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Redaktionsleiter

Vertragsverletzungsverfahren und Empfehlungen zur Rechtstaatlichkeit

Die Europäische Kommission ist am Mittwoch, 26.7.2017, tätig geworden, „um die Rechtsstaatlichkeit in Polen zu schützen“. Die Kommission hat ernste Bedenken in Bezug auf die geplante Reform der Justiz in Polen in einer an die polnischen Behörden gerichteten Empfehlung zur Rechtsstaatlichkeit zum Ausdruck gebracht. Sie ersucht die polnischen Behörden, die in der Empfehlung angesprochenen Missstände binnen eines Monats zu beheben. Zudem wurde die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens beschlossen.

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte: „Die Kommission ist entschlossen, die Rechtsstaatlichkeit als eines der Grundprinzipien, auf denen die Europäische Union beruht, in allen Mitgliedstaaten zu schützen. Eine unabhängige Justiz ist eine wesentliche Voraussetzung für die Unionsmitgliedschaft. Daher kann die EU keine Rechtsordnung akzeptieren, die die willkürliche Entlassung von Richtern ermöglicht. Unabhängige Gerichte sind die Basis des gegenseitigen Vertrauens zwischen den Mitgliedstaaten und ihren Justizsystemen. Wenn die polnische Regierung die Unabhängigkeit der Justiz und die Rechtsstaatlichkeit in Polen weiter aushöhlt, haben wir keine andere Wahl als das Verfahren nach Artikel 7 auszulösen.“

Die von der Kommission vorgenommene Bewertung kommt zu dem Schluss, dass die systemimmanente Gefährdung der Rechtsstaatlichkeit in Polen, die bereits in dem von der Kommission im Januar 2016 eingeleiteten Rechtsstaatsverfahren festgestellt wurde, durch diese Reformen weiter verschärft wird.

Der Erste Vizepräsident Frans Timmermans fügte hinzu: „Unsere Empfehlungen an die polnischen Behörden sind eindeutig: Es ist Zeit, die Unabhängigkeit des Verfassungsgerichts wiederherzustellen und die Gesetze zur Justizreform entweder zurückzunehmen oder in Übereinstimmung mit der polnischen Verfassung und den in Bezug auf die Unabhängigkeit der Justiz bestehenden EU-Standards zu bringen. Die polnischen Gerichte sind – wie die Gerichte aller Mitgliedstaaten ‑ gehalten, bei Verstößen gegen das EU-Recht einen wirksamen Rechtsbehelf zu gewähren: Sie handeln in solchen Fällen als „Unionsrichter“ und müssen daher die Anforderungen in Bezug auf die Unabhängigkeit der Justiz gemäß dem Vertrag und der Charta der Grundrechte erfüllen. Wir möchten diese Fragen gemeinsam und auf konstruktive Weise lösen. Die Kommission ist weiterhin zum Dialog mit den polnischen Behörden bereit und würde jede gemäß unseren Empfehlungen erfolgende Anpassung dieser Gesetze begrüßen.“

Die Kommission ersucht die polnischen Behörden, die in der Empfehlung angesprochenen Missstände binnen eines Monats zu beheben. Insbesondere sollen diese keine Maßnahmen zur Entlassung von Richtern des obersten Gerichtshofs ergreifen oder sie dazu zwingen, aus dem Amt zu scheiden. Wenn eine derartige Maßnahme ergriffen wird, kann die Kommission mit sofortiger Wirkung das Verfahren nach Artikel 7 Absatz 1 auslösen, bei dem es sich um eine förmliche Warnung der EU handelt, die mit einer Mehrheit von vier Fünfteln der Mitgliedstaaten im Ministerrat beschlossen werden kann.

Darüber hinaus hat die Kommission die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens wegen Verstößen gegen das EU-Recht gegen Polen beschlossen. Sobald das Gesetz über den Aufbau der ordentlichen Gerichte verkündet ist, wird das Kollegium ein Aufforderungsschreiben verschicken.

Gleichzeitig wiederholt die Kommission ihr Angebot, mit der polnischen Regierung einen konstruktiven Dialog zu führen.

