien bei der Verschleierung und Suche nach der Wahrheit“.

Henryk Jarczyk vom ARD-Studio Warschau kommentierte den Film für die Tagesschau so: Gäbe es einen Oscar in der Kategorie „schlechtester Film des Jahres“, der Film „Smolensk“ hätte die besten Chancen, ihn zu erhalten.

Für die damalige Regierung unter Premierminister Donald Tusk handelte es sich bei dem Absturz um einen tragischen Unfall in Folge menschlichen Versagens. Für Anhänger der heute regierenden Partei „Recht und Gerechtigkeit“ war es ein Attentat. „Viele Sachen hat man schon im Vorfeld gewusst. Jetzt wurden sie nur noch bestätigt. Diese Explosion zum Beispiel, ich habe mir das von Anfang an genau so vorgestellt“, sagte ein Zuschauer. „Man muss ziemlich dumm sein, um der Bande der Untersuchungskommission, die von der ehemaligen Regierung eingesetzt wurde, und dem Juden Tusk zu glauben.“

Jarczyk: Von der ersten Szene an wird dem Zuschauer nicht nur klargemacht, dass es sich um einen Anschlag gehandelt habe. Obendrein wird nach wenigen Minuten auch gleich der Schuldige geliefert: Wladimir Putin. Wer daran zweifelt, hat den Film nicht verstanden. Dabei ist der Pfad zwischen Fakten und purer Fiktion mehr als schmal.

Jetzt ist also die Filmpremiere in Berlin erst einmal geplatzt, denn auch andere Kinos in Berlin lehnen die Vorführung dieses propagandistischen Films ab. Der Botschafter macht laut einem Artikel in einem polnischen Online-Dienst die Berliner Gruppe der Oppositionsbewegung KOD verantwortlich. Diese weist derartige Verdächtigungen zurück. Schließlich kämpfe sie für die Freiheit auch der Kunst.