1. Empfehlung zur Rechtsstaatlichkeit

Die heute angenommene Empfehlung zur Rechtsstaatlichkeit ergänzt die beiden vorherigen Empfehlungen, die am 27. Juli bzw. 21. Dezember 2016 angenommen wurden, und bezieht sich auf das Fehlen einer unabhängigen und rechtmäßigen verfassungsrechtlichen Überprüfung in Polen. Bisher haben die polnischen Behörden noch immer keine Maßnahmen ergriffen, um die in den ersten beiden Empfehlungen angesprochenen Missstände zu beseitigen. Die zusätzlichen Maßnahmen, die die polnischen Behörden nun getroffen haben, lassen die Bedenken über die Unabhängigkeit der Justiz noch zunehmen und erhöhen die systemimmanente Gefährdung der Rechtsstaatlichkeit in Polen weiter.

Die Empfehlung zur Rechtsstaatlichkeit, die die Kommission heute an Polen gerichtet hat, bezieht sich auf vier neue Rechtsakte, die das polnische Parlament erlassen hat und durch die sich die systemimmanente Bedrohung der Rechtsstaatlichkeit in Polen laut der von der Kommission durchgeführten Bewertung weiter verschlimmern wird: das Gesetz über den obersten Gerichtshof und das Gesetz über den nationalen Justizrat (deren Unterzeichnung der polnische Staatspräsident am 24. Juli abgelehnt hat), das Gesetz über den Aufbau der ordentlichen Gerichte (das am 25. Juli vom polnischen Staatspräsidenten unterzeichnet wurde und in Kürze verkündet und in Kraft treten wird) und das Gesetz über die nationale Hochschule für Gerichtsbarkeit (das am 13. Juli veröffentlicht wurde und in Kraft getreten ist). In ihrer aktuellen Fassung werden diese Gesetze zu einer strukturellen Aushöhlung der Unabhängigkeit der polnischen Justiz führen und sich unmittelbar und äußerst negativ auf deren Funktionieren auswirken.

Vor allem durch die Möglichkeit zur Entlassung von Richtern des obersten Gerichtshofs wird sich die systemimmanente Bedrohung der Rechtsstaatlichkeit verschärfen. Die Kommission ersucht daher die polnischen Behörden, keine Maßnahmen zur Entlassung von Richtern des obersten Gerichtshofs zu ergreifen oder diese zu zwingen, aus dem Amt zu scheiden. Sollten die polnischen Behörden derartige Maßnahmen ergreifen, könnte die Kommission unverzüglich das Verfahren nach Artikel 7 Absatz 1 des Vertrags über die Europäische Union einleiten.

2. Vertragsverletzungsverfahren nach EU-Recht

Das Kollegium der Kommissare beschloss zudem, ein Vertragsverletzungsverfahren wegen des möglichen Verstoßes gegen EU-Recht vorzubereiten. Das Kollegium ist bereit, ein Aufforderungsschreiben bezüglich des Gesetzes über die ordentlichen Gerichte zuzustellen, sobald dieses Gesetz amtlich verkündet wird. Die Hauptbedenken der Kommission im Zusammenhang mit diesem Gesetz betreffen die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, da ein unterschiedliches Mindestalter für den Ruhestand für weibliche Richter (60 Jahre) und männliche Richter (65 Jahre) festgelegt wird. Dies verstößt gegen Artikel 157 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) und die Richtlinie 2006/54 über die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Arbeitsfragen. In dem Aufforderungsschreiben wird die Kommission zudem ihre Bedenken bezüglich der Unabhängigkeit der polnischen Gerichte zum Ausdruck bringen, denn diese wird dadurch untergraben, dass der Justizminister ermächtigt wird, nach eigenem Ermessen die Amtszeit von Richtern, die das Ruhestandsalter erreicht haben, zu verlängern und Gerichtspräsidenten zu entlassen und zu ernennen (siehe Artikel 19 Absatz 1 des Vertrags über die Europäische Union (EUV) in Verbindung mit Artikel 47 der EU-Grundrechtecharta).

Nächste Schritte

Mit der Empfehlung der Kommission wird die polnische Regierung aufgefordert, die Probleme innerhalb eines Monats zu beheben und die Kommission über die hierzu ergriffenen Maßnahmen zu informieren. Die Kommission ist jederzeit bereit, einen konstruktiven Dialog mit der polnischen Regierung zu führen. Was das Vertragsverletzungsverfahren betrifft, so wird die Kommission das Aufforderungsschreiben übersenden, sobald das Gesetz über die ordentlichen Gerichte verkündet wird.

Hintergrund

Die Rechtsstaatlichkeit ist einer der gemeinsamen Werte, auf die sich die Europäische Union gründet. Sie ist in Artikel 2 des Vertrags über die Europäische Union verankert. Nach den Verträgen ist die Europäische Kommission zusammen mit dem Europäischen Parlament und dem Rat dafür zuständig, die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit als eines Grundwerts der Union zu garantieren und für die Achtung des Rechts, der Werte und der Grundsätze der EU zu sorgen. Die Ereignisse in Polen haben die Europäische Kommission veranlasst, im Januar 2016 auf der Grundlage des Rahmens zur Stärkung des Rechtsstaatsprinzips einen Dialog mit der polnischen Regierung aufzunehmen. Dieser am 11. März 2014 von der Kommission eingeführte Rahmen umfasst drei Stufen. Das gesamte Verfahren basiert auf einem kontinuierlichen Dialog zwischen der Kommission und dem betreffenden Mitgliedstaat. Die Kommission informiert das Europäische Parlament und den Rat umfassend und in regelmäßigen Abständen.

Das Europäische Parlament hat die Bedenken der Kommission konsequent mitgetragen, unter anderem auch in den beiden Entschließungen vom 13. April und 14. September 2016. Am 16. Mai 2017 informierte die Kommission den Rat (Allgemeine Angelegenheiten) über die Lage in Polen. Eine sehr große Mehrheit der Mitgliedstaaten unterstützte die Kommission in ihrer Aufgabe und ihren Bemühungen, diese Angelegenheit beizulegen, und rief die polnische Regierung auf, wieder in den Dialog mit der Kommission einzutreten.

Eine große Bandbreite weiterer Akteure auf europäischer und internationaler Ebene äußerte tiefe Besorgnis wegen der Justizreform in Polen: Vertreter der Justiz aus ganz Europa, darunter das Netz der Präsidenten der Obersten Gerichtshöfe der Europäischen Union und das Europäische Netz der Räte für das Justizwesen, die Venedig-Kommission, der Menschenrechtskommissar des Europarats, die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen sowie zahlreiche Organisationen der Zivilgesellschaft wie Amnesty International und das Netz für Menschenrechte und Demokratie.

Mehr Informationen:

Die vollständige Pressemitteilung inklusive Erklärungen zur Artikel 7

Empfehlung der Kommission vom 26. Juli 2017 (EN)

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail (link sends e-mail) oder telefonisch unter (030) 2280 2900.

Neue Ausgabe erschienen

Die Neue Ausgabe der Zeitschrift „POLEN und wir“ ist erschienen. Sie können das Heft hier online durchblättern. Zum Vergrößern der Karte das angedeutete Quadrat rechts unten im Bild anklicken:

 

 

Außerdem finden Sie hier eine Landkarte, auf der die Orte eingezeichnet sind, zu denen im Heft Artikel zu finden sind.

Presseschau: Berliner Schüler gedemütigt

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „POLEN und wir“ finden Sie einen noch nach Redaktionsschluss aufgenommenen Artikel zu den Angriffen auf eine Berliner Schülergruppe.

Da wir im Heft keine Artikel anderer Zeitungen nachdrucken dürfen, finden Sie hier eine Zusammenstellung von Artikeln zu diesem Thema.

DIE ZEIT: Persisch stört die Ruhe der Kunden

Berliner Zeitung: Klassenfahrt

Die Welt / N24: Berliner Schüler beleidigt

 

 

Ungewöhnlicher Schwarzbau

Auf der Holzkirchen-Route im Bieszczady-Gebirge

Eigentlich ist die Holzkirchen-Route im Bieszczady-Gebirge, ganz im Südosten Polens im Dreiländereck Polen-Ukraine-Slowakei, bekannt für seine alten griechisch-orthodoxen Holzkirchen. Aber die traditionelle Materialauswahl führen auch immer wieder zu neueren Gotteshäusern. So zu diesem eigentlich illegal entstandenen Kirchenbau.
Eine ungewöhnliche Kirche mit einer noch ungewöhnlicheren Geschichte. In den siebziger Jahren strebten die Gläubigen in Nowosiółki Dydyńskie (im Südosten der Wojewodschaft Podkarpackie, nahe der Ukrainischen Grenze) eine Baugenehmigung für ihre neue Kirche erfolglos an. Schließlich beschlossen sie, die Kirche ohne Genehmigung zu bauen. Zuerst wurde das für den Kirchenbau bestimmte Grundstück mit Mais bepflanzt, und als dieser gewachsen war und das Gelände von der Seite der Straße abschirmte, wurden heimlich Fundamente gegossen. Vorbereitet wurden ebenfalls sämtliche Teile der Holzkonstruktion. In einer einzigen Nacht, vom 2. auf den 3. August 1975, wurde unter Einsatz von Menschen aus der gesamten Pfarrgemeinde die Kirche fertiggestellt. Der Behörde, die die Baugenehmigung verweigert hatte, blieb angesichts der vollendeten Tatsache nichts anderes übrig, als diese zur Kenntnis zu nehmen. Mittlerweile wurde die Kirche schon einmal renoviert. Zur Erinnerung an die Baugeschichte schmücken ihre Innenwände Motive von Maiskolben.

Werbung für Green Velo

Wie eine riesige Zigarre sieht das mobile 5-D-Kino aus, in dem Polen auf dem Umweltfest im Juni in Berlin für den neuen 2.000 Kilometer langen Radweg Green Velo warb. Sechs Personen finden in dem Gefährt Platz. Sie konnten dort bei freiem Eintritt und mit allen Sinnen die Highlights des neuen Fernradwegs genießen, der durch fünf östliche Woiwodschaften führt. Auf der Leinwand erleben sie die Tour durch zauberhafte Naturlandschaften, bewegliche Sitze vermitteln ihnen das Gefühl, selbst auf einem Fahrrad zu sitzen, während ringsum Nebel aufsteigt. Der längste Radfernweg Polens wurde Anfang 2016 eröffnet. Beim Green Velo ist der Name Programm, denn die Strecke führt überwiegend durch unberührte Natur im dünn besiedelten Osten Polens. Er durchquert allein fünf Nationalparks sowie zahlreiche weitere Naturschutzgebiete. Informationen über den Radweg und die touristischen Höhepunkte in deutscher Sprache sowie detailliertes Kartenmaterial gab es am Stand des Green Velo natürlich auch. Infos: www.greenvelo.pl und www.polen.travel

Haltestelle Woodstock gefährdet

Haltestelle Woodstock

Haltestelle Woodstock (polnisch Przystanek Woodstock) ist ein alljährlich Anfang August im polnischen Kostrzyn nad Odrą (Küstrin an der Oder) stattfindendes Rockfestival. Es steht unter dem Motto „Liebe, Freundschaft und Musik“ und findet regelmäßig seit 1995 statt. 2014 hatte das Festival 750.000 Besucher. Aber auch in den letzten Jahren bei schlechtem Wetter waren mindestens 450.000 da. „Haltestelle Woodstock“ gehört damit zu den größten kostenlosen Festivals Europas. Neben vielen polnischen Bands treten auch einige internationale Headliner wie Mando Diao oder Amon Amarth auf. Auch Die Toten Hosen, The Prodigy und Ugly Kid Joe waren schon dabei. Weiterhin stellen sich im Zelt der Akademie der wunderschönen Künste bekannte Persönlichkeiten den Fragen der Festivalteilnehmer. 2009 etwa Lech Wałęsa, 2012 Joachim Gauck und Bronisław Komorowski sowie 2013 der Musikmanager Peter Jenner.Und es ist „umsonst und draußen“. Das Festival wird nur von Spenden und Sponsoren finanziert  Die Geschichte des Festivals (siehe unten) ist die einer sozialen Aktion.

Jetzt gibt es Druck der polnischen Regierung gegen das Festival. Innenminister Mariusz Blaszczak sieht eine erhöhte Terrorgefahr in diesem Jahr – weil das Festival so nahe an der deutschen Grenze stattfinde, sei es nicht ausgeschlossen, dass Islamisten nach Polen einreisen. Auf Twitter legte PiS nach. „Wollt ihr wirklich ein Festival auf polnischem Boden, bei dem muslimische Migranten teilnehmen?“, fragt die Partei in einem Tweet

Das Rockfestival entstand mit der Idee, sich bei allen Menschen, die jedes Jahr in Polen im Januar engagiert bei der Sammlung von Spenden für Kinderkrankenhäuser mithelfen, zu bedanken. Es wird von der Stiftung Wielka Orkiestra Świątecznej Pomocy organisiert. Diese Stiftung übernimmt ebenfalls die Kosten für das gesamte Event.

Das große Orchester der Weihnachtshilfe (Polnisch Wielka Orkiestra Świątecznej Pomocy, WOŚP) ist eine große nichtstaatliche Wohltätigkeitsorganisation in Polen. Es wurde 1993 von Jerzy Owsiak, Lidia Niedźwiedzka-Owsiak, Bohdan Maruszewski und Piotr Burczyński gegründet.
Jeden ersten oder zweiten Sonntag im neuen Jahr beginnt das Orchester das große Finale seiner Aktion. Den ganzen Tag sammeln über 120.000 Freiwillige im ganzen Land Geld für die medizinische Versorgung (v. a. Geräte) von bestimmten Gruppen von Kranken (Anfangs vor allem Kinder, später auch Senioren). Jedes Jahr werden die Gelder für einen anderen Zweck gespendet. Alle Menschen, die Geld gespendet haben, bekommen zum Dank ein großes rotes Herz (Aufkleber). Des Weiteren werden in Begleitaktionen Gegenstände versteigert, die oft von prominenten Persönlichkeiten (Musiker, Politiker, Schauspieler, Geistliche) gespendet wurden.

Die Geldsammlung findet auch bei polnischen Auswanderern an verschiedenen Orten im Ausland statt.
Bis 2016 (neue Regierung) wurde die Spendenaktion von den Behörden, vom öffentlichen Rundfunk und Fernsehen sowie von der Armee unterstützt. Die Spendenaktion am 15. Januar 2017 fand zum ersten Mal ohne diese Hilfe statt. Trotzdem brachte die Spendenaktion wieder eine Rekordsummme. Insgesamt wurden bislang über 100 Millionen Zloty (rund 25 Millionen Euro) gesammelt.
Das Orchester organisiert auch jedes Jahr im August das Rockfestival Haltestelle Woodstock, um sich bei allen Menschen, die bei dem Finale des Orchesters mitgeholfen haben, zu bedanken.

Eintauchen in die Geschichte Osteuropas

Europa entdecken bei zwei Studienreisen nach Vilnius, Riga und Warschau.

Europa ist nach dem jüngsten Bericht der Europäischen Tourismus
Kommission die meist besuchte Urlaubsregion der Welt. Wer sein Hintergrundwissen über
lebendige Hauptstädte in Europa vertiefen möchte, sollte sich jetzt seinen Platz sichern bei
zwei Studienfahrten des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks e.V. in Dortmund.
Für die Studienfahrt nach Vilnius und Riga vom 20. bis 27. September 2017 und für die
Studienfahrt nach Warschau vom 29. September bis 3. Oktober 2017 sind noch wenige Plätze
frei.
In Vilnius und Riga begibt sich die Reisegruppe auf eine besondere Suche nach Spuren
jüdischen Lebens und taucht tief ein in die wechselvolle Geschichte der beiden Städte: Vilnius
im katholisch geprägten Litauen wurde einst das „Jerusalem des Nordens“ genannt. Doch
ebenso wie in Riga, der Hauptstadt des Nachbarlandes Lettland, wurde die jüdische
Bevölkerung nach 1941 durch die deutsche Wehrmacht, die SS und teilweise auch
einheimische Helfer systematisch verfolgt und in hoher Zahl ermordet. Die früheren Ghettos
und die Gedenkstätten sind deshalb wichtige Ziele der Studienreisenden. Ein Höhepunkt der
Studienfahrt dürfte ein Zeitzeugengespräch mit Fania Brancovskaja sein, die als Jüdin verfolgt
wurde und im Widerstand aktiv war. Auf dieser Reise in die Geschichte der Städte öffnet das
IBB auch die Pforten zum früheren KGB-Haus, zum jüdischen Museum in Vilnius und zum
Okkupationsmuseum in Riga. Die Studienfahrt ist in Nordrhein-Westfalen und Hessen als Bildungsurlaub anerkannt.

Warschau. Skyline mit Kulturpalast.                                                                                         Foto: IBB e.V.

In die Geschichte tauchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch bei der zweiten
Studienfahrt ein, für die noch Anmeldungen möglich sind: Warschau, die Hauptstadt Polens,
steht regelrecht als Sinnbild für immer wiederkehrende Fremdherrschaft, für Zerstörung, aber
auch für Wiederaufbau und politische Veränderungen. Und so streift die Studienfahrt
unterschiedliche Epochen der Stadtgeschichte. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgen
geschichtlichen Spuren unter anderem entlang der Königsroute und kommen auch ins
Gespräch mit heute engagierten Warschauer Bürgerinnen und Bürgern.

Beide Reisen werden als Flugreisen ab Dortmund bzw. Düsseldorf durchgeführt. Informationen, Preise etc. sind über das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk e.V. zu erfahren: www.ibb-d.de zu erfahren. Das IBB ist zertifizierter Träger der Erwachsenenbildung und der politischen Bildung sowie anerkannter Träger der Jugendhilfe. Das IBB Dortmund betreibt zusammen mit belarussischen Partnern die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ in Minsk.

Umleitung Berlin-Warszawa-Express

Für Fahrgäste des beliebten Eurocity Berlin-Warszawa-Express, der beide Hauptstädte verbindet, gibt es eine Reihe von baubedingten Umleitungen.

Noch bis Donnerstag, 11. Mai, 4.00 Uhr sowie von Freitag, 12. Mai, 22.00 Uhr bis Sonntag, 14. Mai, 12.00 Uhr beginnen/enden die Züge abweichend in Berlin-Gesundbrunnen und werden über Berlin-Lichtenberg (zusätzlicher Halt) umgeleitet. Die Halte in Berlin Hbf und Berlin Ostbahnhof entfallen.

Die gleiche Regelung gilt auch von Freitag, 19. Mai, 22.00 Uhr bis Montag, 22. Mai, 4.00 Uhr, von Freitag, 14. Juli, 22.00 Uhr bis Sonntag, 16. Juli, 22.30 Uhr, von Samstag, 22. Juli, 13.00 Uhr bis Sonntag, 23. Juli, 16.45 Uhr sowie von Freitag, 4. August, 22.00 Uhr bis Montag, 7. August, 4.00 Uhr.

Da diese Daten jedoch ständig aktualisiert werden, wird empfohlen, sich aktuell bei der Deutschen Bahn (www.bahn.de) zu informieren.

UMLEITUNG ÜBER GNESNO

Ab Sommer (genaues Datum liegt uns noch nicht vor) wird der Zugverkehr dann zusätzlich  über Gnesno und Kutno (anstatt über Konin) umgeleitet. Dies führt zu einer Fahrtverzögerung.

Deutsch-polnisch-ukrainischen Umwelt -und Energiekongress

Deutsch-polnisch-ukrainischen Umwelt -und Energiekongress
in Rzeszów / Südostpolen vom 18.05. – 21.05. 2017

Ziel des Kongresses ist der Austausch und der Wissenstransfer zu Energiefragen zwischen den Institutionen und zivilgesellschaftlichen Initiativen in Polen, der Ukraine und Deutschland sowie den Auswirkungen auf Klima, Umwelt und Gesundheit.

Auf dem Kongress sollen die beteiligten Zielgruppen – Kommunen, Kirchen sowie Schulen und Universitäten – konkrete Projekte und Erfahrungen darstellen und es sollen Wege aufgezeichnet werden, wie Handlungsspielräume auf dem Weg einer ökologischen Erneuerung besser wahrgenommen und genutzt werden können.

Der Kongress kann Impulse zur Vernetzung der Akteure geben und soll zu weitergehenden Diskussionen und Projekten führen.

Veranstalter: Polnisch-Deutsche Gesellschaft (PDG) in Rzeszów und Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg (DPG)

Das ausführliche Programm hier zum Download.
Und hier das Anmeldeformular.

Teilnehmer gesucht

TEILNEHMER_INNEN FÜR EIN
TRINATIONALES THEATERPROJEKT GESUCHT
– Kommst du aus Deutschland, Polen oder Russland?
– Bist du zwischen 15 und 19 Jahre alt?
– Hast du Theatererfahrung?
– Bist du weltoffen, neugierig und interessierst dich für andere Länder, Kulturen und
Menschen?
– Fragst du dich, für welche Werte du auf- und einstehen würdest?
– Willst du an einem internationalen Projekt teilnehmen und auf der Bühne des Deutschen
Theaters in Berlin auftreten?
Wenn du diese Fragen mit „Ja” beantwortet hast, dann suchen wir dich!
Here.I.Stand ist ein Theaterprojekt für junge Leute aus Deutschland, Polen und Russland, das zum
500. Jahrestag der Reformation stattfindet. Damals hat sich Martin Luther gegen den Kaiser und
Papst gestellt. In Here.I.Stand geht es um all das, für das ihr euch einsetzen wollt. Das Projekt
findet im Jahr 2017 in Warschau, Sankt Petersburg und Berlin statt. Es besteht aus zwei
wesentlichen Teilen: drei Studienreisen und das gemeinsame Entwickeln eines Theaterstücks.
1. Studienreisen nach Warschau, Sankt Petersburg und Berlin
In Warschau, Sankt Petersburg und Berlin suchen die Teilnehmer_innen gemeinsam nach
Antworten auf die Fragen, welche Themen und Werte heutzutage für junge Menschen in den drei
Ländern wichtig sind. Was wollen wir verteidigen und wofür sind wir bereit zu kämpfen? Sie
beschäftigen sich mit Biographien von Menschen wie Martin Luther, Irena Sendler und Andrei
Sacharow, die ihre Prinzipien verteidigt haben, indem sie ihrem Gewissen gefolgt und nicht mit
dem Strom geschwommen sind.

2. Entwicklung einer Theaterstückes
Gemeinsam mit Regisseurin Uta Plate und Dramaturgin Birgit Lengers entwickeln die
Teilnehmer_innen ein Theaterstück, das am 31. Oktober 2017, 500 Jahre nach Luthers berühmtem
Thesenanschlag, am Deutschen Theater in Berlin Premiere feiern wird.
Für das Projekt werden 18 TeilnehmerInnen gesucht (6 aus jedem Land), die in Polen,
Deutschland oder Russland leben (vorzugsweise in Berlin, Warschau und Sankt Petersburg),
zwischen 15 und 19 Jahre alt sind, über gute Englischkenntnisse verfügen und
Theatererfahrung haben
Die Teilnahme an allen drei Treffen ist obligatorisch!
– Treffen in Warschau: 30. Juni – 09. Juli 2017
– Treffen in Sankt Petersburg: 27. August – 03. September 2017
– Treffen in Berlin: 18. Oktober – 03. November 2017
Die Projektsprache ist Englisch. Die Teilnahme ist kostenlos. Alle projektbezogenen Kosten (u.a.
Anreise, Unterbringung, Verpflegung, Visum) werden übernommen.
Wenn du dich für das Projekt anmelden möchtest, fülle bitte den Bewerbungsbogen unter
diesem Link aus: https://goo.gl/5KPMfu. Die Bewerbungsfrist endet am 07. Mai 2017. Eine
engere Auswahl wird im Mai zu einem Workshop eingeladen.
Wenn du Fragen zum Projekt oder zur Bewerbung hast, kontaktiere bitte den Projektmanager,
Grzegorz Szymanowski, unter der Email-Adresse: grzegorz.szymanowski@teltow-zehlendorf.de.